21.04.2026

100 Jahre Tonhalle: Die Tonhalle feiert

Die Tonhalle feiert: unsere Veranstaltungen am Jubiläumswochenende 

Die Feierlichkeiten zum großen Tonhallen-Jubiläum erreichen im Mai ihren Höhepunkt: Genau vor 100 Jahren – am 8. Mai 1926 – wurde die heutige Tonhalle als Planetarium eröffnet. Das prunkvolle Bauwerk hatte einen Kuppeldurchmesser von 29,8 Metern und ist damit das größte Planetarium, das jemals in Europa existiert hat. Rund um das Jubiläumswochenende finden im heutigen »Planetarium der Musik« besondere Veranstaltungen statt:

Am 8. Mai (20h), 10. Mai (11h) und 11. Mai (20h) sind die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung ihres Principal Conductor Adam Fischer und der Chor des Städtischen Musikvereins in drei Sternzeichen-Konzerten zu erleben. Auf dem Programm stehen zwei Herzenswerke von Adam Fischer: Gustav Mahlers erste Symphonie (»Titan«) und Béla Bartóks Ballettmusik »Der wunderbare Mandarin«, die genau vor 100 Jahren in Köln uraufgeführt und direkt nach der Premiere wieder abgesetzt wurde. Die drastische Handlung rund um Prostitution, Gewalt und Mord hatte das Publikum so empört und schockiert, dass der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer weitere Aufführungen verbot.

Im Star Talk vor dem Konzert am Freitagabend ist der Planetariumshistoriker Andreas Scholl zu Gast. Im Gespräch mit Dramaturg Uwe Sommer-Sorgente wird er interessante Fakten und Geschichten über das Gebäude der Tonhalle preisgeben (8. Mai, 19h).

Vor 100 Jahren feierte auch ein cineastischer Meilenstein seine Uraufführung: Genau sechs Tage vor der Eröffnung des Planetariums in Düsseldorf wurde am 2. Mai 1926 in Berlin der erste abendfüllende Trickfilm der Filmgeschichte gezeigt. Der märchenhafte Scherenschnittfilm »Die Abenteuer des Prinzen Achmed« von Lotte Reiniger war eine Sensation, die erst 26-jährige Regisseurin wurde im pulsierenden Kulturleben der Weimarer Republik über Nacht zum Star. Grundlage des Films aus der Welt von Tausendundeiner Nacht waren fein ausgeschnittene Figuren, die Lotte Reiniger mit ihrem Team Bild für Bild vor der Kamera bewegte – 250.000 Bilder wurden aufgenommen, 100.000 für den Film verwendet. Im Zentrum der Handlung steht Prinz Achmed, der durch eine List auf ein verzaubertes fliegendes Pferd gerät, in ferne, fantastische Länder getragen wird und dort eine Reihe von Abenteuern erlebt. Der Filmkomponist Wolfgang Zeller hat zu »Die Abenteuer des Prinzen Achmed« eine bezaubernde Musik geschrieben, die das Düsseldorfer notabu.ensemble unter der Leitung von Anton Brezinka in der Tonhalle live zum Film spielt. Die Tonhalle präsentiert den Stummfilm mit Musik am 10. Mai (16:30h).

Wer vor Filmvorführung und Konzert noch mehr über Lotte Reiniger erfahren möchte, kann am 10. Mai (15h) eine Lesung von Rike Reiniger besuchen. Die Autorin erzählt in ihrem Buch »24 Bilder pro Sekunde« ungemein fesselnd vom Lebensweg der ersten deutschen Trickfilmregisseurin, von den glamourösen 1920er-Jahren über das Exil bis in die Nachkriegszeit. Wiedergefundene Briefe der außergewöhnlichen Künstlerin legen das Geheimnis ihres Lebens frei und eröffnen einen neuen Blick auf ihr Werk. Der Roman beschreibt auch, wie Lotte Reiniger für ihren Erfolg ihre Liebe zu einer Frau verschwieg und bis ins Exil ihren Traum von einem nächsten großen Trickfilm verfolgte – eine Biografie zwischen Hoffnung, Krise und dem Mut zu ständigem Neubeginn.

Am Jubiläumswochenende steht noch eine weitere persönliche Rückschau auf dem Programm: Dirigent Adam Fischer gibt im Gespräch mit Intendant Michael Becker Einblick in sein mittlerweile über 50-jähriges Berufsleben, seine Erfahrungen mit Orchestern und seine internationale Konzerttätigkeit. Das Talkformat »Sagen oder Zeigen« findet am 9. Mai (18:00) statt.

Während der Veranstaltungen des Jubiläumswochenendes ist im Foyer eine Ausstellung mit historischen und aktuellen Fotos aus 100 Jahren Tonhallen-Geschichte zu sehen. Zahlreiche Gäste sind unserem Aufruf gefolgt, besondere Tonhallen-Erinnerungen mit uns zu teilen, und schickten uns Fotos, die die gesamte Zeitspanne zwischen 1926 und 2026 abdecken. Die schönsten Fundstücke, ergänzt um besondere Schätze aus dem Düsseldorfer Stadtarchiv, zeigen wir fünf Tage lang in der Fotoausstellung »Wir sind 100« im Foyer der Tonhalle.

