Der Vogel hat kein Recht, so zu singen, wie er singt (Konzertlesung)
Es gilt, auch an dieser Stelle, auf einen denkwürdigen Tag und einen denkwürdigen Abend zu blicken, der am heutigen Dienstag dieser Woche im Central des Schauspielhauses am Hautbahnhof stattfand. Es war der Abend des 24. Februars 2026, am vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine. Dabei denke ich auch an die vielen ukrainischen Kinder, die an dem Grundschulprogramm "SingPause" unseres Musikvereins teilnehmen.
Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Düsseldorf, Dr. Stephan Keller und des Konsuls der Ukraine in Düsseldorf, Oleh Yevdokimov, verfolgte ein alle Plätze des Central besetzendes Publikum gebannt, erstaunt, bewegt und erschüttert eine Konzertlesung über verfolgte Komponist:innen und Dichter:innen der Ukraine.
Texte und Musik von Wasyl Barwinskyj, Vasyl Stus und vielen anderen. Mit Olga Glibovych (Violine), Yaromyr Bozhenko (Klavier), Emanuel Matz (Cello), Pauline Kästner (Texte), dem Chor der Ukrainischen Kirche in Düsseldorf Unterrath und Stefan Fischer-Fels, Leiter des Jungen Schauspiels, als Moderator.
In einem sehr persönlichen Grußwort würdigte Dr. Stephan Keller den unglaublichen Mut und Willen des Ukrainischen Volkes und machte kompromisslos deutlich, dass dieser Angriffskrieg Russlands und Putins auf die Ukraine neben seiner grenzenlosen Brutalität ein unglaubliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist und alle unsere nach dem Schock der beiden Weltkriege erworbenen Regeln des Völkerrechtes außer Kraft setzt. Der Vertreter des Ukrainischen Konsulats, Oleh Yevdokimov, bestätigte den Durchhaltewillen seines Volkes und sprach sowohl in deutscher wie in ukrainischer Sprache auch zu seinen vielen anwesenden Mitbürger:innen.
Die Schauspielerin Pauline Kästner trug mit enormer innerer Beteiligung Jahreszahlen aus bald 350 Jahren Ukrainischer Geschichte und Ukrainischem Volksleiden vor die deutlich machten, wie seit Jahrhunderten die jeweiligen russischen Machthaber alles versuchten und bis heute versuchen um die ukrainische Identität, Geschichte und Kultur zu tilgen. Einhergehend mit unglaublichen Vernichtungstaten am Ukrainischen Volk, an seinen Intellektuellen, seinen Musikern und seinen Kunstschaffenden Männern und Frauen.
Eingewoben in die mit den Jahreszahlen deutlich gemachten schrecklichen Ereignissen wurden Musik und Gedichte zu Gehör gebracht, die allesamt in besonderer Weise berührten und bewegten:
- Erinnerung, kehr doch zu mir zurück (Gedicht van Wasyl Stus
- Wasyl Barwinskyj – Präludium Nr. 4 für Klavier
- Wasyl Barwinskyj – Präludium Nr. 2 für Klavier
- Maksym Beresowskyj – Violinsonate C-Dur, 2. Satz
- Mykola Lysenko – Zweite ukrainische Rhapsodie „Dumka Schumka“
- Wasyl Barwinskyj – Präludium Nr. 1 für Klavier
- Levko Rewutzskyj – Präludium Nr. 2 (Bearbeitung für Trio: Yaromyr Bozhenko)
- Viktor Kosenko – Regen
- Taras Schevchenko – Dumy Moji
- Die dunkelste Nacht – Gedicht von Hryts’ko Chubai
- Mykola Leontovych-Schchedryk – (Carol oft he Bells) (Bearbeitung für Trio: Yaromyr Bozhenko)
- Maksym Beresowskyj – Violinsonate C-Dur, 1. Satz
- Mykola Lysenko – Zweite ukrainische Rhapsodie „Dumka Schumka“
- Levko Rewutzskyj – Präludium Nr. 1 (Bearbeitung für Trio: Yaromyr Bozhenko)
- Viktor Kosenko – Cello Sonate F-Dur, 2. Satz
- Wasyl Barwinskyj – Trio C-Dur, 3. Satz, alla Kolomyjka
Die Lesung basiert auf Recherchen und Texten, die Yaromyr Bozhenko und Olga Glibovych über viele Jahre recherchiert und gesammelt haben. Die Textfassung für diese Lesung wurde von Stefan Fischer-Fels und Jaromyr Bozhenko erstellt. Es gilt Robert Gerloff für die Einrichtung der Lesung zu danken.
Nach mehr als zwei Stunden eines enorm dichten Programms und den zwischen den Stücken dargebotenen tollen Darbietungen der Ukrainischen Sängerinnen und Sängern des Chores endete die Veranstaltung mit einer Hymnischen Chorpräsentation, die als die zweite Nationalhymne der Ukraine angekündigt wurde.
Zurück blieb ein tief bewegtes, aber auch erstauntes Publikum. Bei allen Stimmen nach dem Konzert stand außer den schrecklichen Wahrheiten in den Texten die Schönheit der dargebotenen Musik und der wunderbaren Sprache in den Gedichten und Briefen im Vordergrund. Fast alle Menschen stellten sich die Frage, warum diese unglaublichen Schätze einer europäischen Kultur hier bei uns so völlig unbekannt sind.
Ein denkwürdiger Abend ging um 22.30 mit vielen Gesprächen auf der Brücke im Central zu Ende. Stefan Fischer-Fils, seinem ganzen Team und allen teilnehmenden Künstler:innen ist von Herzen zu danken. „Slava Ukraina!“
Manfred Hill – Ehrenvorsitzender-
am 24. 2.2026 – 23.45 Uhr
Schauen Sie auch den Presseartikel von Lothar Schröder aus der RP hinter diesem Link:
https://musikverein-duesseldorf.de/von-verfolgung-mut-und-widerstand/