Die Musikdirektoren, Chefdirigenten und Chordirektionen im Städtischen Musikverein zu Düsseldorf von heute bis 1818

Schaut der Betrachter auf die Reihe der Musikchefs und Chordirektionen in Düsseldorf wird schnell deutlich, dass es über bald 200 Jahre eine fast ungebrochene Reihe von hochrangigen Künstlerpersönlichkeiten gab und gibt, die die Geschicke des Düsseldorfer Musiklebens in erheblicher Weise geprägt haben und prägen.

Der erste Musikdirektor begründete die Niederrheinischen Musikfeste 1818 und gründete den Städtischen Musikverein, Felix Mendelssohn Bartholdy organisierte das Musikleben in Düsseldorf beispielhaft, ordnete die provinziellen Strukturen und begründete die Zeit des romantischen Oratoriums mit der Düsseldorfer Uraufführung des „Paulus“, Ferdinand Hiller setzte die Arbeit von Felix Mendelssohn Bartholdy kongenial fort, Robert Schumann schrieb 1/3 seiner Werke in Düsseldorf und schenkte dem Musikverein eine Vielzahl von Erstaufführungen, Julius Tausch führte das Musikvereins-Orchester in die Hände der Stadt und realisierte die zweite kommunale Orchestergründung in Deutschland, Julius Buths brachte Edward Elgar nach Kontinentaleuropa, Karl Panzer setzte neue Maßstäbe mit internationalem Flair, Georg Lennart Schneevoigt brachte die Modernität z.B. mit Schönbergs „Gurre-Lieder“ an das Publikum. Alle folgenden Musikdirektoren im 20. und 21. Jahrhundert leisteten ebenfalls viel für  Düsseldorf als Musikstadt. Schauen Sie in die Biographien und Sie werden interessante Künstler kennen lernen. Klicken Sie hierfür bitte die Bilder an.

Sie sehen in der ersten Auflistung alle Musikdirektoren und Chefdirigenten von 1818 bis heute. In der zweiten Auflistung sehen Sie die Chordirektoren und die Chordirektorin.

Adam Fischer ab der Saison 2015/2016 erster Konzertdirigent in Düsseldorf

Ádám Fischer (* 9. September 1949 in Budapest) ist ein international tätiger ungarischer Dirigent, der vor allem als Experte für die Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Béla Bartók hervorgetreten ist.

Ádám Fischers Großeltern wurden Opfer des Holocaust. Er studierte Komposition und Dirigieren zunächst in Budapest, anschließend in Wien bei Hans Swarowsky. 1973 gewann er den Ersten Preis des Cantelli-Wettbewerbs in Mailand und bekam daraufhin seine erste Stelle als Korrepetitor an der Grazer Oper. Im Anschluss wurde er Erster Kapellmeister an derFinnischen Nationaloper in Helsinki, am Staatstheater Karlsruhe und an der Bayerischen Staatsoper München. Von 1981 bis 1983 war er Generalmusikdirektor am Theater Freiburg in Freiburg im Breisgau, von 1987 bis 1992 am Staatstheater Kassel und von 2000 bis 2005 am Nationaltheater Mannheim. 2001 übernahm er kurzfristig bei den Bayreuther Festspielen die Leitung von Richard Wagners Ring des Nibelungen, wofür er von der Zeitschrift Opernwelt zum Dirigenten des Jahres 2002 gewählt wurde. Bis 2010 war er Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper, die Stelle verließ er wegen politischer Querelen. Mit Beginn der Spielzeit 2015/2016 fungiert er als Erster Konzertdirigent der Düsseldorfer Symphoniker.

Seine internationale Karriere begann bereits sehr früh. Der Beginn seiner Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper geht ins Jahr 1973 zurück. 1984 debütierte er an der Pariser Opermit Der Rosenkavalier, 1986 an der Mailänder Scala mit Die Zauberflöte. Sein Debüt am Royal Opera House Covent Garden in London erfolgte 1989 mit Die Fledermaus, das an derMetropolitan Opera in New York 1994 mit Verdis Otello.

Neben seinen Opernverpflichtungen dirigiert er häufig als Gastdirigent bedeutende Symphonieorchester weltweit.

Im Jahre 1987 war er Mitinitiator der Haydnfestspiele im burgenländischen Eisenstadt, für die er die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie gründete. Neben Konzerten und Opernaufführungen im Schloss Esterházyspielte er mit diesem Orchester zwischen 1987 und 2001 sämtliche Sinfonien von Joseph Haydn im vom Komponisten mitgestalteten Haydnsaal des Schlosses ein.

