Sommerpause mit Beethoven

Die 800-Jahrfeier der Stadt Hamm mit „FREUDE“!

Jahresprogramme von Konzertveranstaltern benötigen in aller Regel mehr als ein Jahr Vorlauf. Für den OTON der Tonhalle gilt das ebenso wie für den Konzertkalender 25/26 der Nordwestdeutschen Philharmonie, kurz „NWD“! Im Jubiläumsjahr ihres Bestehens, das unter dem Jahresmotto „75 Jahre Menschen für Musik“ in der Region und weit darüber hinaus gefeiert wird, reiht sich ein musikalischer Höhepunkt an den anderen! Das eigene Festprogramm wird beim Westfälischen Musikfestival Hamm 2026 mit einem Festkonzert geschlossen, zu dem die 800 Jahre alte Stadt Hamm das NWD-Orchester, den Dirigenten Frank Beermann, vier Solisten und die Chöre der Musikvereine Hamm und Düsseldorf zur Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie eingeladen hat. Über Werk und Komponisten, Dirigent und Orchester, über Solisten und Chöre berichtet der folgende Beitrag ebenso wie über Wissenswertes zu Konzertort und Stadtgeschichte.

Die Stadt Hamm und ihre Gründung 1226

Die Geschichte um die Tötung des Bischofs Engelbert von Köln durch Friedrich von Isenberg zu Nienbrügge

Friedrich von Isenburg, Gründer der Stadt Nienbrügge, ermordete im Jahr 1225 den Kölner Erzbischof Engelbert. Für diese Tat wurde er geächtet, verfolgt, schließlich gefangen genommen, in Köln aufs Rad geflochten und auf einer Säule am Severinstor zur Schau gestellt. Seine Besitzungen wurden ihm genommen, darunter unter anderem die Stadt Nienbrügge, die zerstört wurde.

In ihrer Nachbarschaft plante zu dieser Zeit Graf Adolf von der Mark die Errichtung einer Stadt. Er nutzte die Chance, die Bevölkerung von Nienbrügge für die Stadtgründung zu gewinnen und legte die neue Stadt am Zusammenlauf der Flüsse Lippe und Ahse „auf dem Hamm“ an. Nach der Überlieferung des Levold von Nordhof aus dem 14. Jahrhundert geschah dieser Gründungsakt am Aschermittwoch 1226. Das Datum sollte als Sühnezeichen wirken. https://www.hammwiki.info/index.php?title=Stadtjubiläen#Die_Gründung_der_Stadt_Hamm

In ihrer Ballade „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Cöln“ greift Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) diesen Stoff in unnachahmlicher Weise auf: Der Tod des Erzbischofs engelbert von Coln

Ein Festjahr für Hamm

Die Stadt feiert diesen runden Geburtstag und Hamms Oberbürgermeister Marc Herter lädt seine Bürgerin-nen und Bürger und alle Gäste der Stadt herzlich zur Mitfeier ein:

„Lassen Sie uns gemeinsam Hamms 800. Geburtstag feiern: mit Konzerten, Festen, Veranstaltungen aller Art – und noch vielem mehr. Selbstverständlich werden wir im Jubiläumsjahr auch auf die lange und beweg-te Geschichte der Stadt Hamm zurückblicken – und Menschen aus Hamm werden zeigen, was ihre Stadt und das Jubiläum für sie ganz persönlich bedeuten. Das Jubiläumsjahr wird uns allen ein Feuerwerk an Erlebnis-sen bieten. Wir stellen Gemeinschaft, Kultur und Lebensfreude in den Mittelpunkt – und damit das, was die Menschen in Hamm auszeichnet. Alle sind herzlich eingeladen, Teil dieses großartigen Festes zu sein und gemeinsam Hamm in festlichem Glanz erstrahlen zu lassen – feiern Sie mit!“

Auch der Städtische Musikverein zu Düsseldorf ist für Sonntag, den 05.07.2026 um 19:30 Uhr zum Singen und Mitfeiern eingeladen, zusammen mit dem Chor des Musikvereins Hamm und der Nordwestdeutschen Philharmonie!

Die NWD in den Konzertsälen von NRW und der Welt

In ihr Festspieljahr ist die Nordwestdeutsche Philharmonie in Herford, dem Sitz ihrer Geschäftsstelle, am 31.08.2025 gestartet. Unter der Leitung des britischen Dirigenten Jonathan Bloxham, Chef des Orchesters seit 2024, erklang u.a. Beethovens 5. Sinfonie Das Konzert wurde vom WDR aufgezeichnet und im Frühjahr ausgestrahlt.

