





An diesem Tage schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy einen Brief an seinen Freund Franz Hauser in Leizig aus dem deutlich wird, in welcher Weise ihn die Ablehnung der Zelter-Nachfolge und die Bevorzugen von Rungenhagen im Singverein zu Berlin verletzt und verärgert hatte.
Hier ein kleiner Auszug aus diesem Brief:
"Berlin d.20 Fer.33.
Lieber Hauser!
...Hast Du von Schelble gehört? Ich habe ihm vor einem halb Jahr geschrieben und seit anderthalb keine Zeile von ihm. Wie brillant mich Rungenhagen ausgestochen hat, weißt Du, und doch verzweifle ich an mir selbst noch nicht, obwohl an der Sing-Akademie beinahe; aber auch das nicht einmal. Sie wird nicht untergehen, wie meine hiesigen Freunde behaupten, sondern so sachte fortsingen, und die alte Musik aufrechterhalten, so lange die alte Musik sie aufrecht erhält; was Neues kommt von dort nicht her, wie überhaupt von Berlin schwerlich. Denn ach sie sind Philister, dicke Philister. Hierauf läßt sich ein Canon machen..."
In diese Stimmung hinein schrieb das Düsseldorfer Komitee des Musikfestes den nachfolgend zitierten Brief an Mendelssohn und fand ihn bereit, über eine Aufgabe im Rheinland nachzudenken. Schon am 7.3.1833 traf FMBs schriftliche Zusage in Düsseldorf ein (siehe Eintrag von diesem Tage).
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Als das Comité für das Niederrheinische Musikfest und der Musikvereinsvorstand hörten, dass Felix Mendelssohn Bartholdy zum Jahresbeginn 1833 wieder nach Düsseldorf kommen wolle um Schirmer, Bendemann und alle sonstigen Freunde zu besuchen, setzte man sich flugs hin und schrieb folgenden Brief an Mendelssohn:
"An den Herrn Felix Mendelssohn
Wohlgeboren zu Berlin, Leipziger Str. Nr. 3
Das Niederrheinische Musikfest, dessen Feier in den seit 17 Jahren dafür verbundenen Städten Aachen, Coeln, (Wuppertal) Elberfeld und Düsseldorf durch die stets erregtere Teilnahme durch die verbreitete Freude an den klassischen Werken der Tonkunst ein wahres Nationalfest der Rheinlande geworden, wird an den beiden bevorstehenden Pfingsttagen am 26ten und 27ten Mai c. hier in Düsseldorf gefeiert werden, nachdem dasselbe in Aachen, wo es begangen werden sollte, nach eingegangener Nachricht aus lokalen Rücksichten nicht angeordnet werden kann. Die Unterzeichneten sind als festordnendes Comite zusammengetreten und an die erste Sorge für die Auswahl großartiger, den versammelten Kräften entsprechender Tonwerke, wonach für den ersten Tag
Händel's herrliches Oratorium "Israel in Ägypten",
für den zweiten Tag, welcher statutenmäßig neueren Werken gewidmet wird, vorläufig
die Symphonie B-Dur von L.v. Beethoven
die Ouvertüre zu Egmont von demselben und
die Osterkantate von Wolff
zur Aufführung gewählt wurden, hat sich sogleich die zweite gleich wichtige Rücksicht geknüpft, unserem Feste einen, durch künstlerischen Namen und Ruf bedeutenden Dirigenten zu gewinnen.
Ew. Wohlgeboren führt, wie wir zu unserer großen Freude erfahren, andere künstlerische Veranlassung bald in unsere Mitte und dieses leiht uns die Hoffnung, Sie, den trefflichen Künstler, den verehrten Componisten, den bewährten Dirigenten für die Uebernahme der Leitung unseres Musikfestes zu gewinnen. Wir bitten herzlich, derselben sich zu unterziehen, und die Sie hierher führenden Beziehungen mit unseren Wünschen insofern in Einklang zu bringen, daß es Ihnen möglich sei, bis nach Vollendung unseres Festes unter uns zu verweilen, um an unseren Arbeiten, an unseren Freuden Theil zu nehmen und den Ruhm zu erndten, welcher dem würdigen Dirigenten eines so schönen Festes geziemt.
Wir wagen es, auf Eure gütige Gewährung unserer Bitte zu rechnen und knüpfen an dieselbe noch die folgende nähere Mittheilung.
Das Oratorium "Israel in Ägypten" ist in Berlin zur Aufführung gekommen. Veilleicht wurde es durch Ew. gütige Vermittelung möglich, die Partitur und die Orchesterstimmen, oder doch die letzteren, von dort leihweise zu erhalten, wodurch uns ein bedeutender Kostenaufwand erspart und die Gewißheit gegeben wurde, die Stimmen zur rechten Zeit zu besitzen. Ew. Wohlgeboren ersuchen wir ergebenst um gefällige Aeußerung, ob Sie für jenen Zweck Einleitungen zu treffen im Stande sind, oder welche Schritte hierunter von unserer Seite geschehen können.