Seit 1998 ist er auch Chefdirigent des Danish National Chamber Orchestra (früher: Dänische Radio-Sinfonietta) in Kopenhagen, mit der er bis 2006 alle Opere serie von Wolfgang Amadeus Mozart aufnahm. Derzeit spielt Fischer mit diesem Orchester sämtliche Sinfonien Mozarts auf CD ein.

Fischers Gesamtaufnahme der Orchesterwerke Béla Bartóks, die er 1989–1992 einspielte, wurde von Kritikern als Referenzaufnahme gewürdigt.

Ádám Fischers Bruder Iván Fischer ist ebenfalls ein international erfolgreicher Dirigent.

Andrey Boreyko Generalmusikdirektor in Düsseldorf von 2009 bis 2014

Düsseldorf hat einen neuen Generalmusikdirektor, der ab der Saison 2009-2010 für die Symphoniekonzerte zuständig ist. In der Deutschen Oper am Rhein wirkt sein GMD-Kollege Axel Kobert seit 2009.

Andrei Wiktorowitsch Boreyko (russ. Андрей Викторович Борейко; englische Translit. Andrey Boreyko; * 22. Juli 1957 in Leningrad) ist ein russischer Dirigent polnischer Abstammung.

In Leningrad studierte er am Konservatorium Dirigieren bei Elisabeta Kudriawzewa und Alexander Dmitrijew, sowie Komposition bei V.Uspensky. Internationale Anerkennung bekam er nach seiner mit Diplomen und Preisen ausgezeichneten Teilnahme an internationalen Wettbewerben wie dem Grzegorz-Fitelberg Dirigentenwettbewerb in Katowice und dem Kirill Kondraschin Dirigentenwettbewerb in Amsterdam.

Von 1987 bis 1992 war er Dirigent in Uljanowsk und Chefdirigent in Jekaterinburg, 1992 bis 1995 Generalmusikdirektor in Posen (Polen). 1998 wurde Boreyko Chefdirigent/Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie sowie Principal Guest Conductor der Vancouver Symphony Orchestra; er nahm die Engagements bis 2003 wahr. Von 1998 bis 2001 war er Principal Associate Conductor des Russischen Nationalorchesters.

Seit der Saison 2001/2002 bis 2005/2006 war er Music Director des Winnipeg Symphony Orchestra und zusätzlich seit der Spielzeit 2004/2005 Chefdirigent der Hamburger Symphoniker sowie erster Gastdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR.

Andrey Boreyko ist Ehrendirigent der Jenaer Philharmonie. Er wurde mit dieser zusammen 1999-2003 vom Deutschen Musikverleger-Verband drei Mal in Folge für das beste Konzertprogramm des Jahres ausgezeichnet (ein bisher einmaliger Rekord). Seit der Saison 2005-2006 ist er Chefdirigent des Berner Symphonie-Orchester.

Ab der Saison 2009/2010 ist er Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker.

Sehr erfolgreiche Debütkonzerte mit den Berliner Philharmonikern, den Münchner Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Gürzenich-Orchester Köln, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Dänischen Nationalorchester/DR, dem Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks, dem Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, der Philharmonie Oslo, dem Sinfonieorchester von RAI Turin, dem Toronto Symphony Orchestra sowie dem Philharmonia Orchestra führten zu sofortigen Wiedereinladungen über mehrere Spielzeiten.

Andrey Boreyko dirigierte außerdem u. a. das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, das NDR Sinfonieorchester Hamburg, das Deutsche Symphonie Orchester Berlin, das Württembergische Staatsorchester Stuttgart, die Bamberger Symphoniker, das Berliner Sinfonie Orchester, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das hr-Sinfonieorchester, das Nationaltheater Orchester Mannheim, die Dresdner Philharmonie, das MDR Sinfonieorchester, das Beethoven Orchester Bonn, das Orchestre de la Suisse Romande, das Sinfonieorchester Basel, die Stockholmer Royal Philharmonie, die Malmö Symphonie, die Bergen Philharmonie, das Trondheim Sinfonieorchester, das Royal Flanders Philharmonic Orchestra, das Belgian National Orchestra, das St. Petersburg Symphony Orchestra, die Tschechische Philharmonie auf einer USA Tournee mit Abschlusskonzert in der Carnegie Hall, das Prager Sinfonieorchester FOK, die Philharmonie Warschau, das Polish National Radio Orchestra, die Sinfonieorchester von Montreal, Toronto, Detroit, San Diego, Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide und Tokio und auch Kammerorchester wie z. B. die Kremerata Baltica, die Amsterdam Sinfonietta und andere. Andrey Boreyko ist Gast renommierter Festivals in Deutschland, Holland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Italien, Frankreich und den USA.

