Die Idee

Als ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Musikvereins und Vater von drei Söhnen auf den Nachwuchsmangel in unserem Chor und viele andere Chöre schaute und gleichzeitig den musikalischen Schulalltag meiner Kinder betrachtete setzte sich in mir der Gedanke fest, dass wir als Gesellschaft aufgrund der äußeren Umstände Stück für Stück die musikalische Bildung verlieren.

SingPause Singen an Düsseldorfer Grundschulen Trägerschaft: Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V. Projektfinanzierung durch große Unterstützung aus der Bürgerschaft und mit Hilfe des Kulturamtes und des Schulverwaltungsamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf Eine der größten Jugendsingbewegungen in Deutschland ca. 10.000 teilnehmende GrundschülerInnen

Die Anfänge

Nach dem rheinischen Motto „Nit quake, make“ ergriff ich die Initiative im Jahre 2004, zusammen mit meiner Chordirektorin Marieddy Rossetto, und stellte dem damaligen Kulturdezernenten, Hans-Heinrich Große-Brockhoff, Gedanken zur Förderung der musikalischen Bildung vor. Marieddy Rossetto unterstützte diese Gedanken vom ersten Tag an und besuchte Kindergärten und Schulen um eine ungefähre Vorstellung eines „Ist-Zustandes“ zu erhalten. Sie erarbeitete eine Pilotphase in Schulen und unsere Initiative führte zu einem "Runden Tisch" im Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf zum Thema "Verbesserung der musikalischen Bildung in den Schulen", der unter der Leitung von Kulturamtsleiterin Marianne Schirge stand.

Lange Diskussionen in diesem Expertenkreis führten schlussendlich zum angestrebten Ziel. Marieddy Rossetto gab dem "Kind" den Namen "SingPause" und wurde künstlerische Leiterin des Projektes neben ihrer Tätigkeit in der Chorleitung des Musikvereins. Manfred Hill übernahm das Projektmanagement.

In einer kleinen Runde von Interessierten und Experten (Marieddy Rossetto, Peter Haseley, Klaus Wallrath, Hans-Hubert Schieffer, Manfred Hill) wurde das Konzept entwickelt mit der WARD-Methode als Basis und dem fast "revolutionären" Vorschlag der Unterbrechung des laufenden Vormittagsunterrichts für 20 Minuten zweimal in der Woche angenommen und ab 2006 in den Schulen umgesetzt.

Brief der Kinder nach der Pressekonferenz vom 9.3.2007

Der Beginn

Das Schuljahr 2006-2007 markierte den Start der „SingPause-Düsseldorf“. Am 9.3.2007 stellte die Stadt, unter Führung von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, in einer Pressekonferenz zum ersten Male die neue Bildungsinitiative vor und zwar in der Schule an der Erich-Müller-Straße.

Die damals in der Klasse anwesenden Kinder schrieben einen kleinen Bericht über dieses Ereignis (siehe nebenstehendes Bild) der deutlich macht, dass die SingPause schon nach kürzester Zeit bei den Kindern und bei allen Beteiligten viel Spaß auslöste. Ganz offensichtlich war, dass das in der vorgen. kleinen Runde entwickelte Konzept funktionierte.

Sehr schnell waren die anfänglichen Sorgen von Schulleitungen und Lehrpersonal verflogen als dort erkannt wurde, dass diese Form der frühen musikalischen Bildung bei den Kindern Köpfe öffnete und Stimmungen veränderte.

Die Förderung

Schon im Jahre 2006 gelang es Manfred Hill auch die Bürgerschaft zu sensibilisieren und er fand allererste Unterstützung bei Dr. Edgar Jannott, bei der Bürgerstiftung mit Hilfe des neuen Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe, beim Kulturausschuss mit Hilfe von Bürgermeister Friedrich Conzen und im Freundeskreis der Tonhalle mit Hilfe des Kuratoriumsmitgliedes Udo van Meeteren.

Nachhaltigkeit stand für mich, als verantwortlichem Projektmanager, von Anfang an im Vordergrund und gerade von diesem Gedanken waren die Anfangsjahre und die Einwerbung von Fördergeldern bestimmt.