Die Auswahl der vorläufig für den zweiten Festtag bestimmten Werke wird gewiß Ihren Befall erhalten. Es fehlt uns jedoch noch ein zweites, neueres, besonders mit einigen schönen Soloparthieen versehenes Gesangstück, welches nach der Symphonie gegeben, mit dieser den ersten Theil des zweiten Abends ausfüllt und zugleich der ganzen Masse der Theilnehmer würdige Beschäftigung gewährt. Ferner hat das Oratorium von Haendel keine Einleitung, die an der mächtigen Wirkung eines großen Orchesters würdige Vorbereitung des Folgenden sei. Hier ergeht nun an Ew. die ergebene Bitte, eine entsprechende Instrumental-Einleitung, an welcher sich die Wirkung der Masse klar macht, für unser Fest selbst zu liefern und neben Ihrer Leitung uns auch den Genuß der Verehrung Ihres begabten Genius zu gönnen, sowie, was die Wahl des noch erforderlichen Gesangwerkes betrifft, uns Ihren Rath gefälligst zu ertheilen. Vielleicht dürfte unter den neueren Compositionen von Bernhard Klein sich ein passendes Werk finden, für dessen Umfang wir etwa den 103ten Psalm von Falca oder das Vater unser von Naumann als Maß bezeichnen? Jedenfalls wird Ihnen in Berlin eine größere Auswahl zu Gebote stehen und wir vertrauen uns in dieser Beziehung Ihrer Sachkenntniß und gütigen Fürsorge.
Schließlich bitten wir Ew. ergebenst um eine recht baldige geneigt gewährende Antwort über den Hauptpunkt unseres Briefes und haben uns verehrend zu nennen
Ew. ergebenstes Comitee."
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Die Zusage Mendelssohns, das Musikfest im Jahre 1833 zu leiten, wurde vom Comite des Festes wohl vorausgeahnt. So setzte man an diesem Tage folgendes "Zirkular" in Umlauf:
"Düsseldorf, den 7. März 1833.
Nach einer jetzt ergangenen Mitteilung wird der bei dem letzten Niederrheinischen Musikfeste zu Cöln gefaßte Beschluß, wonach dasselbe in diesem Jahre in Aachen gefeiert werden sollte, nicht zur Ausführung kommen, weil lokale Verhältnisse die Anordnung des Festes in Aachen für den Augenblick unzulässig machen.
Uns haben die freudigen Erinnerungen an die früheren Feste veranlaßt, die Unterlassung unserer Rheinischen Nationalfeier im regen Interesse zur Sache zu begegnen und diesmal für Aachen die Schranken zu öffnen.
Die Unterzeichneten sind als festordnendes Comité zusammengetreten und hoffen, ein den vorhergegangenen Festen würdig anzureihende Pfingstfeier zu bereiten, welchen allen Teilnehmern einen erhabenen Kunstgenuß zu gewähren und den bewährten Sinn der Bewohner unserer Provinzen für die klassischen Werke der Tonkunst erneut und werthvoll anzuregen im Stande sei. Der werkthätige Mitgenuß und die freudige Theilnahme der Musikfreunde allein können das Gelingen des Unternehmens verbürgen. Das rege Bestreben der Einzelnen für die Freude Aller muß teilnehmend, von persönlicher Rücksicht fern, sich thätig entfalten. Den Wunsch solcher Theilnehmung erlauben wir uns, auch Ihnen angelegentlich auszusprechen. Wir werden es als unsere angenehme Pflicht betrachten, durch unsere Anordnungen den Werth des Festes Allen wirksam zu machen. In dieser Rücksicht sind vorläufig zur Ausführung folgende Tonwerke gewählt:
Am ersten Tage, den 26. Mai
G.F. Händels Meisterwerk, das Oratorium "Israel in Ägypten"
Am zweiten Tage, den 27. Mai,
1) Symphonie B-Dur von L.v.Beethoven,
2) Ouvertüre zu Leonore von demselben,
3) Eine Cantate von E.W. Wolff. Text von Herder.
Noch sind für die Ausführung, insbesonders eines ausgezeichneten Gesang-Werkes neuerer Zeit die nöthigen Einleitungen getroffen. Die genannten Werke bilden in der Zusammenstellung des Klassischen alter und neuer Zeit die würdigste Aufgabe für den Niederrheinischen Musikverein und sprechen die Rechtfertigung ihrer Wahl für sich selbst aus.
Bei der Entfernung unseres bekannten Niederrheinischen Meisters F. Ries haben wir einen anderen ausgezeichneten, den als Komponisten und Dirigenten bewährten und berühmten Künstler Felix Mendelssohn-Bartholdy in Berlin um die Uebernahme der musikalischen Leitung des Festes ersucht, und hoffen, auch durch diese Wahl die würdevolle Ausführung zu sichern und dem Feste einen neuen Glanz zu gewähren.
Die Zweckmäßigkeit der hier vorhandenen Lokalitäten, die Freiheit, die freundliche Umgebung Düsseldorfs zu den schönen Tagen des Maifestes in mancher Annehmlichkeit genußreich zu machen, und das Bewustsein, zu einem frohen Feste einladen zu dürfen, lassen uns eine heitere Theilnahme, ein glückliches Gelingen mit Sicherheit erwarten.