Zu seinen jüngsten CD-Aufnahmen zählt „Lamentate“ von Arvo Pärt, eingespielt mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, erschienen im Herbst 2005 bei ECM Records München. Im Juni 2006 gab Andrey Boreyko sein Debüt mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, das eine sofortige Wiedereinladung aussprach; im August 2006 übernahm er kurzfristig eine Europa-Tournee mit dem European Union Youth Orchestra mit Konzerten in Jurmala/ Litauen, Kopenhagen, Berlin und Amsterdam.

John Fiore – Generalmusikdirektor vom 1. September 2000 bis zum 30. November 2008

John Fiore ist seit September 2000 Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker. Er hat sich auf dem Gebiet der Oper und des Konzerts in den letzten Jahren unter den führenden Dirigenten der neuen Generation einen Namen gemacht. Weltweit hat er dauerhafte Beziehungen zu Opernhäusern und Symphonieorchestern aufgebaut, so zum Beispiel zur Metropolitan Opera New York, der Semperoper Dresden, der Australian Opera, der Kölner Oper, zur Staatskapelle Dresden, zum Gürzenich Orchester Köln und zum New York Chamber Orchestra, um nur einige zu nennen. Weitere Opernengagements führten ihn nach Genua, an die Bayerische Staatsoper München, nach Rom und zum Savonlinna Festival in Finnland.

Im September 2001 führte er die Düsseldorfer Symphoniker auf eine Konzerttournee durch sieben chinesische Großstädte (darunter Shanghai und Peking). Im Oktober 2001 dirigierte er die Neuproduktion von Tannhäuser an der Houston Grand Opera. An der Bayerischen Staatsoper München leitete er im Frühjahr 2002 die Wiederaufnahme von Verdis Un Ballo in Maschera.

John Fiore, in New York City geboren, erhielt den ersten Musikunterricht von seinen Eltern: sein Vater war Pianist und Chordirektor, seine Mutter Sängerin. Nach dem Umzug der Familie nach Seattle erhielt er dort Klavier- und Cellounterricht und begleitete bereits im Alter von vierzehn Jahren als Korrepetitor die Einstudierung von Wagners Ring des Nibelungen in Seattle. Nach Studien an der Eastman School of Music wurde er 1981 an die Santa Fe Opera engagiert, wo er die Opern von Richard Strauss einstudierte.

Dirigierassistenzen an den Opernhäusern von San Francisco, Chicago und New York (Metropolitan) folgten. In Europa arbeitete er als Assistent von Daniel Barenboim bei den Bayreuther Festspielen und mit so bedeutenden Dirigenten wie Zubin Mehta und Leonard Bernstein. Sein professionelles Dirigierdebut erfolgte 1986 in San Francisco mit Gounods Faust. Seit 1990 erweitert er auch im symphonischen Bereich kontinuierlich sein Repertoire und seine Beziehungen zu den bedeutenden Orchestern Nordamerikas und Europas.
Seit der Spielzeit 1999/2000 war er Chefdirigent der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg bis zum Jahre 2008. Seine nächste Station wurde die im Jahre 2008 übernommene künstlerische Leitung der Opera Oslo.

Salvador Mas Conde – Chefdirigent in Düsseldorf vom 1. Juli 1993 bis zum 30. November 1999