Aus sechs teilnehmenden Schulen wurde schnell 11, dann 17 und dann über 60 als die Landeshauptstadt das Projekt als so wertvoll erachtete, dass sie es zum OGS-Projekt machte und damit eine große finanzielle Unterstützung für die Beschäftigung von Singleiterinnen und Singleitern realisiert werden konnte.

Überregionalisierung

Schnell wurden andere Träger in Städten und in der Chorszene auf die „SingPause-Düsseldorf“ aufmerksam und ich wurde zu vielen Vorträgen z.B. von Landesmusikräten oder zur ChorComm eingeladen um über das „Düsseldorfer Modell“ zu sprechen. Der wachsende Erfolg, die Ausbildungen von Singleiterinnen und Singleitern durch Gisbert Brandt im WARD-Zentrum Köln taten ihr Übriges zur Verbreitung des Gedankens. Zu allen, die Interesse zeigten, nahm ich Kontakt auf und verhandelte in den Städten oftmals mit den dortigen Behörden. So konnte ich oftmals unsere Anfangsschwierigkeiten bei den „Neulingen“ vermeiden helfen. Fazit dieser Bemühungen ist die Tatsache, dass sich die SingPause nach dem Düsseldorfer Modell zur Zeit auf mehr als 35 Städte in Deutschland übertragen ließ.

Auf unserer Internetseite www.singpause.de finden sich alle zur Zeit aktiven SingPause-Städte dargestellt in einer großen SingPause-Familie auf der Unterseite „SingPause in anderen Städten“.

Auszeichnungen

Die SingPause-Düsseldorf erhielt eine enorme Presseöffentlichkeit und eine Vielzahl von Anerkennungen für diese Kernerarbeit in der musikalischen Bildung, die auch den Start einer Singbewegung, die heute in ganz Deutschland spürbar ist, initiierte:

  • 2017: Jugendkulturpreis der Sparkassen
  • 2018: Nominierungspreis „Der Olymp“ von „Kinder zum Olymp“ aus der Hand des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier.
  • 2019: „Opus Klassik“ aus der Hand von Thomas Gottschalk in der ZDF-Opus-Klassig-Gala im Konzerthaus Berlin.
  • Für Marieddy Rossetto
    2021: Verleihung des Silbernen Lorbeer-Blattes durch den Landesmusikrat NRW für ihre zukunftsweise Arbeit in der SingPause-Düsseldorf und ihre chorerzieherische Arbeit im Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal und der 18jährigen Tätigkeit als Chordirektorin des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf.
  • Für Manfred Hill
    2009: Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Bundespräsident Köhler, Martinstaler der Landeshauptstadt Düsseldorf für innovative Bildungsinitiative und Düsseldorfer des Jahres für Kultur, 2012 Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2018 Goldene Verdienstmedaille der Landeshauptstadt im 200. Jubiläumsjahr des Musikvereins, Burgmüllerplakette der AGD und Ehrung durch die Düsseldorfer Jonges.
"Kinder zum Olymp", Preisverleihung am 10.7.2018 in Berlin durch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und seiner Gattin Elke Büdenbender. Hier zusammen mit Marieddy Rossetto und Manfred Hill. Bild: Jörg Asmus Wieben/Musikverein
SingPause-Konzert 23.6.2025 - 10.00 Uhr

Konzerte

Zum Abschluss eines jeden SingPause-Jahres veranstalten wir in Düsseldorfs wunderbarer Tonhalle für alle Kinder ein Abschlusskonzert in dem die Kinder die „Künstlerinnen und Künstler des Tages“ sind und ihren Eltern, Großeltern und Gästen vorführen, welche Lieder sie in ihrem SingPause-Jahr erlernt haben. Jedes Kind erlebt also vier Konzerte im beeindruckenden Umfeld der Tonhalle Düsseldorf unter dem Sternenhimmel des ehemaligen Planetariums, welches in 2026 seinen 100. Geburtstag feiert. Auch in diesem Jahr wird es wieder 21 Konzerte in der Tonhalle geben und fast 40.000 Kinder und Erwachsene werden gemeinsam singen.

Die Termine

In diesem Jahr, jeweils 2 Konzerte an einem Vormittag, liegen wie folgt fest.