Wir erlauben uns daher, Sie zu unserem Fest freundlich einzuladen und um eine baldgefällige Zusage Ihrer Mitwirkung, etwa durch die Direction des dortigen Musikvereins ergebenst zu ersuchen.
Das Comité für das Niederrheinische Musikfest 1833.
Graf von Hacke - Schöller - von Fuchsius - F. Wetschky - von Sybel - Umpfenbach - C. Hoevel - von Woringen - Frh. von Pelser - Menkhoff - Schumacher - Schramm - Friederichs - Schreiber - W. Schadow - Wolters - Schmidts"
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Das Comite für das Niederrheinische Musikfest von 1833 und der Musikverein hatten Felix Mendelssohn Bartholdy die Stelle als Festdirigent angeboten (siehe Eintrag vom März 1833). Mendelssohn nahm diesen Auftrag an mit folgendem Brief, der als notariell beglaubigter Brief Nr. 1 im Archiv des Musikvereins bezeichnet ist:
"An das Comite für das Niederrheinische Musikfest 1833
Berlin, den 16ten März 1833
Dem hochverehrten Comite für das Niederrheinische Musikfest d.J. sage ich den herzlichsten Dank für den ehrenvollen und erfreulichen Antrag und das Zutrauen, das Sie mir zeigen, indem Sie mir die Direction des diesjährigen Musikfestes übertragen wollen. Es ist für jeden Musiker Pflicht und Freude, bei einem so herrlichen Unternehmen nach seinen Kräften mitzuwirken, und so ist natürlich, daß ich die Leitung, die Sie mir anvertrauen, nur mit meinem besten herzlichsten Dank dafür annehmen kann.
Nun habe ich aber für das Frühjahr in England eine Verbindlichkeit übernommen, welche meine Gegenwart in London spätestens Ende April nothwendig macht, zu welcher Zeit ich über Düsseldorf dahin zu gehen gedachte. Von dieser Zeit an bis zum Musikfeste in Düsseldorf zu bleiben, wie Sie in Ihrem Brief wünschen, wäre mir nun unmöglich, da ich die Philharmonischen Concerte, wegen deren ich die Reise mache, dann ganz versäumen müßte; ich würde also genötigt sein, von London zum Musikfeste nach Düsseldorf wiederzukommen, und das würde ich mit der größten Freude thun, wenn es nicht vielleicht nothwendige Bedingung ist, daß der Director so lange (über 3 Wochen) vorher schon dort sei. Wäre dies der Fall n i c h t, so würde ich mich dazu verbinden, den 16ten Mai wieder in Düsseldorf einzutreffen, und dann schon in der ersten Hälfte des April nach London durchzureisen, um die nötige Zeit zu gewinnen. Da ich glaube, daß auch bei den früheren Festen die Dirigenten nur eben 8 Tage vorher eintrafen, so bin ich in der Hoffnung, daß dies Zusammentreffen mich nicht um die Freude Ihren Antrag anzunehmen zu können, bringen wird und bitte Sie nur mir sobald als möglich Ihre Entscheidung hierüber zukommen zu lassen, damit ich meine Reiseeinrichtungen danach treffen kann, im Falle sie, wie ich hoffe und wünsche, mir günstig ausfällt.
Wegen der Partitur und Orchesterstimmen von Israel in Ägypten habe ich bei der Sing-Akademie angefragt und es ist mir versprochen worden, mir dieselben für as Musikfest mitzugeben; nur wünscht man zu wissen, wie lange die Stimmen dort gebraucht würden und wie bald sie wieder hier sein könnten. Wenn Sie also die Güte hätten, mir nur einige Zeilen an die Vorsteherschaft der S.A. zuzusenden, in denen Sie sagen, binnen welcher Zeit die Musikalien zurück erfolgen sollten, so werde ich Ihnen dieselben dann sogleich überschicken können oder selbst mitbringen.
Ob es möglich sein wird, eine Ouvertüre zu Haendels Oratorium zu schreiben, darüber bin ich noch mit mir selbst nicht einig; auch ein passendes Musikstück für den zweiten Abend habe ich bis jetzt nicht ausfinden können, werde mich aber bis zum Empfang Ihrer gütigen Antwort genau damit beschäftigen; bei meiner Durchreise im April würden sich auch wohl die weiteren Verabredungen und Anstalten deshalb treffen lassen.
Indem ich Ihnen die Versicherung meines herzlichen Danks erneuere, bin ich mit vollkommner Hochachtung
Eures hochgeehrten Comites ergebenster
Felix Mendelssohn Bartholdy"
Bild: Kreidezeichnung von Felix Mendelssohn Bartholdy etwa um 1835.