in Barcelona geboren, erhielt seine musikalische Ausbildung als Sängerknabe an der Escolania de Montserrat und am Konservatorium seiner Geburtsstadt.
Nach Studienaufenthalten bei Bruno Maderna in Salzburg und bei Franco Ferrara in Siena setzte er sein Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien fort. Er war 1980 Preisträger des 2. Internationalen Hans-Swarowsky-Dirigentenwettbewerbs Wien.
Seine berufliche Laufbahn begann mit der Saison 1977-1978 an den Städtischen Bühnen Mainz. Von 1978-81 war er Chefdirigent des Orquesta de la Gutat de Barcelona. Außerdem leitete er von 1983-85 den in Barcelona ansässigen Traditionschor Orpheó Catdá. 1991 wurde er als Professor für Orchesterleitung an das Konservatorium Barcelona berufen. Von 1985-1991 war Salvador Mas Conde Generalmusikdirektor der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, von 1988 bis 1994 Chefdirigent des Limburg Symphonie Orkest Maastricht. Von 1993-99 war er Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker. Seit 1998 hat er diese Position beim Israel Chamber Orchestra Tel Aviv inne. Als Gastdirigent leitete Salvador Mas Conde u.a. das Orquesta Nacional de Espana Madrid, das ORF-Orchester Wien, die Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, Saarbrücken und Leipzig sowie die Münchner Philharmoniker. Weitere Einladungen führten ihn nach Belgien, Frankreich, Italien, Kanada, Mexiko, den Niederlanden, Österreich und Polen.

In seine Amtszeit in Düsseldorf fiel die Zusammenarbeit mit Edison Denissow und die Uraufführung von dessen Komposition „Morgentraum”, einer Auftragskomposition des Städtischen Musikvereins zu seinem 175. Geburtstag. Mas Conde brachte die Erstaufführung von Roberto Gerhards „Die Pest” und eine intensive Präsentation der spanischen Musikliteratur in das Konzertleben Düsseldorfs.

David Shallon – Chefdirigent in Düsseldorf vom 1. September 1987 bis zum 30. November 1992

Mit David Shallon, der leider viel zu früh verstarb, erlebte der Musikverein eine glückliche musikalische Zeit. In seiner Amtszeit fanden unter anderem die Reisen nach Israel und Finnland statt sowie die außerordentliche DDR-Tournee.
David Shallon (1950 – 2000)
David Shallon, geboren am 15. Oktober 1950, studierte in Tel-Aviv bei Noam Sheriff und in Wien bei Hans Swarowsky. Seinen ersten großen Erfolg feierte er im Jahr 1980, als er Mahlers Dritte Symphonie mit den Wiener Symphonikern dirigierte. Seitdem war er ein populärer Gast internationaler Festivals und Spitzenorchester: darunter das Berliner Philharmonische Orchester, das London Symphony Orchestra, die Wiener Symphoniker und natürlich die Junge Deutsche Philharmonie, mit der er seit 1979 regelmäßig musizierte und der seine besondere Liebe galt.
Mit Mahlers Dritter Symphonie eröffnete David Shallon auch am 17. September 1987 seine erste Saison als Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker. Sofort konnte er mit seinem temperamentvollen und ausdrucksstarken Dirigat, aber auch seinem jugendlichen Charisma die Herzen des Publikums und des Orchesters für sich gewinnen.
Seine programmatischen Ziele hat er damals klar formuliert: „Das Repertoire zu erweitern und dem Publikum ein vielfältiges und attraktives Programm anzubieten“. So standen neben den zyklischen Aufführungen der Werke von Mahler, Bernstein und Berlioz zahlreiche in Düsseldorf bis dahin nicht zu hörende Werke auf dem Programm: Erstaunliche 109 (!) Düsseldorfer Erstaufführungen sowie zwei Uraufführungen (Sheriff und Blarr) verzeichnete die Ära Shallon insgesamt. David Shallon gelang dies jedoch, ohne sein Publikum zu überfordern. Er selbst dirigierte zahlreiche „Klassiker“ des 20. Jahrhunderts von Britten über Dutilleux bis hin zu Gubaidulina. Komponisten wie Witold Lutoslawski, Peter Maxwell Davies und Mauricio Kagel stellten als Gastdirigenten ihre eigenen Werke vor.
Mit David Shallon feierten die Düsseldorfer Symphoniker ihr 125-jähriges Jubiläum und gingen – gemeinsam mit dem Städtischen Musikverein zu Düsseldorf –im Mai 1989 auf eine international beachtete DDR-Tournee. Mit dem Musikverein und seinem damaligen Leiter Hartmut Schmidt verband ihn eine herzliche Freundschaft, die sich in gemeinsamen Konzerten in Helsinki, Den Haag und Jerusalem manifestierte.
Die Düsseldorfer Zeit hatte für den jungen Dirigenten allerdings auch einige bittere Enttäuschungen zu bieten. Sein öffentlicher Einsatz für die akustische Verbesserung der Tonhalle – in derselben offenen Art geführt, die sein ganzes Temperament kennzeichnete – fand bei der Politik keinen Widerhall. In seine Amtsjahre fielen zudem drastische Kürzungen im Personaletat des Orchesters. Seinen Enthusiasmus sollte er trotzdem nicht verlieren: Als Chefdirigent führte er ab 1992 das Jerusalem Symphony Orchestra zu internationalem Niveau. Seit 1997 leitete er das Philharmonische Orchester Luxemburg.
Wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag erlag er am 15. September 2000 nach einem Konzert in Tokio einem Asthma-Anfall. Sein letztes Konzert in Düsseldorf dirigierte er anlässlich der 3000-Jahrfeier der Stadt Jerusalem am 11. September 1996 – mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Städtischen Musikverein, auf dem Programm wieder die musikalischen „Fixsterne“ Mahler und Bernstein.