  • Dienstag, 12.5.2026
  • Montag, 18.05.2026
  • Dienstag, 19.05.2026
  • Mittwoch, 20.05.2026
  • Donnerstag, 21.05.2026
  • Freitag, 22.05.2026
  • Montag, 01.06.2026
  • Dienstag, 02.06.2026
  • Mittwoch, 03.06.2026
  • Freitag, 5.6.2026
  • Freitag, 26.06.2026 (Gästekonzert)

An dieser Stelle danke ich nochmals und ganz besonders Marieddy Rossetto für die immer wieder genial organisierten Konzerte und danke der Intendanz und der Geschäftsführung der Tonhalle für besonders flexibles Miteinander. Ein zusätzliches Dankeschön gebührt den so überaus engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tonhalle in der Technik, im Hausmeisterteam und vor allen Dingen an den Garderoben und den Saaleingängen. Bei ca. 16.000 Kindern und ca. 23.000 Gästen gibt es viel zu erleben.

Dank

Eine kongeniale Zusammenarbeit zwischen Marieddy Rossetto und mir ermöglichte mit zunehmender Förderung durch die Landeshauptstadt Düsseldorf die ständige Weiterentwicklung und Vergrößerung des Projektes. Der Leitung des Kulturdezernates, des Kulturamtes und des Amtes für Schule und Bildung danke ich in besonderer Weise für die so überaus effektive Unterstützung.

Den vielen Förderern aus der Bürgerschaft bin ich zu großem Dank verpflichtet da sie ihre Fördergelder seit nunmehr 20 Jahren mit großem Vertrauen in unsere Arbeit und noch größerer Hochachtung vor den Ergebnissen der „SingPause“ zur Verfügung stellen.

Zukunft

In Düsseldorf wie in allen SingPause-Städten liegt die höchste Priorität bei der Anwerbung von Singleiterinnen und Singleitern. Zum Erhalt der Qualität erwarten wir Bewerberinnen und Bewerber, die ein musikalisches Hochschulstudium nachweisen können. Dies stellt sich zunehmend als schwierig heraus, da Projekte dieser Art nur Honorarverträge anbieten können.

Mit einem Appell möchte ich all diejenigen ansprechen, die die vorgen. Voraussetzungen erfüllen. Melden Sie sich bei uns und nehmen Sie Kontakt mit unserer künstlerischen Leiterin Marieddy Rossetto auf.

Auch im Leitungsbereich müssen wir personell an die Zukunft denken. So arbeitet Marieddy Rossetto seit einiger Zeit eine potentielle Nachfolgerin ein und ich suche für meine Tätigkeit in der SingPause dringend eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, der für diesen Bereich unbedingt „Computer-Affin“ sein müsste.

Constanze Backes, Klaus Wallrath, Jystyna Bokuniewicz, Bernhard Hüsgen, Marieddy Rossetto, Radmila Boochs, Tobias Liebezeit (v.l.n.r.)
SingPause-Kinder von der Schule an der Rolandstraße (Rolandschule) bei einer Demonstration der SingPause zur Pressekonferenz unter der Leitung von Singleiterin Annette Müller. Foto: Susanne Diesner

Zum Abschluss

Mit großer Freude und Genugtuung schaue ich auf die letzten 20 Jahre zurück. Wir haben gemeinsam mit allen Akteuren im Projekt, in der Stadt und in der Bürgerschaft vielen tausenden Kindern eine musikalische Basis geboten. Wir wissen, dass viele dieser Kinder ein Gespür für selbstgemachte Musik entwickelt haben, in die Musikschulen drängen und für ihr Leben vielleicht einen Weg einschlagen, der von Musik geprägt ist.

Hierbei ist es ohne jede Bedeutung, welche Musikrichtung eingeschlagen wird. Alles, was diese Kinder musikalisch machen, führen sie mit ihrem persönlichen SingPause-Hintergrund durch.

Musik machen und Musik hören sind menschliche Grundbedürfnisse und das schöne Wort von Yehudi Menuhin gilt heute und in aller Zeit:

Manfred Hill
– Ehrenvorsitzender –
– Projektmanagement SingPause –

am 1.1.2026

Kopfbild: SingPause-Kinder in der Tonhalle Düsseldorf(c)Musikverein/SingPause/susanne.diesner

Alle Bilder im Beitrag: (c) Musikverein/SingPause/susanne.diesner