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Die Musikvereinschronisten schrieben über den Beginn der Arbeit mit Felix Mendelssohn Bartholdy (Bild) folgendes nieder:
Als er (Mendelssohn) nun im April 1833 als 24jähriger Jüngling wiederum nach Düsseldorf kam, knüpften sich hier schnell die Fäden, die zu einem dauernden Aufenthalt führen sollten. Wir wissen hier, wie ihn sofort das ganze Wesen und Leben, das ungebundene künstlerische Treiben der ihm so sympathischen Maler anzog. Zunächst nahm er mit echter Freude den Ruf an, das große Düsseldorfer Musikfest zu leiten. Zwischendurch fuhr er nach England, wo im Philharmonic seine A-Dur-Symphonie mit großem Erfolg gegeben wurde. Dann kam er zurück nach Düsseldorf zum Musikfest und erreichte mit wenigen Proben einen geradezu verblüffenden Erfolg. Mendelssohn hatte das Glück gehabt, die Originalpartitur von Händels Israel in Ägypten" aufzufinden, und dieses Werk hatte er als Hauptstück bestimmt. Chor und Orchester waren nicht wiederzuerkennen."
Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte am 18.3.1833 in Berlin zu Carl Leberecht Immermanns Theaterstück "Der standhafte Prinz" (nach Pedro Calderón de la Barca) eine Theatermusik für Männerchor und Orchester, die an diesem Tage uraufgeführt wurde.
Bild und Kurzbiographie: Carl Leberecht Immermann (1796-1840) (in einem Bild von Wilhelm von Schadow), Schriftsteller; studierte Jura von 1813 bis 1817 an der Universität Halle und trat anschließend in den preußischen Staatsdienst ein. Ab 1824 arbeitete er als Kriminalrichter in Magdeburg und wechselte 1827 nach Düsseldorf, wo er zunächst Landgerichtsrat war. Dort begründete er 1832 das Stadttheater, das er bis 1837 leitete. Sein zwischen Romantik und Realismus stehender Roman "Die Epigonen" (3 Bde., 1836) zeigt die Auflösung der alten Gesellschaftsformen. Der humoristische Roman "Münchhausen" (4 Bde., 1838/39) und das komische Heldenepos "Tulifäntchen" (1830) sind Zeitsatiren. Werke u.a.: "Das Thal von Ronceval" (1819), "Die Prinzen von Syracus" (1821), "Das Trauerspiel im Tyrol" (1827), Alexis (1832).
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Carl_Leberecht_Immermann
Nun wurden die Fäden geknüpft, wie man Mendelssohn zu einer bleibenden Tätigkeit gewinnen könnte. Hierzu sollte sicher auch eine Sondersitzung des Comites dienen, zu der wie folgt eingeladen wurde:
"Die Anwesenheit des Herrn Felix Mendelssohn Bartholdy, welche nur bis Samstag, den 20ten d. dauert, gibt Veranlassung, die verehrten Mitglieder des Comité's zu einer Conferenz auf Freitag, den 19ten d., Mittags 12 Uhr, im Ständehause einzuladen.
Düsseldorf, den 18ten April 1833
Cirkulirt bei den
Herren Grafen von Hacke, Reg.-Rath von Sybel, Frhr. von Felser, Dir. Schadow, Oberb. Schöller, Regk. Umpfenbach, Maj. Menkhoff, Adv.-Anw. Friedrichs, Dom.-Rath Wolters, Reg.-Sekr. v. Fuchsius, Stadtv. Hoevel, Reg.-Ref. Schumacher, Schreiber, Schmidts, Fr. Wetschky."
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
An diesem Tage schrieb Mendelssohn aus London folgenden Brief an den Vorstand des Musikvereins, Ferdinand von Woringen, der auch tatkräftiges Mitglied und Geschäftsführer im Komitee des Niederrheinischen Musikfestes von 1833 war (Brief Nr. 3):
"Lieber Herr von Woringen!
In der größten Eile schreibe ich diese Zeilen, weil seit meiner Ankunft tausend Geschäfte und Beschäftigungen auf mich eingestürmt sind. Aber ich habe Ihnen eine fürs Musikfest wichtige Nachricht mitzuteilen, über die ich mich sehr freue. Es hat sich hier nämlich ein Textbuch zu Israel in Ägypten gefunden, das unter Händel (Bild) selbst gebraucht worden ist; da stehn eine Menge fehlender Stücke drin, und bei weiterer Nachsuchung hat sich auch seine Partitur in der Bibliothek des Königs Georg III. gefunden, die eine Menge fehlender Stücke enthält. Diese habe ich mir verschafft und wenigstens die Recitative, die nur mit Bässen begleitet sind, können und müssen wir mitmachen, denn sie erklären erst das Ganze und sind aus mir unbegreiflichen Gründen in der gedruckten Partitur ausgelassen.
Auch wunderschöne Arien in Menge sind darin, wenn also die Arie und e-moll aus dem Psalm noch nicht ausgeschrieben ist, so lassen Sie es auch nicht geschehen. Ich schicke Ihnen diese Partitur mit der Schaumschen zurück, lege auch gleich eine Uebersetzung bei, die ich hier machen lasse.
Über alles das schreibe ich Ihnen heut über 8 Tage ausführlich, damit Sie es in Ihrer Vorrede erwähnen können, denn man muß diesen Fund bekannt machen.
Wenn ich auch bis heut über 8 Tage nichts von Ihnen erhalten haben sollte, so schicke ich Ihnen meine Ouvertüre allein dann zu, weil sonst zum Ausschreiben nicht Zeit ist.