Bernhard Klee – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Juli 1977 bis zum 30. Juni 1987

Bernhard Klee wurde in Schleiz/Thüringen geboren und wuchs in Jena und – als Mitglied des weltberühmten Thomanerchores – in Leipzig auf. Nach einer umfangreichen musikalischen Ausbildung während der Leipziger Internatsjahre folgten Studien der Fächer Klavier, Komposition, Dirigieren und Kammermusik in Köln und Italien.

Als Assistent von Otto Ackermann und Wolfgang Sawallisch – in späteren Jahren dann bei Karl Böhm und Herbert von Karajan – vervollkommnete und bereicherte Bernhard Klee seine fachlichen Kenntnisse und künstlerischen Erfahrungen.
Mit 29 Jahren trat er seine erste Chefposition bei den Bühnen der Hansestadt Lübeck an, worauf dann 10 Jahre in Düsseldorf bei den Düsseldorfer Symphonikern und die Chefdirigentenposition beim Norddeutschen Rundfunk in Hannover folgten. Ein fünfjähriger Vertrag als Chief Guest Conductor des BBC Philharmonic Orchestra dokumentiert eine lange künstlerische Verbundenheit Klees mit dem großen und berühmten britischen Radiosender.

Schon in jungen Jahren wurde Bernhard Klee zu vielen berühmten Orchestern des In-und Auslandes als Gastdirigent eingeladen: in Europa u.a. zu allen grossen Londoner Orchestern, den Philharmonischen Orchestern Wiens und Berlins, Warschaus und Stockholms, dem Concertgebouworkest Amsterdam, den großen Rundfunkorchestern Italiens, Hollands, Frankreichs, Japans, Deutschlands, Skandinaviens; in den U.S.A. u.a. zu den Orchestern von Washington, Chicago, San Francisco, New York, Cleveland und Pittsburgh.

Auch im Opernbereich engagiert sich Bernhard Klee immer wieder gerne. So gastierte er wiederholt an den großen europäischen Bühnen wie z.B. Hamburg, München, Berlin, Covent Garden in London, Genf. Ebenso wirkte er bei vielen internationalen Festspielen wie u.a. Edinburgh, Holland-und Flandernfestival, Salzburg, Helsinki, Luzern, Berliner Festwochen, Londoner Proms mit.
Er hat zahlreiche Plattenaufnahmen bei EMI, Deutsche Grammophon, Philips, Koch-Schwann und Sony gemacht, wovon etliche prämiert wurden, u.a. mit dem Deutschen Schallplattenpreis und der “Wiener Flötenuhr”.

Mit der „Ära Klee“ begann eine weitere deutliche Zunahme der Aktivitäten des Städtischen Musikvereins auf nationalen wie internationalen Konzertpodien „erster Güte“. Die zehn Jahre mit Bernhard Klee wurden wichtige Jahre für den Musikverein. Kompromisslos ging er die Interpretation der musikalischen Werke an. Bernhard Klee schrieb in seinem Beitrag zum 175. Jubiläum dem Musikverein in die Festschrift: „Den Chor fördern heißt den Chor fordern”. Das tat er in großem Maße. Ohne seinen Anspruch hätte sich die Entwicklung des Chores sicherlich anders dargestellt.