Gegründet wurde das Orchester 1950 als Städtebundorchester mit dem Auftrag, die Musiklandschaft in der Region Ostwestfalen-Lippe zum Blühen zu bringen. Die rund 80 Musikerinnen und Musiker spielen nicht nur in Konzertsälen zwischen Minden und Paderborn, Gütersloh und Detmold. Mit jährlich rund 130 Konzerten in Deutschland und Europa nimmt die NWD als eines von drei Landesorchestern eine besondere Stellung im nordrhein-westfälischen Musikleben ein. Das Orchester ist regional verankert, inzwischen aber auch international gefragt: Bei Gastspielreisen in berühmten Häusern wie dem Concertgebouw in Amsterdam, der Tonhalle Zürich und dem Großen Festspielhaus in Salzburg sorgte es auch in Dänemark, Österreich, Italien, Frank-reich, Spanien und Polen und mehrfach auch in Japan und den USA für ausverkaufte Konzertsäle.

https://www.nwd-philharmonie.de/

Dafür sorgt seit mehr als 25 Jahren u.a. auch der Intendant der Nordwestdeutschen Philharmonie Andreas Kuntze, früher wohnhaft in Meerbusch und langjähriger Abonnent der Musikvereinszeitschrift NeueChorszene. Im Anschluss an sein Studium der Musik in Berlin und des Kulturmanagements in Hamburg war er zunächst Geschäftsführer des Folkwang Kammerorchesters Essen und der Duisburger Sinfoniker, bevor er als Geschäftsführender Direktor zum Stuttgarter Kammerorchester wechselte. An der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel leitete er zahlreiche Seminare zum Orchestermanagement.

Als Mitglied im Vorstand des Landesverbandes Mitte und Mitglied des Orchesterausschusses im Deutschen Bühnenverein sowie Gründungsmitglied und geschäftsführender Gesellschafter des Deutschen Orchestertags vertritt Andreas Kuntze in der Musikbranche weitere wichtige Funktionen.

Mehr zu Programm und Orchester im „Intermezzo“, dem NWD-Magazin für das 1. Quartal des Jubiläumsjahres 25/26: https://www.nwd-philharmonie.de/wp-content/uploads/2025/08/NWDintermezzo_75.pdf

sowie in einem Beitrag von WDR 3 Mosaik am 17.12.2025: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-mosaik/audio--jahre-nordwestdeutsche-philharmonie-100.html

Die NWD am 7. Juli in Hamm

Die Leitung des Festkonzertes am 5. Juli 2026 in Hamm liegt in den Händen von Frank Beermann.

Der Dirigent studierte an der Hochschule für Musik Detmold. Danach war er als Kapellmeister am Staatstheater Darmstadt und am Theater Freiburg tätig. Von 1997 bis 2002 hatte er einen Residenzvertrag mit der Hamburgischen Staatsoper und war darüber hinaus als Gast an der Deutschen Oper Berlin, der Königlichen Oper Stockholm, der Oper Bonn und der Oper in Marseille tätig.

Von 2007 an war der 1965 in Hagen geborene Musiker 10 Jahre lang Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz und Chefdirigent der Robert-Schumann-Philharmonie, seit 2016 arbeitet Beermann als frei-schaffender Dirigent, u.a. bei der NWD-Philharmonie.

Im Januar 2020 debütierte er mit großem Erfolg am Théâtre du Capitole in Toulouse, wo er mit dem Orchestre National du Capitole de Toulouse eine Neuproduktion von Wagners Parsifal und eine Neuproduktion von Richard Strauss Elektra leitete. Seine Interpretationen von Tristan und Isolde im Rahmen der Mindener Wagnerprojekte sowie Der Ring des Nibelungen (2015-2019) an selber Stelle ernteten größtes Lob in den deutschen und internationalen Feuilletons. Im Herbst 2026 setzen Frank Beerman und die NWD dort die Festspieltage mit Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ fort.

Das Ensemble für Beethoven Neun

Dirigent und Orchester werden im Festkonzert am 5. Juli 2026 bei der Aufführung von Beethovens bekanntestem Werk von den vier international gefragten Solisten unterstützt:

  • Julia Bauer, Sopran
  • Janina Baechle, Mezzo
  • Jussi Myllys, Tenor
  • Simon Bailey, Bass-Bariton

Hinzu kommen die Chöre der Musikvereine der Jubiläumsstadt Hamm https://www.musikverein-stadt-hamm.de/ und der Landeshauptstadt Düsseldorf  https://musikverein-duesseldorf.de/.

 Die Chöre für Beethoven Neun

Der 1884 in Hamm als Gesangs- und Instrumentalverein gegründete Städtische Musikverein unterhält auch heute unter einem Dach seinen derzeit 60 Mitglieder starken gemischten Chor und pflegt auch weiterhin sei-ne Orchestertradition. Ähnlich gründete sich 1818 der Musikverein in Düsseldorf ebenfalls mit Chor und Orchester, allerdings wurden die Instrumentalisten bereits 1864 in die Obhut der Stadt übergeben, heute treten sie als Düsseldorfer Symphoniker auf. Für beide Chöre stand auch 2020 zu Beethovens 250. Geburtstag je-weils die Einstudierung der 9. Sinfonie auf dem Probenplan, diese kam coronabedingt leider weder in Hamm noch in Düsseldorf zur Aufführung.