Bitte lassen Sie mich umgehend wissen, ob und wann ich die Partituren von Schaum bekomme. Sagen Sie mir auch, ob ich zeitig genug komme, wenn ich den 20sten Morgens früh da bin oder ob ich den 17ten schon nothwendig bin? Ich kann mich dann wohl danach einrichten, aber nur schreiben Sie mir es umgehend.
Und herzlichste Grüße den lieben Ihrigen
von Ihrem ergebensten
Felix Mendelssohn B.
Via Rotterdam Mr
Mr. F. de Woringen Düsseldorf Prussia!
London, am 30. April 1833"
In Vorbereitung auf seine Anstellung in Düsseldorf hatte Felix Mendelssohn Bartholdy am 23.4.1833 in Rotterdam ein Werk für Männerchor komponiert, welches er in Düsseldorf zum ersten Male aufführen wollte:
Felix Mendelssohn Bartholdy: "Musikantenprügelei" (-Seht doch diese Fiedlerbanden- Text: Robert Reinick)
Die Uraufführung fand an diesem 2.5.1833 anlässlich eines Dürer-Festes mit einem lebenden Bild von Adolf Schrödter statt.
Bild und Kurzbiographie: Robert Reinick (* 22. Februar 1805 in Danzig; 7. Februar 1852 in Dresden) war ein Maler und Dichter. Reinick besuchte ab 1825 die Kunstakademie in Berlin, ab 1827 als Schüler Carl Joseph Begas (auch Begasse). Er blieb bis 1831 in Berlin, wo er unter anderem mit Adelbert von Chamisso und Eichendorff im Austausch stand. Seit dieser Zeit wandte er sich neben der Malerei der Dichtung zu. Nach 1831 setzte er seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf fort und unternahm 1838 die unter Künstlern obligatorische Studienreise nach Italien. Im Jahre 1844 heiratete er und ließ sich in Dresden nieder, wo er bis zu seinem Tode als Dichter und Kunstmaler wirkte. Reinick schrieb zwei Opernlibretti: "Konradin" (vertont von Ferdinand Hiller; UA 13. Oktober 1847 in Dresden) und "Genoveva" (von Robert Schumann zunächst abgelehnt, dann umgearbeitet; in der vertonten Fassung stammen etwa 200 Verse von Reinick).
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Robert_Reinick
Nachfolgend geben wir dem Leser den Anstellungsvertrag zwischen der Stadt Düsseldorf und Felix Mendelssohn Bartholdy zur Kenntnis:
Vertrag zwischen dem Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Herrn Philipp Schöller, im eigenen Namen und im Interesse seiner Mitbürger als deren Vertreter handelnd, an einer, und dem Herrn Felix Mendelssohn Bartholdy andererseite, ist heute folgender Vertrag verabredet und beschlossen worden.
Artikel 1
Herr Felix Mendelssohn Bartholdy übernimmt die Direktion der Vokal- und Instrumentalmusik in Beziehung auf alle in Düsseldorf stattfindenden musikalischen Leistungen, insofern die selben von den hier bestehenden Musikvereinen, dem Instrumental- und dem Singverein, gemeinschaftlich oder von jedem besonders, ausgehen.
Diese Verpflichtung begreift demnach namentlich:
a) die Direktion der Kirchenmusik
b) die Direktion der von den genannten Vereinen in ihrem eigenen Interesse zu veranstaltenden, unter Artikel 2 näher bezeichneten Konzerte.
c) die Direktion bei den Übungen der beiden gedachten Vereine.
Herr Felix Mendelssohn Bartholdy tritt in seiner Eigenschaft als erwählter Dirigent der beiden Vereine in die Mitgliedschaft der Direktion der selben ein und wird mit den resp. Direktionen das gemeinsame Interesse fortwährend nach den Statuten wahrnehmen.
Diese Statuten, welche insbesondere in Rücksicht auf die Verpflichtung des Herrn F. Mendelssohn Bartholdy zur Leitung der Übungen des Instrumentalvereins eine ganz genaue Bestimmung nach näherer Übereinkunft enthalten sollen, werden nach bereits geschehener Rücksprache mit den bestehenden Direktionen beider Vereine unter Zuziehung des Herrn Mendelssohn einer Revision unterworfen, welche vor dem Beginn dieses Vertrages vollendet sein soll.
Artikel 2
Herr F. Mendelssohn Bartholdy verpflichtet sich, die von den Direktionen der Vereine gemeinschaftlich zu veranstaltenden Konzerte, deren in jedem Jahre nicht mehr wie acht stattfinden werden, so auszustatten, wie die ihm dabei zu gebote stehenden Kräfte der beiden Vereine, oder des Gesamtvereins, sowie seiner eigenen Kräfte es nur immer gestatten. Die Zahl der zu gebenden Konzerte wie die Zeit ihrer Veranstaltung bleibt näherer Beratung vorbehalten.
Artikel 3
Herr Mendelssohn Bartholdy erhält für die vorbestimmten Leistungen aus den Händen des Herrn Oberbürgermeisters Schöller jährlich die Summe von 600, geschrieben sechshundert Tahler cour. und zwar in vierteljährlichen Raten praenumerando ausbezahlt. Der Herr Oberbürgermeister Schöller haftet für die Auszahlung dieses Betrages persönlich.