Willem van Otterloo – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Oktober 1974 bis zum 30. Novem-ber 1976

Willem van Otterloo war ein Musiker von internationalem Rang. Nach Düsseldorf kam er zu einer für Konzerte sehr ungünstigen Zeit, da die Rheinhalle als Konzertsaal wegen des anstehenden Umbaues abgerissen bzw. entkernt wurde. Die Konzerte fanden in einer Messehalle an der Fischer-Strasse statt. Die Verhältnisse waren schlecht, da immer zwischen Eisenhüttentag, Messe, vielen sonstigen Veran-staltungen und Konzert umgebaut werden musste.

Wilhelm van Otterloo ergab sich in sein Schicksal, der Musikverein auch. In der Messehalle war das Podium einmal an der Stirnseite und ein anderes Mal an der breiten Seite der hinteren Wand. Alle wa-ren froh, als diese Zeit vorbei war.

Willem van Otterloo (1907 – 1978) geboren am 27. Dezember 1907 in Winterswijk (NL), begann nach zwei Jahren des Medizinstudiums seine musikalische Ausbildung am Konservatorium in Amsterdam. Er studierte Violoncello bei Max Orobio de Castro, Komposition bei Sem Dresden und Analyse bei Hendrik Andriessen. Während seines Engagements als Cellist im Symphonischen Orchester Utrecht gewann er 1931 mit seiner Orchester-Suite Nr. 3 einen Kompositionspreis des Concertgebouworkest Amsterdam, wo er die Uraufführung dieses Werkes im folgenden Jahr als sein Dirigierdebüt leiten durfte. 1933 war er bereits als Dirigierassistent des Utrechter Orchesters tätig, dessen Chefdirigent er 1937 wurde. 1949 wurde er musikalischer Leiter des Residentie Orkest Den Haag, eine Position, die er bis 1973 innehielt.

In dieser Zeit entwickelte sich dieser Klangkörper zu einem – auch durch zahlreiche Schallplattenauf-nahmen insbesondere in den 1950er Jahren – international respektierten Orchester.

1971 übernahm er als Chefdirigent das Sydney Symphony Orchestra in Australien. Gleichzeitig leitete er nach dem überraschenden Weggang von Henryk Czyż von 1974 bis 1977 als Generalmusikdirektor die Düsseldorfer Symphoniker. Er starb bei einem Autounfall in Melbourne, Australien, am 27. Juli 1978.

Henryk Czyż – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Juli 1971 bis zum 30. November 1973

Ein feinsinniger Musiker von internationalem Rang, der dem Chor sehr zugetan war. Der Musikverein durfte durch ihn große Erfahrungen mit der Musik von Arthur Honegger und Carl Orff machen und erlebte seine erste große EMI- Schallplattenproduktion.

Henryk Czyż (1923 -2003)

Henryk Czyż, geboren am 16. Juni 1923 in Graudenz/Grudziądz, trat seine erste Dirigentenstelle 1948 beim Philharmonischen Orchester Bromberg/Bydgoszcz an, während er noch an der Universität von Thorn/Toruń die Fächer Jura und Philosophie belegt hatte. In Folge studierte er an der Musikakademie in Posen/Poznań Dirigieren bei Bierdiajew and Komposition bei Szeligowski. 1957 wurde er zum Dirigenten und künstlerischen Leiter des Philharmonischen Orchesters Łódź ernannt, 1960 folgte die Warschauer Oper, wo er die polnische Bühnenpremiere von „Le sacre du printemps“ leitete, und schließlich das Philharmonische Orchester Krakau/Kraków (ab 1964).

Bereits seit Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts konzertierte er regelmäßig in Europa (u.a. bei den Berliner und den Leningrader Philharmonikern), Nord- und Südamerika, wo er einer der am häufigsten eingeladenen polnischen Künstler war. Bei seinen Dirigaten bemühte er sich konsequent, die polnische Musik zu lancieren. Er schätzte Karol Szymanowski, erwarb sich große Verdienste um die Verbreitung von Krzysztof Pendereckis Werken, dessen „Lukaspassion“ (Münster 1966) und „Die Teufel von Loudun” (Hamburg 1969) er uraufführte. Die Krönung dieser Periode war das Amt des Generalmusikdirektors der Düsseldorfer Symphoniker, das er in den Jahren 1971-1974 innehatte.