Nicht beeinträchtigt war jedoch die zum Jubiläumsjahr des Komponisten vorbereitete Veröffentlichung der Ausgabe 2/20/Nr.33 der Musikvereinszeitschrift „NeueChorszene“, die sich in mehreren Beiträgen nicht nur mit der Bonner Zeit Beethovens, der editorischen Neuausgabe seines Werkes, Aufführungen im (noch) geteilten Deutschland aber auch und vor allem dem vertonten Text Friedrich Schillers „An die Freude“ widmete. Wer unter der Überschrift „Wollust dem Wurm – dem Menschen Enthusiasmus!“ den Beitrag von Udo Kasprowicz (und mehr!) noch einmal nachlesen möchte, findet ihn schnell hier:

Anfang 2022 erlebten die Besucher der Tonhalle Düsseldorf die nachgeholten Aufführungen - jeweils unter der Leitung von Adam Fischer - dann gleich viermal, zunächst dreimal im Januar beim Abo-Konzert der Sinfo-niker sowie wenig später im März beim Menschenrechtskonzert, wiederholt als Ersatz für die ursprünglich geplante und coronabedingt verschobene Uraufführung von René Staars „Schwarzer Schnee“.

Am kommenden Samstag, 4. Juli 2026, treffen sich - während die USA den 250. Jahrestag der Unterzeichnung ihrer Unabhängigkeitserklärung feiern - die beteiligten Musikerinnen und Musik zur Generalprobe von Beethovens Meisterwerk in Hamm in der Alfred-Fischer Halle, um tags darauf unter der Stabführung von Frank Beermann das Jubiläumskonzert für die 800 Jahre alte Stadt bestens vorbereitet zur Aufführung bringen zu können.

Als Veranstalter lädt das Kulturbüro der Stadt Hamm seine Bürgerinnen und Bürger zum Festkonzert mit folgenden Informationen über Ort und Namensgeber in die

Alfred-Fischer Halle ein:

„In ihrer imposanten Backsteinbauweise, besticht Die Alfred-Fischer-Halle durch eine moderne sachliche Architektur im Sinne der Bauhaus-Bewegung. Architekt der in den Jahren 1912-1914 erbauten und 1922-1925 durch weitere Bauten ergänzten Halle war der ruhrgebietsweit aktive Professor Alfred Fischer (*1881 – †1950), nach dem das zeitweise als „Öko-Halle“ bezeichnete Bauwerk im Jahre 1999 umbenannt wurde. Gerne wird sie als schönste Industriehalle Deutschlands und „Kathedrale der Industriekultur". https://www.alfred-fischer-halle.de/historie/

und macht so auf das Programm des Abends aufmerksam:

Feuertrunken: Dieses Wort aus Schillers „Ode an die Freude“ reicht beinahe aus, um Ludwig van Beethovens monumentale 9. Sinfonie zu charakterisieren. Aber natürlich besteht sie nicht nur aus dem berühmten Chorfinale, das später zur Europahymne wurde. Gemeinsam mit der 5. Sinfonie hat sie das Bild des kompo-nierenden „Titanen“ geprägt, der bis dahin unerhörte, revolutionäre Ausbrüche von Kraft in Töne goss. Der Kopfsatz ist ein von Blitzen durchzuckter Kosmos: Die Klänge verdichten sich wie Sternenstaub, der sich zu Planeten formt.

Die 9. Sinfonie war zur Eröffnung des Westfälischen Musikfestivals 2021 vorgesehen. Doch die Corona-Pandemie machte die Aufführung unmöglich. Nun wird sie endlich nachgeholt: Zudem kehrt das Westfäli-sche Musikfestival für das Abschlusskonzert in die Alfred-Fischer-Halle zurück. Kaum ein anderes Werk ist so eng mit großen historischen Momenten und Übergängen verbunden – von Silvesterkonzerten bis zur Wie-dervereinigung – und eignet sich daher in besonderer Weise, das Festival im Jubiläumsjahr der Stadt Hamm zu beschließen. Schillers „Ode an die Freude“ ist längst zur musikalischen Chiffre für Freiheit und Zusam-menhalt geworden: ein Signal, das in einer Jubiläumsfeier ebenso stark wirkt wie in politischen Zeitenwen-den.

Mit den beiden Chören, die sich für diese Aufführung zusammenschließen, reichen sich die Stadt Hamm und die Landeshauptstadt Düsseldorf die Hand. Gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann stimmen sie Beethovens Vertonung von Schillers Versen an. „Alle Menschen werden Brüder“ – diese Utopie wird im Jahr 2026 dringender denn je benötigt.

Siehe auch: https://veranstaltungen.hamm.de/hamm/westfaelisches-musikfestival-hamm-2026-festkonzert

Georg Lauer

Zusammenstellung vom 29.06.2026