Artikel 4
Herr F. Mendelssohn Bartholdy erhält die Befugnis, jährlich drei Monate, in dem Zeitraum vom 1. Mai bis zum 1. November seinen Reisen zu widmen, ohne das deshalb eine Verkürzung seines Gehaltes stattfindet.
Artikel 5
Die Dauer dieses Vertrages beginnt mit dem 1. Oktober 1833 und endet mit dem 1. Oktober 1836. Jedoch steht es den Contrahirenden Theilen frei, nach Verlauf von 2 Jahren mit vorher gegangener vierteljähriger Kündigung den Vertrag aufzulösen.
Dieser Vertrag ist doppelt ausgefertigt und jedem der Kontrahenten in einem Exemplar des selben nach vorheriger Unterschrift behändigt worden.
Düsseldorf den 20. Mai 1833
gez. Philipp Schöller - gez. Felix Mendelssohn Bartholdy"
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
FMB schrieb zusammen mit seinem Vater einen Brief an seine Muttter Lea (Bild)und die Familie in Berlin aus dem ziemliches Erstaunen über die Verhältnisse bei den Vorbereitungen zum großen Musikfest zu entnehmen ist und auch deutlich wird, in welcher Weise FMB mit seinem Vater über den Verbleib in Düsseldorf diskutierte:
"Dusseldorff, 22 Mai 1833
...Ich kann heute nur meinen herzlichen Gruß an Dich, liebe Mutter, und Euch Alle zufügen. Denn Zeit ist hier nicht übrig.
Eben gerieth ich aber mit Vater wieder in ein langes Gespräch, nun ist noch weniger Zeit übrig. Vater ist sehr munter und wohl, und so Gott will, wird ihn die Reise und Bewegung und warme Frühlingsluft gar gut thun. Auch wohnt sichs bei diesen liebenswürdigen Leuten ganz angenehm, und es giebt viel zu sehn und zu hören und zu essen hier. Damit kann man leben. Aber Himmel! kennt Ihr Maitrank? Ich trink ihn immer in den Pausen der Probe. Zwischen dem ersten und 2ten Theil von Israel in Aegypten geht das ganze Orchester und der ganze Chor in den Garten, und saufen alle Maitrank. Nachher wird ein Tusch geblasen, dann laufen sie geschwind ans Pult, und wischen sich den Mund ab. Ich stehe bei alle dem an der Spitze. -Jetzt wird gleich Probe sein von der scheuslichen Macht der Töne und Nachmittag um 3 ist die erste Generalprobe, die soll dauern bis es kühl draußen wird d.h. bis 9 oder 1/2 10. Morgen sind wieder 2 Proben, tolle Wirthschaft. Daß aber Vater hier ist, macht nun die ganze Sache erst lustig, und er hat Reisepläne, und ich gebs noch nicht auf das Engagement anzunehmen, das mir Herr Benj. Hawes, M.P., auf den 8ten Juni zum dinner für Vater und mich aufgetragen und eingeschärft hat. - Die geheimnißvollen Pläne von denen Vater schreibt, sind die, daß sie mich gern hier ein Paar Jahre festhalten wollten, und mir deshalb Hals über Kopf mehrere Bedingungen zugeschickt haben, wo die Hauptsache ist, daß ich ein Vierteljahr reisen soll (die kennen mein faible) ein ganz nettes Gehalt habe, und wenig und nur Angenehmes zu thun. (wie z.B. die Kirchenmusik unter mir zu haben, und jeden Winter drei Concerte zu geben) und daß ich nun mit Vater sehr besprechen werde, ob ichs annehmen soll oder nicht. Aber in den ersten vier Tagen wird nichts besprochen, da ist keine Zeit, und somit lebt auch wohl...
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Felix Mendelssohn Bartholdy leitete zum ersten Male als Festdirigent ein Musikfest und zwar das 15. Niederrheinische Musikfest, in Düsseldorf das 6., im Jahre 1833. Aus den Chroniken ist folgender Programmablauf zu entnehmen:
26.5.1833
1. Tag des Musikfestes
Felix Mendelssohn Bartholdy: Fest-Ouvertüre" - Erstaufführung
Georg Friedrich Händel: Israel in Ägypten" aus der Originalpartitur (in einer Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdy)
Bild: Felix Mendelssohn Bartholdy in einer Kreidezeichnung etwa um 1835
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Zweiter Tag des Musikfestes unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy:
27.5.1833
2. Tag des Musikfestes
Ludwig van Beethoven: Pastoral-Symphonie Nr. 6 in F-Dur"
Ernst Wilhelm Wolf: Ostercantate"
Ludwig van Beethoven: "Leonoren-Ouvertüre"
Peter von Winter: Kantate Die Macht der Töne"
Vater Mendelssohn schrieb im Brief an seine Gattin nicht nur über die großen Erfolge ihres Sohnes, sondern auch über die ihn und Felix so begeisternde Atmosphäre in der Stadt während der Musikfeste und über den Ablauf der Konzerte im Beckerschen Saal:
"...Das Drängen und Treiben zu diesem Fest ist allerdings auch erfreulich; aus Holland kommen die Leute und eine Hauptsängerin aus Utrecht. In der Stadt ist nirgendwo mehr Platz. Ich genieße Gastfreundschaft bei Woringen. Nach dem Essen war Kaffeevisite, und kamen die Decker, Schadow u.a.. Felix hatte bei Prinz Friedrich diniert und kam mit Immermann zurück.
