Constanze Pitz

Die Chorleiterin und Gymnasiallehrerin Constanze Pitz wurde von Prof. Hansel-Dinar, dem 2020 berufenen künstlerischen Direktor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf, in sein Leitungsteam aufgenommen. Ihr dortiges Wirken begann zur Zeit des Covid-Lockdowns, der das gemeinsame Musizieren nahezu unmöglich machte und die neue Leitungscrew vor die Aufgabe stellte, zu verhindern, dass der Konzertchor der Landeshauptstadt unter den Bedingungen der sozialen Kontaktbeschränkungen seine Existenzgrundlage – die Freude am Klangerlebnis – verliert. 

Gerade nach dem 200. Jahrestag seiner Gründung bestand auch für diesen vokalen Klangkörper die Gefahr des Abbruchs einer einzigartigen Tradition. Constanze Pitz entwickelte gemeinsam mit dem Chordirektor ein Angebot, das neben der in Kleinstgruppen online praktizierten Einstudierung der Wiederentdeckung des Oratoriums „Saul“ von Ferdinand Hiller einen im „homeoffice“ absolvierbaren Blattsingkurs sowie die individuelle Schulung des Klang-Hörens und diverser musiktheoretischer Grundlagen ermöglichte.

Die Chordirigentin, die ihr Masterstudium 2017 an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bei Prof. Timo Nouranne abgeschlossen hat, ist als Prof. Hansel-Dinars Assistentin im Wechsel mit ihrem Chef und ihrem Kollegen Grant Sung für Register- und Gesamtproben zuständig und kann dabei im Rahmen des abgestimmten Klangbildungs-Konzepts auch ihre Expertise als Sängerin und erfahrene Leiterin von a capella Kammerchören einbringen.


Constanze Pitz stammt aus der Kupferstadt Stolberg nahe Aachen. Die Faszination des Chorklangs hat sie bereits in jungen Jahren erreicht, denn Großvater und Vater leiteten Vokalensembles. Ihr Großonkel war an der Wiedergründung des Bayreuther Festspielchores nach dem 2. Weltkrieg beteiligt. Ihr Interesse an vokaler Musik führte sie zum Studium an die Hochschule für Musik in Detmold, wo sie bei Prof. Anne Kohler den Bachelor für Chordirigieren sowie für Schulmusik abschloss

Seit 2016 war sie bis 2024 als Dozentin für Chorleitung an der Kirchenmusikschule des Bistums Essen tätig. Ihr Lehrauftrag betraf die Ausbildung nebenamtlicher Kirchenmusiker im Fach Chorleitung. Constanze Pitz ist für den Chorverband NRW als Referentin für überregionale Chor- und Orchesterprojekte tätig. Die permanente Schulung ihrer Stimme sieht sie als wesentliche Voraussetzung ihrer Arbeit. Eine spannende Erweiterung ihres beruflichen Wirkens begann zu Beginn des Jahres 2026, als sie mit dem 2. Staatsexamen ein postgraduales Studium für das Lehramt abgeschlossen hat und seitdem als Lehrerin für Musik und katholische Theologie am Gymnasium Essen-Werden unterrichtet.

Ihre Berufung in das Leitungsteam des Städtischen Musikvereins erfolgte auch in Anerkennung ihrer bemerkenswerten Erfahrungen mit Laienchören, zu denen neben dem Düsseldorfer Clara-Schumann Kammerchor (2016-2024) und dem Kammerchor der Herz-Jesu-Kirche in Münster auch die Arbeit als Leiterin diverser Lehrgänge und Werkwochen gehörten.

Auf die Auszeichnung als „beste Nachwuchsdirigentin“, die ihr 2023 beim internationalen Chorfestival „CantaRode“ im niederländischen Kerkrade zuerkannt wurde, durfte sie besonders stolz sein, denn sie betraf die Arbeit mit dem von ihr persönlich gegründeten Ensemble NEFESCH. Den Charakter des Chores mit 24 Sängerinnen und Sängern hat sie durch gezielte Einladungen und eine Orientierung auf Vokalmusik des 20. und 21. Jahrhunderts weitgehend geprägt. Der Name des auf ehrgeizige Projekte orientierten Chores ist ein althebräisches Wort. NEFESCH hat eine nahezu programmatisch nutzbare Doppelbedeutung: „Seele“ und „Klang“. Wer Constanzes Arbeit erleben darf, weiß, dass diese Begriffe für sie nahezu eine Einheit bilden, sowohl austauschbar als auch einander bedingend zusammengehörig sind.

Constanzes „Mantra“, dass der GRUNDKLANG die SEELE des Ensembles ist, unterlegt sie im Probenprozess durch die Arbeit am Erkennen der eigenen und dem Wahrnehmen der jeweils umgebenden Stimmen. Sie will die Proben als geschützten Raum verstehen, in dem man angstfrei lernt, zu begreifen, was man kann oder was es noch zu erkennen und zu schulen gilt, um an der Seele des Klangs zu arbeiten. Dabei ist ihr wichtig, die Eigenverantwortung für die Intonation und den Stimmsitz durch bewusste Körperlichkeit zu entwickeln und die so oft angemahnte Stütze als SUPPORT (die englische Übersetzung findet nicht nur sie passender) zu begreifen und zu nutzen. In dem online abrufbaren „JRJR’s podcast“ unterhält sich Constanze Pitz mit ihrer Kollegin, der Sängerin und Chorleiterin Julia Reckendress über die Herausforderungen des Berufs und das Glück der Berufung. Die oftmals synchronen Erfahrungen der beiden jungen Künstlerinnen können auch für von ihnen betreute Sängerinnen und Sänger wertvolle Anregungen bieten.