18.06.2026

Tonhalle berichtet: Eine musikalische Fahrradtour für den Naturschutz

Eine musikalische Fahrradtour für den Naturschutz:

»Treeline« macht Station in der Tonhalle

Kurz vor der Sommerpause wird die Tonhalle Düsseldorf Schauplatz eines außergewöhnlichen Projekts: »Treeline« verbindet auf einzigartige Weise Musik und Naturschutz. Der britische Komponist und Pianist Graham Fitkin fährt seit Mitte Mai mit dem Fahrrad von Rumänien bis nach Großbritannien. Seine 4.000 km lange Route verläuft von den letzten noch erhaltenen europäischen Urwäldern gen Westen, wo die alten Baumbestände immer mehr abnehmen. An 20 Orten zwischen Bukarest und London macht er Station und gibt ein Konzert, am 4. Juli ist er in der Tonhalle zu Gast. Jede Partnerinstitution hat Fitkin zuvor Soundfiles eines besonderen Baumes geschickt, die er für seine neue Komposition »Treeline« verwendete. Die Tonhalle steuerte Umgebungsgeräusche und Audioaufnahmen aus dem Inneren des Blutahorns bei, den Chefdirigent Adam Fischer im Hofgarten anlässlich eines Klimakonzerts mit den Düsseldorfer Symphonikern im Dezember 2022 gepflanzt hatte.

Musikvermittlerin Katrin Sedlbauer entwickelt parallel mit Seniorinnen und Senioren aus Düsseldorf und einem Bläserquintett der Düsseldorfer Symphoniker eine musikalische Performance. Über eine Probenphase von drei Monaten entsteht mit der Performancegruppe ZentrumPlus ein musikalischer Spaziergang, der das Publikum vor dem Konzert einlädt, den von Adam Fischer gepflanzten Blutahorn »Royal Red« auf künstlerische Weise zu erleben. Das Bläserquintett begleitet dabei nicht nur die Performance mit Auszügen aus Felix Mendelssohn-Bartholdys »Ein Sommernachtstraum« musikalisch, sondern ist auch integraler Bestandteil des anschließenden »Treeline«-Konzerts mit Graham Fitkin in der Rotunde der Tonhalle und macht somit das Konzert in Düsseldorf zur Uraufführung.

Das Treeline-Konzert findet am Samstag, den 4. Juli um 18 Uhr in der Tonhalle statt. Karten zum Preis von 15 / erm. 5 Euro sind erhältlich über den Webshop auf tonhalle.de, telefonisch unter 0211-91 38 75 38 oder vor Ort an der Konzertkasse.

 

MEHR ZU TREELINE:

Graham Fitkins Projekt »Treeline« hat Kooperationspartner in ganz Europa. Diese reichen von Konzerthäusern, Festivals und Umweltorganisationen bis hin zu Rathäusern, Universitäten, Dorfgemeinschaften und Schulen. Jeder Kooperationspartner hat einen lokalen Baum ausgewählt, der für ihn von Bedeutung ist und ein »Profil« des Baumes und seiner Umgebung erstellt, einschließlich Maßen, Zeichnungen, Umgebungsgeräuschen und Aufnahmen aus dem Inneren des Baumes. Fitkin ließ all diese Informationen einfließen in sein neues, einstündiges Werk für Klavier und Keyscanner, der als »Waldinstrument« alle Baumgeräusche über die Klaviertastatur zum Klingen bringt und somit die Bäume sprechen lässt.

Im Mai 2026 hat Graham seine Reise von Rumänien nach Großbritannien gestartet und führt das neue Werk in ganz Europa in den Städten und Orten auf, in denen genau diese Bäume stehen. Manchmal – wie in Düsseldorf – wirken lokale Musikerinnen und Musiker bei den Aufführungen mit. Das erste Konzert fand in Rumänien in Bukarest statt, daran schließen sich 20 Konzerte in Ungarn, der Slowakei, Polen, der Tschechischen Republik, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien an. Die Strecke zwischen den Konzertlocations legt Fitkin ausschließlich mit dem Fahrrad zurück. Der Beginn seiner Tour verläuft in Osteuropa noch durch bedeutende Bestände an Urwald, doch im Laufe der Reise nach Westen nehmen diese ab, und die Route folgt den Überresten dieser alten Wälder. Viele der europäischen Urwälder sind inzwischen verschwunden, der verbliebene Bestand ist massiv bedroht. Das »Treeline-Projekt« hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bäume zu würdigen, ihren Bestand zu dokumentieren und ihre Geschichten in Musik weiterleben zu lassen.

In Rumänien durchquerte Graham Fitkin zunächst die Karpaten und folgt dabei den Wäldern von Făgăraș, Sincă und Hoia-Baciu, bevor er zu den Wäldern von Zemplén im Norden Ungarns weiterfuhr, die bereits stark abgeholzt sind. Anschließend machte er sich auf den Weg nach Nordwesten zum Stužica-Wald in der Slowakei, einem der größten noch erhaltenen Buchenwälder Europas. Aktuell befindet sich Fitkin rund 100 km südlich von Breslau. Seine Route in Polen führt zu den Schlesischen Vorgebirgen und den Resten des geschützten Beskiden-Gebiets, bevor er zu den Überresten der Murckowski-Wälder radelt. Dann geht es hinunter nach Tschechien, vorbei an den Buchenwäldern des geschützten Broumovsko, und wieder hinauf nach Krajobrazowy Doliny Bobru in Polen, wo die Überreste der Urwälder immer weiter schwinden. In Deutschland durchquert er den Nationalpark Hainich, bevor er sich auf den Weg zum Savelsbos-Waldgebiet in den Niederlanden macht, das zwar nicht mehr als Urwald eingestuft wird, aber dennoch über ein vielschichtiges Baumkronendach und eine große Artenvielfalt verfügt. In Belgien ragt der Sonian-Wald bei Leuven wie ein Leuchtfeuer empor, und dies ist der letzte Urwald, bevor Fitkin den Epping Forest im Südosten Englands erreicht.

Graham Fitkins Aktivitäten und seinen Live-Standort kann man auf https://treeline.org.uk verfolgen.

Mit herzlichen Grüßen

Marita Ingenh​oven

Pressesprecherin Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker

am 18.6.2026 - 12.00 Uhr