Außerdem baut das Team der Tonhalle ein »Kuriositätenkabinett« auf: Schätze, Skurriles und Vergessenes aus den Büros, Lagern, Kellern und Archiven der Tonhalle suchen zum Jubiläum ein neues Zuhause – darunter Bücher, Bildbände, CDs, Schallplatten und mehr. Stöbern ist erwünscht, der Preis ist Verhandlungssache. Der Aktion sind allerdings besonders freigiebige Trödlerinnen und Trödler zu wünschen, denn sämtliche Einnahmen fließen in die Kinder- und Jugendprojekte der Tonhalle. Fotoschau und Kuriositätenkabinett im Foyer sind frei zugänglich für alle Ticketinhaberinnen und Ticketinhaber von Veranstaltungen rund um das Jubiläumswochenende.

*** 

Kurzchronik 100 Jahre Tonhalle 

Anfangsjahre 

Am 8. Mai 1926 werden die »GeSoLei – Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen« und das eigens für die Ausstellung gebaute Planetarium eröffnet. Architekt ist Wilhelm Kreis. Das Planetarium (die heutige Tonhalle) bildet den südlichen Abschluss des Ehrenhofs, sein Haupteingang befindet sich an der Nordseite Richtung Ehrenhof. Mit dem Ende der GeSoLei am 15. Oktober 1926 bleibt das Planetarium für die Öffentlichkeit geöffnet und wird auch schon in dieser Zeit regelmäßig für Veranstaltungen genutzt.

Zweiter Weltkrieg 

Das Gebäude wird in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August 1942 stark durch eine Sprengbombe beschädigt, zum Glück aber nicht abgerissen. Bei einem Luftangriff der Alliierten am Pfingstsamstag 1943 werden zahlreiche prominente Bauten in Düsseldorf zerstört, darunter auch die »alte Tonhalle« an der Tonhallenstraße/Ecke Schadowstraße (später Karstadt). Das ehemalige Planetarium wird bei diesem Angriff ebenfalls schwer beschädigt.

Nachkriegszeit 

Die in »Rheinhalle« umbenannte Ruine des ehemaligen Planetariums wird bis August 1948 zunächst nur provisorisch wiederaufgebaut. Eine gründliche Wiederherstellung erfolgt 1954 nach Plänen des ursprünglichen Architekten Wilhelm Kreis. 1955 wird die Rheinhalle wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie wird als Mehrzweckhalle vor allem von Brauchtumsvereinigungen genutzt, vereinzelt gibt es auch Konzertveranstaltungen.

Neue Tonhalle ab 1978

Mit der Zerstörung der »alten Tonhalle« am Wehrhahn 1943 verliert Düsseldorf seinen musikalischen Mittelpunkt. 1971 beschließt die Stadt Düsseldorf, die Rheinhalle in ein modernes Konzertgebäude umzuwandeln und mit der Tonhalle am Ehrenhof ein neues Zentrum konzertanter Musik zu schaffen. Von 1975 – 1978 erfolgt der Umbau durch das Architekturbüro HPP (Hentrich, Petschnigg & Partner). Die Kuppel erhält ihre ursprüngliche Höhe wieder, das Innere wird völlig neu aufgebaut. Aus den 1920er-Jahren bleiben u. a. das Grüne Gewölbe und zahlreiche Kunstwerke wie die »Zwickelbilder« erhalten, die komplette Außenfassade des Gebäudes wird restauriert. Die Eingangsebene erhält ein großes Rundfoyer, im ersten Obergeschoss wird ein halbkugelförmiger Konzertsaal eingebaut. Neue Kunstwerke ziehen ein, etwa das Hohlspiegel-Objekt von Adolf Luther in der Kuppel des Konzertsaals oder Günther Ueckers Lichtplastik »Stalaktitenfeld« in der Rotunde. Der Haupteingang mit Vordach und Vorfahrt wandert auf die Ostseite des Gebäudes. Am 2. April 1978 wird die Tonhalle feierlich wiedereröffnet.

Renovierung 2005 

Im Jahr 2005 erfolgt nochmals eine aufwändige Renovierung. Die Akustik ist danach hervorragend, der berüchtigte »Klopfgeist« Geschichte. Die blaue Kuppel des Konzertsaals wird mit Leuchtdioden und einem raffinierten Beleuchtungskonzept ausgestattet. Dieser spektakuläre »Indoor-Sternenhimmel« macht die Konzerte in der Tonhalle auch zu einem optischen Erlebnis. Insofern ist das Haus heute wieder das, was es ja eigentlich immer war: ein »Planetarium der Musik«.

Generalsanierung seit 2025

In der Saison 2025/26 starten umfassende Sanierungsarbeiten, die parallel zum laufenden Konzertbetrieb erfolgen. Bis 2031 werden u. a. Fassaden, Dachterrasse, Technik und Innenräume der Tonhalle saniert, Fenster erneuert und sämtliche Leuchtmittel auf LED umgestellt. Die Maßnahmen erfolgen aus Gründen der Instandhaltung und Sicherheit, haben aber auch einen großen Effekt in puncto Nachhaltigkeit. Sie werden maßgeblich die Energieeffizienz des Gebäudes erhöhen und die Betriebskosten senken. Dank dieser Generalsanierung ist die Tonhalle bestens gerüstet für die nächsten 100 Jahre.

 

Marita Ingenhoven

Pressesprecherin Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker


 

am 21.4.2026 - 12.00 Uhr