
In den Reihen unseres Konzertchores der Landeshauptstadt gibt es neben den nach Stimmprüfung aufgenommenen begeisterten und meist musisch vorgebildeten Sängerinnen und Sängern natürlich auch einige durch Studium professionell geschulte Vokalisten. Aber nur einer von den wenigen "Profis" singt in einem bedeutenden Berufs-Chor, in dem nur ausgebildete Sänger engagiert sind: Klaus Walter ist seit fast vier Jahrzehnten Tenor im Chor der Deutschen Oper am Rhein – und das mit Begeisterung. In Gesprächen über Premieren und anstehende Projekte widerlegt er sehr überzeugend das von Ahnungslosigkeit getragene Vorurteil, dass eigentlich jeder Opernchorsänger gerne Solist wäre, wenn … Zum einen ist man ein solcher ohnehin, denn die Ausbildung ist in der Regel jene zum Sänger, dem mit dem Examen sowohl die Musikalität wie die Bühneneignung auf hohem Niveau zuerkannt wird. Zum anderen ist nicht jeder Mensch als "Alleinkämpfer" geboren. Viele der chorischen Sängerdarsteller fühlen sich wohl als Teil einer Gemeinschaft, deren Qualität in der Verbindung individueller Charakterfindung der Rolle und kollektiv erzeugter und erlebter Klangharmonie wächst.
Klaus Walter lebt diese selbstbewusst vermittelte Gruppendynamik, die sich in den individuell entstehenden und sensibel kontrollierten individuellen Tönen ausprägt auch im Konzertchor der Landeshauptstadt sowohl als stimmführend singender Tenor als auch als Stimmbildner beispielhaft vor.
Der Rheinländer Klaus Walter stammt aus dem westlich von Köln gelegenen Bergheim. Er studierte zunächst Kirchenmusik und wurde zum A-Kantor ausgebildet, was natürlich neben Klavier und Orgelspiel auch eine Gesangsausbildung verlangte. Seine beiden Stellen als Organist und Kirchenchorleiter sind an den Heiligen Joseph gebunden, denn er war zunächst in St. Joseph auf der Furth und später in St. Joseph in Düsseldorf-Oberbilk tätig. Noch als Kantor nahm er weiter privaten Gesangsunterricht, u.a. bei den – wie er – auch mit dem Düsseldorfer Musikverein verbundenen Sängern Margit Gruner und Adolf Muckel.
Er war also parallel sowohl Lernender als auch Lehrender, denn er unterrichtete in seinen Gemeinden Klavier- und Gesang. Dabei hat er viel Erfahrung gesammelt, denn er musste bei stimmlich ungeschulten Amateuren erkennen, ob gewisse Probleme technischer Natur sind oder mit dem Timbre zu tun haben, er musste wissen, wie er hilft, Klangräume zu entdecken, zu fühlen, zu öffnen, zu verengen ... Noch heute ist es ein großer Unterschied, ob zum Angebot seiner Stimmbildung ein sangesbegeisterter Rohdiamant auftaucht, oder ein bereits anders "geschliffener" Mitsänger aus dem Musikverein, der um fachliche Fortbildung bittet und dann erst einmal lange Praktiziertes verlernen muss, um neue Ansätze zu finden.
Für das gewissenhafte Vorbereiten der Proben und die Qualitätssicherung des individuellen Klanges ist Klaus Walter für den Musikverein ein großer Gewinn, denn als Stimmbildner gibt er seine umfangreiche professionelle Erfahrung weiter und ist dabei auch wieder Lehrer in gutem Sinne. Manchem mögen zunächst seine umfangreichen Erläuterungen des "Warum" und des "Was passiert im Körper / in der Lunge wenn…" umfangreich vorkommen, aber wenn man weiß, warum und wie ein Ton gestützt wird, dann ist man für die Probe gut gerüstet.
Klaus Walter ist ein sehr vielseitig interessierter Musikant – wobei sein vokalistischer Fokus noch immer auf dem Ensemblegesang liegt. Drei Standbeine hat er als Sänger: das des Opernchoristen und jenes im Städtischen Musikverein praktizierte. Für das dritte sorgte er einst selbst, als er mit Kollegen um den inzwischen leider verstorbenen Basskollegen Orthwin Rave das Quintett Vocus focus gründete– ein Solistenensemble mit professionellen Sängern aus verschiedenen Opernhäusern, das mit chorischem Belcanto vom Feinsten unterwegs war. Aus dieser Art des Musizierens entwickelte sich der der Kammer-Klangkörper Globus Vocalis, der sich höchsten musikalischen Ansprüchen stellt. Jeder der 17 Tenöre, Baritone und Bässe ist in der Regel allein für eine Klangfarbe zuständig, die nur bei solistischen Parts heraushörbar sein darf, ansonsten für die perfekte Harmonie komplizierter Tonfolgen und größte rhythmische und dynamische Exaktheit verantwortlich ist. Kammermusik ohne Instrument – die hohe Kunst, die nur wenige Sänger beherrschen – Profis in gutem Sinne eben, von denen einer unser Tenor, Stimmbildner und Sangesfreund Klaus Walter ist.