08.06.2026 | Rheinische Post
Der Neubau ist vom Tisch. Wie viel aber wird die Sanierung des alten Gebäudes kosten? Schon in wenigen Tagen trifft der Rat erste Entscheidungen. In Köln entwickelte sich das Vorhaben zum Schreckensprojekt.
Kommentar:
Eine Stadt wie Düsseldorf ohne Oper müsste nun wirklich eigentlich in unserem Land jedem klar denkenden Menschen unvorstellbar sein. Eine solche kleine "Weltstadt" braucht diese Kunstform, die außerdem momentan, aber auch schon über Jahrzehnte, von einem weltweit hochangesehenem Institut mit einem großartigen Künstler- und Mitarbeiterstamm repräsentiert wird. Eine solche Stadt braucht für ihre Internationalität einen solchen Ort zur freien Entfaltung der Kunst. Eine solche Stadt kann die sog. Hochkultur, so wie unsere Gesellschaft seit Jahrhunderten organisiert ist, aber nur mit Unterstützung öffentlicher Mittel niveauvoll erhalten und damit die Entfaltung künstlerischer Kräfte auf Weltniveau ermöglichen. Eine solche Stadt braucht aber auch Räume, die z.B. für besondere Ereignisse einen besonderen Rahmen ermöglichen.
Die aktuell in vielen Leserbriefen geäußerte Auffassung "brauchen wir nicht" - "ist total überholt in unserer digitalisierten Welt" - "für das Geld sollten wir lieber Straßen oder Kitas bauen" usw. usw. würde bei der so populären Forderung nach Abschaffung dieser Kunstform eines der größten Armutszeugnisse unserer Gesellschaft sein. Bei allem auf uns zukommendem und tatsächlich bereits vorhandenem digitalem "Mist" werden wir uns, wenn wir zur Besinnung kommen, schmerzhaft mit dieser momentan so hochpopulistisch vorgetragenen und eventuell tatsächlich gerissenen Bildungslücke befassen müssen. Schauen wir auf unsere momentane Gesellschaft, die an jeder Ampel die "Grünphase" wegen digitaler Abhängigkeit verpasst. Schauen wir auf eine neue Generation, deren Konzentrationsphase für Neues, Besinnliches, Ernsthaftes und in eigentlich fast allen Bereichen unseres gemeinsamen Miteinanders, gegen Null geht und von einer digitalen Krake überwuchert wird.
Die Kultur und deren Pflege ist der Bildungsanker, den wir gerade lichten um ohne Aufenthalt ins Nirwana eines sich vergrößernden Bildungsnotstandes zu treiben. Ohne die Stärkung dieses Ankers werden wir unser rohstoffloses Land nicht vermögend erhalten können.
Die Kombination "Oper-Musikschule-Musikbücherei" war und ist eine höchst innovative Idee, die die Zusammenführung von sog. Hochkultur mit Bildung von jungen Menschen und der sog. Freien Szene hätte ermöglichen können. Sie wäre ganz sicher ein Hort der Neugier, des Entdeckens, des Fühlens und des konzentrierten musischen Handelns geworden. Diese Chance ist nur vielleicht verpasst wenn man das ganze Ding als Jahrhundertprojekt betrachtet. Für einen neuen Ansatz bleibe ich positiv gestimmt wenn ich z.B. in den momentanen 20 SingPause-Konzerten der Grundschulkinder hautnah erlebe, dass diese Kinder in absoluter Stille ein drei Minuten dauerndes Kunstlied ihrer Singleiterinnen und Singleiter unter der Sternenkuppel der Tonhalle "ertragen" können und danach selbst in vollkommener Zartheit mit 900 Stimmen "Taino tee wakeea ata" (Für die Erde singen wir) zu Gehör bringen. Schaut auf unsere Kinder. Lasst uns daran arbeiten, dass wir wenigstens diese Generation nicht auch noch verlieren. Wir müssen sie stärken und das geht nur mit Bildung und Zuwendung in Liebe. Ich bleibe optimistisch.
Manfred Hill
-Ehrenvorsitzender-
am 11.6.2026 - 18.00 Uhr