Am 2. Mai 2026, nur wenige Tage nach seinem siebzigsten Geburtstag, ist der Dirigent, Ensembleleiter und Komponist Mark-Andreas Schlingensiepen verstorben.

Er wurde 1956 im nordenglischen Bradford als Sohn deutscher Eltern geboren. Sein Vater wirkte dort als Pastor in der deutschsprachigen Gemeinde. 1960 zog die Familie nach Berlin, wo Schlingensiepen den größten Teil seiner Schulzeit verbrachte – und 1969 nach Düsseldorf, wo sie fortan lebte. Musik gehörte in der Familie Schlingensiepen zum Alltag. Mark-Andreas lernte Klavier und Horn zu spielen – doch bald schon zog es ihn zum Dirigieren. Noch vor dem Studium gründete er sein erstes kleines Orchester. An der Robert-Schumann-Hochschule studierte er ab 1976 Klavier, später auch Dirigieren. Die Begegnung mit dem damaligen Kompositionsprofessor Günther Becker sollte seinem Leben und Wirken eine entscheidende Wendung geben. Becker entfachte in Schlingensiepen die Leidenschaft für die zeitgenössische Musik. 1983, im Jahr seines Studienabschlusses, gründete Mark-Andreas an der Hochschule ein Ensemble für Neue Musik, das sich 1992 verselbständigte und sich bald »notabu.ensemble neue musik« nannte. Schon 1985 hatte der damalige Intendant der Tonhalle Peter Girth das Ensemble an das Haus gebunden, das bis heute sein wichtigster Wirkungsort ist. Das Festival »Ohren auf Europa«, die Konzertreihe »Na hör’n Sie mal« und viele große Konzerte im Mendelssohn der Tonhalle wurden zu Nervenpunkten der aktuellen Musik in Düsseldorf: Über 500 Werke hat Mark-Andreas Schlingensiepen mit notabu hier aufgeführt, darunter zahllose Uraufführungen. Er war der »häufigste« Dirigent in der Tonhalle der vergangenen 50 Jahre – und hat sich als Spezialist für alles Zeitgenössische und für sein zweites Steckenpferd, die Stummfilmmusik, überregional profiliert.
Vor allem aber war Mark-Andreas Schlingensiepen als Mensch und als Künstler ein Vorbild für alle. In der Kompetenz über alle Zweifel erhaben, in der Vermittlung voller Wärme hat er seine Musikerinnen und Musiker und natürlich sein Publikum für das begeistert, was er liebte. Er hat Experten und Einsteigern ungewöhnliche Perspektiven auf das Neue eröffnet und das Erbe der Geschichte dabei nie aus den Augen verloren.
Dem lange geplanten, wunderbaren Geburtstagskonzert im Trautvetter-Brückner-Saal am 29. April, in dem das notabu ensemble einen Querschnitt aus seinem beeindruckenden kompositorischen Schaffen spielte, konnte Mark-Andreas Schlingensiepen leider nicht mehr beiwohnen.
Mark-Andreas Schlingensiepen hat der Musik von heute in der Tonhalle ein ganz eigenes Gesicht gegeben. Wir sind ihm dafür unendlich dankbar. Den ihm nahestehenden Menschen, besonders seiner Familie, gilt unser tief empfundenes Beileid.
Marita Ingenhoven
Pressesprecherin Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker
Tohalle Düsseldorf, 5.5.2026 - 16.00 Uhr
Der Städtische Musikverein schließt sich dieser Trauer um Mark Andreas Schlingensiepen an und gedenkt eines unglaublich feinen Musikers. Obwohl seine Musik nicht im engen Bereich unseres Repertoires lag, habe ich Mark Andreas Schlingensiepen immer für seinen Mut und sein Beharrlichkeit zur Förderung der neuen Musik bewundert.
Im Jahre 2023 hatten wir auch intensive Berührungspunkte im Rahmen des Schumannfestes. Schauen Sie bitte diesen Link:
Schauen Sie bitte auch in unseren Eintrag im Pressearchiv
Wir, die Tonhalle Düsseldorf, das notabu ensemble und die Welt der Neuen Musik hat einen großen Freund und feinen Menschen verloren. Sein Wirken bleibt unvergessen.
Wir trauern mit seiner Familie.
Manfred Hill
– Ehrenvorsitzender –
am 5.5.2026