Martin Lucaß

Der Bariton studierte bei Prof. Edmund Illerhaus an der Folkwang-Hochschule Essen und absolvierte dort den Studiengang Musiktheater. Während seines Studiums hatte er das Glück, in Operninszenierungen besetzt zu sein, die auf der Bühne des Folkwang-Camus in Essen-Werden von Prof. Kurt Horres inszeniert wurden. Er erinnert sich an anspruchsvolle Aufgaben in Carl Orffs „Die Kluge“ oder auch in in Francesco Cavallis „L’Ormindo“. Die ersten aktiv gewonnenen Bühnen-Erfahrungen, die er seinem Lehrer, dem ehemaligen Generalintendanten der Deutschen Oper am Rhein dankte, prägen bis heute seine Überzeugungen, dass das Musiktheater nicht nur das traditionelle Bildungsbürgertum begeistert, sondern auch junge Menschen zu erreichen vermag, wenn eine solche Begegnung ermöglicht und sensibel begleitet wird.

2007 wurde er Ensemblemitglied der „Jungen Oper Detmold“. Die „JO!“ ist eine bundesweit agierende gemeinnützige GmbH, in deren Repertoire hochqualifizierte Opernsänger speziell für junge Menschen inszeniertes Musiktheater in Schulaulen präsentieren und dazu in Workshops der entstandenen spontanen Begeisterung zu Nachhaltigkeitsimpulsen verhelfen. Diese wertvolle Bildungsaufgabe ist ihm in dem Jahrzehnt seines dortigen Wirkens zum Kompass seines Engagements geworden.

Der 1968 in Recklinghausen geborene Martin Lucaß lernte bereits im Alter von 10 Jahren das Geigenspiel, dem bis heute seine zweite musikalische Liebe gilt. Im Jahr 2012 war er Honorarkraft an der Musikschule im heimatlichen Herten im Fach Violine und leitete von dort aus das Projekt „Jeki“ an mehreren Schulen. Die Arbeit mit Kindern bereitet dem kunstpädagogisch erfahrenen Familienvater auch in Düsseldorf besonders viel Freude, was sich in seiner intensiven und überaus erfolgreichen Arbeit als ein Leiter im Projekt der SingPause zeigt. Seit 2016 unterrichtet er an zwei Schulen der Stadt in der vom Musikverein getragenen Initiative, die zum bundesweiten Vorbild gewachsen ist und bereits zahlreiche überregionale Auszeichnungen (u.a. „OPUS KLASSIK 2019“) verdient hat.

Wie jeder professionelle Sänger hat Martin Lucaß nie aufgehört, durch fortwährenden Gesangsunterricht seine Stimme zu pflegen und weiterzuentwickeln. Das begann bereits unmittelbar nach dem Studienabschluss, als er in Köln privaten Unterricht in italienischer Gesangstechnik und Stilistik bei Hartmut Singer nahm und die Meisterklasse von Kammersänger Siegfried Jerusalem absolvierte. Neben seinem vorrangigen Engagement für junges Publikum nutzte er intensiv die zahlreichen ihm gebotenen Gastverträge zur Mitwirkung an Aufführungen zu Festivals oder an außergewöhnlichen Orten. Zu den besonderen künstlerischen Arbeiten, die ihn bis nach Schweden führten – dort sang er in einer konzertanten Wagner-Aufführung den Hunding und die Titelgestalt im „Fliegenden Holländer“  – gehörte auch die Mitwirkung an Uraufführungen und hernach entstandenen CD/DVD-Aufnahmen im Bereich zeitgenössischer Musik.  Zahlreiche Gastspielverträge riefen ihn u.a. an die Oper der Stadt Bonn, an das Aalto-Theater Essen und an die Nationale Opera Amsterdam. Zur Eröffnung des Duisburger Landschaftsparks in Meiderich sang er im Schatten der Hochöfen und Gasometer den Scarpia in Puccinis „Tosca“.

Er konnte mit namhaften Regisseuren und Dirigenten wie: Kurt Horres, Adolf Dresen, Brian Michaels, Christoph Nel, Günter Roth, Pierre Audi, Marc Albrecht, Matthias Aeschbacher, Rasmus Baumann, Stefan Malzev arbeiten. Gern erinnert er sich an das Internationale Festival für Kammeroper in Düsseldorf und an das Festival Musica Mallorca.

Die enge Bindung des Baritons an den Chorgesang entstand bereits früh, als ihm die Leitung von Vokalensembles (gemischte Chöre und Männerchor) in verschiedenen Kirchengemeinden angetragen wurde. Zu unserem Konzertchor fand er sowohl als Sänger als auch als gefragter Stimmbildner sehr schnell eine enge Bindung. Sein Motto für das aus so differenzierten Stimmen entstehende chorische Singen ist: „alle sollen sich singend wohlfühlen und an der eigenen Stimme wachsen.“ Dabei will er erreichen, dass sich jeder bewusst ist, dass das Erkennen und Fühlen der eigenen Stimme einen direkten Einfluss auf den Klang des Chores haben. Insofern ist sein vom Chordirektor gefördertes Angebot, sowohl in der Einzelstimmbildung als auch in der Kleingruppenklangbildung das Bewusstsein für das musizierende Material zu schulen überaus wichtig und bereits erkennbar wirkungsvoll.