- Solch ein Musikfest am Rhein ist ein schönes und eigenes Ding; es ist ein Ereignis, nur von der Musik veranlaßt und nur in diesem Lande möglich. Die dichte Bevölkerung, der rasche rege Gewerbefleiß, welcher sie zusammendrängt, haben zu ihren Zwecken zahllose Transportmittel zu Wasser und zu Lande veranstaltet, und alle sind für diese zwei Tage in Anspruch genommen; seit vorgestern bringen Dampfboote, Eilwagen jeder Art, Extraposten, eigene Equipagen ganze Familien aus allen Gegenden.
- Es ist ein wahres Volksfest, daher ich auch bis jetzt keinen Polizeimann oder Gendarmen bemerkt habe, und der Magistrat die Wege bis zum Konzertsaal - er liegt außerhalb der Stadt - mit Feuerspritzen reichlich besprengen läßt. Aber auch das Lokal selbst trägt viel zur eigentümlichen Gestalt des Ganzen bei. Am Flingersteinweg, der Landstraße nach Berlin, etwa zweitausend Schritt vor der Stadt, in einem großen schattenreichen Wirtschaftsgarten ist ein Saal von 135 Fuß Länge, etwa 70 Fuß Breite und leider nur 27,5 Fuß Höhe hineingebaut. Der Saal faßt ungefähr 1200-1300 Menschen; ein Drittel davon ist für Chor und Orchester abgeteilt. Während der Pausen stürmt alles in den Garten, Massen von Butterbroten, Maitrank usw. werden an großen und kleinen Tischen verzehrt. Inzwischen werden in dem Saal Türen und Fenster geöffnet, und wenn die Luft gehörig erneut, die Pause abgelaufen ist, ertönt vom Orchester in den Garten ein starker Tusch, worauf alles wieder rasch und lustig in den Saal zieht; etwa Säumige oder noch Durstige ruft ein zweiter Tusch und - Israel schreit wieder zum Herrn".
Bild: Der große Konzertsaal mit der Holzkonstruktion
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Mendelssohn leitete seine Fest-Ouvertüre" als Erstaufführung (siehe auch die Anmerkung zu diesem Werk im Eintrag vom 28. 5. 1833) und Händels Israel in Ägypten" aus der Originalpartitur als ebenfalls Düsseldorfer Erstaufführung.
Mendelssohns Vater, Abraham Mendelssohn (Bild), erlebte seinen Sohn bei diesem Musikfest und schrieb seiner Gattin in überschwänglichen Worten und mit großem Stolz, welch großen Erfolg Felix in Düsseldorf hatte. Er schrieb aber auch noch über den Konzertablauf und den Konzertsaal wie folgt:
Liebe Frau , wir erleben Freude an unserem Felix!
- Es ist mir noch nicht vorgekommen, einen Menschen so auf Händen getragen zu sehen, wie Felix hier; er selbst kann den Eifer aller zum Fest Mitwirkenden, ihr Zutrauen zu ihm nicht genug rühmen, und, wie überall, setzte er alles durch sein Spiel und sein Gedächtnis in Erstaunen. Die Beethovensche Pastoralsinfonie spielte er nicht allein sofort auswendig, sondern für den Tag darauf, als bei der Probe keine Partitur da war, dirigierte er sie auswendig und sang die ausgebliebenen Instrumente mit.
... Felix hat wirklich ein ungeheures Stück Arbeit, aber er vollbringt es mit Lust, Kraft, Ernst und Gewandheit und tut wirklich Wunder! Mir wenigstens erscheint es oft als etwas Wunderbares, daß vierhundert Menschen aller Geschlechter, Stände und Alter, wie der Schnee zusammengeweht, sich von einem der Jüngsten von Ihnen, allen fast zum Freund zu jung, ohne Titel und Würden, führen und leiten lassen.
... Also die gestrige Aufführung war sehr schön, der Saal so voll, wie er nach offiziellen Nachrichten noch nie war. Felix wurde beim Herauftreten auf seinen Platz durch einen General Tusch des Orchesters und sehr lebhaften Applaus des Publikums begrüßt; seine Ouvertüre ging vortrefflich. Nach kurzer Pause die erste Abteilung von Israel, dann eine Stunde Pause, und nun ging das Zechen im Garten los; dann der zweite Teil. Die Chöre gingen größtenteils so vortrefflich, wie ich sie noch nie gehört, die Soli waren schwächer, desto stärker die unglaubliche Hitze. ...Um 10 Uhr war der Spaß aus, und wir gingen in eine Abendgesellschaft mit Tee, Heringssalat und Eis, und kamen erst um 1 Uhr nach Hause."
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Dritter Tag des Musikfestes 1833 unter der Leitung Felix Mendelssohn Bartholdys mit dem Morgenkonzert und einem bunten Programm:
28.5.1833 (Morgenkonzert)
3. Tag des Musikfestes
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre zu Fidelio"
Carl Maria von Weber: Arie der Agathe aus dem Freischütz"
Carl Maria von Weber: Solo für Pianoforte" vorgetragen von Felix Mendelssohn Bartholdy
Wolfgang Amadeus Mozart: Arie aus der Oper Figaro"
Ludwig van Beethoven: Duett aus Fidelio"
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre aus Leonore"
Georg Friedrich Händel: Verschiedene Chöre aus Israel in Ägypten"
Sopran: Frau Kufferath aus Utrecht, Frau v. Decker aus Berlin
Alt: Frau von Beckerath aus Crefeld, Frl. Maas aus Köln
Tenor: Herr v. Woringen aus Düsseldorf
Bass: Herr M. DuMont aus Köln, Herr Schiffer aus Köln
Mitwirkende: 419 (Chor 267, Orchester 142)
Beckerscher Gartensaal
NB: Preis der Eintrittskarte zum Morgenkonzert am dritten Tag: 20 Sgr."
Bild und Kurzbiographie: Carl Maria Friedrich Ernst von Weber (* 18. November 1786 in Eutin, Schleswig-Holstein; 5. Juni 1826 in London) war ein Komponist, Dirigent und Pianist. Von 1806 an war er bis ins Frühjahr 1807 Musikintendant am Hof des Herzogs Friedrich Eugen Heinrich von Württemberg-Oels in Karlsruhe. In der folgenden Zeit wohnte von Weber ungeachtet der verschiedenen Konzertreisen, von denen ihn 1810 eine nach Mannheim führte, als Pianist in München, Leipzig und Berlin sowie am Hofe in Gotha und Weimar. Zwischen 1813 und 1816 war er Operndirektor in Prag, ab 1817 Königlicher Kapellmeister der Oper in Dresden. 1817 heiratete er die Sängerin Caroline Brandt. Der gemeinsame Sohn Max war im 19. Jahrhundert ein bekannter Schriftsteller und Eisenbahnpionier. Er starb nach der Uraufführung des "Oberon" in London an Tuberkulose.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Carl_Maria_von_Weber
Musikfest = Düsseldorf - 15. Niederrheinisches Musikfest am 26. und 27. 5. 1833
Die Chronisten des Musikvereins müssen an dieser Stelle zum Ablauf des ersten Musikfestes unter Felix Mendelssohn Bartholdy nochmals zitiert werden:
Schon bei der Generalprobe der von Mendelssohn eigens für dieses Musikfest komponierten und demselben gewidmeten Festouvertüre" und Händels Israel in Ägypten" war der große Saal gepfropft voll. Die Festouvertüre gefiel sehr; aber bei Schluß des 1. Teiles (von "Israel...") und dann bei dem ersten Chor des II. Teiles mit seinem furchtbaren Schluß Roß und Reiter hat er in das Meer gestürzt" wurde unter den Zuhörern und bei den Mitwirkenden ein solch ungeheurer Jubel und Beifall ausgelöst, wie es selten vorkommt. Eine volle Viertelstunde dauerte es, ehe weiter gesungen werden konnte.
Am Schlusse des 1. Tages hatten sich die Damen des Chores mit großen Blumenvorräten versehen und überschütteten begeistert den jugendlichen Meister mit einem wahren Blumenregen. Obgleich Mendelssohn nicht wollte, er bekam auch noch einen Kranz aufs Haupt gesetzt. Bei der Nachfeier bei Schadow setzte sich einer an den Flügel und spielte, als Mendelssohn hereinkam: Seht, er kommt mit Preis gekrönt". Kurz, der Erfolg war geradezu verblüffend, der jungendliche Meister hatte sich bei allen Zuhörern, wie ein Zeitgenosse schrieb, sofort lieb und teuer gemacht, und allgemein entstand der Wunsch, den Künstler an unsere schöne Düsselstadt zu fesseln.
Um dies zu ermöglichen, bildete sich unter dem Protektorate des kunstsinnigen Prinzen Friedrich ein Verein zur Beförderung der Tonkunst", in welchem außer unserem Musikverein auch die potenten Bürger der Stadt unterstützende (inaktive) Mitglieder wurden. Der Verein übernahm die Bestreitung von zwei Drittel Gehaltsanteil des Dirigenten, während die Stadt das letzte Drittel übernahm."
Eine pikante Anmerkung: Der vorgenannte Text stammt von den Chronisten des Musikvereins, die damals nicht wussten, dass die Fest-Ouvertüre keine Uraufführung war, weil Mendelssohn es ihnen wohl anders dargestellt hatte. Nach heutigen Erkenntnissen weiß man: Es war eine Düsseldorfer Erstaufführung und in Wahrheit eine Aufführung der überarbeiteten Fassung der Trompeten-Ouvertüre als Festouvertüre. (Quelle: Dr. Ralf Wehner - Mendelssohn Forschungsstelle Leipzig)
Bild: Felix Mendelssohn Bartholdy in einer Zeichnung vom Mai 1830, die auf Wunsch Goethes durch Johann Joseph Schmeller in Weimar erstellt wurde.