Danach wurde das Komponieren für ihn wichtiger als die Dirigentenlaufbahn. Er schrieb einige Orchesterwerke, komponierte eine der populärsten polnischen Opern des 20. Jahrhunderts, den „Kynologen im Zwiespalt“ nach Slawomir Mrozek. Er mied auch den Kontakt mit der leichteren Musik nicht, wovon u.a. die Filmpartituren zu „Ewa will schlafen”, „Texas Rancho” oder „Herrn Anatols Hut” zeugen. Seine große Leidenschaft war auch die Pädagogik. 1980 wurde er zum Professor an der Musikakademie Warschau ernannt. Er zog viele namhafte Nachfolger wie Antoni Wit oder Jose Maria Florencio Junior heran, der extra aus Brasilien nach Polen gekommen war, um bei Henryk Czyz zu studieren. Die Schüler setzen heute das Werk ihres Meisters, dieses so unerhört sensiblen und scharfsinnigen Musikinterpreten, fort.

Er starb am 16. Januar 2003 nach langjähriger schwerer Erkrankung.

Rafael Frühbeck de Burgos – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Juli 1966 bis zum 30. November 1970

Eine weitere internationale Dirigentenpersönlichkeit wurde Düsseldorf „geschenkt”. Die menschliche und musikalische Zusammenarbeit hat im Düsseldorfer Musikwesen große Früchte getragen. Bis heute gibt es noch Verbindungen zu dem verehrten Maestro.

Rafael Frühbeck de Burgos (*1933)
Rafael Frühbeck de Burgos wurde am 15. September 1933 als Sohn deutscher Eltern in der spanischen Stadt Burgos geboren. Er studierte Violine, Klavier, Musiktheorie und Komposition in Bilbao und Madrid. Das anschließende Dirigentenstudium in München absolvierte er mit „summa cum laude“.
Er begann seine Dirigentenlaufbahn beim Symphonieorchester von Bilbao und leitete danach (von 1962 bis 1968) das Spanische Nationalorchester in Madrid. 1966 wurde Frühbeck de Burgos zum Generalmusikdirektor der Stadt Düsseldorf ernannt, eine Position, die er bis 1971 ausfüllte. Er folgte dann einem Ruf nach Kanada und übernahm dort die Leitung des Montreal Symphony Orchestra.
1991-1996 war Rafael Frühbeck de Burgos Chefdirigent der Wiener Symphoniker, 1992-1997 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, von August 1994 bis 2000 Künstlerischer Leiter als Chefdirigent des Rundfunk Symphonie Orchesters Berlin. In der Funktion des Principal Guest Conductor wirkte er beim Yomiuri Nippon Orchestra in Tokio und beim National Symphony Orchestra Washington.
Als Gastdirigent stand Rafael Frühbeck de Burgos an der Spitze von mehr als 100 Orchestern in Europa, Amerika, Japan und Israel. Opernaufführungen leitete er in Madrid, Bilbao, Düsseldorf, Washington, Zürich, Genua, Buenos Aires. Gegenwärtig arbeitet er häufig am Opernhaus Zürich.
Es liegt eine große Anzahl von Schallplattenproduktionen unter Rafael Frühbeck de Burgos vor. Nicht wenige davon werden dabei als Referenzaufnahmen betrachtet: Mendelssohns Oratorien Elias und Paulus (mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Musikverein), Mozarts Requiem, Orffs Carmina Burana. Die Einspielung von Bizets Carmen aus dem Jahre 1970 mit Grace Bumbry in der Titelrolle gilt noch heute als Meilenstein der Interpretationsgeschichte. Wesentliche Bedeutung kommt auch seiner Einspielung des Gesamtwerkes von Manuel de Falla zu.
Die weitgespannte künstlerische Tätigkeit von Rafael Frühbeck de Burgos wurde 1994 mit der Verleihung des Ehrendoktorates der Universität Pamplona gewürdigt; im Januar 1994 verlieh ihm die philosophische Fakultät der Universität Navarra die Ehrendoktorwürde. Die Universität seiner Heimatstadt Burgos folgte mit der gleichen Auszeichnung im März 1998 nach. Mehrere Auszeichnungen würdigen seine Verdienste um die Kunst und Kultur der Republik Österreich. Spanien bedachte ihn im November 1996 mit dem Jacinto-Guerrero-Preis, dem bedeutendsten spanischen Musikpreis. Die spanische Königin überreichte den Preis am 24. Februar 1997 in Madrid.

Jean Martinon – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Novomber 1960 bis zum 30. November 1964

Ein feinsinniger, international erfahrener und allseits verehrter Musiker wurde Chef in Düsseldorf. Mit Jean Martinon wurde nach dem Krieg wieder eine Reihe von Generalmusikdirektoren mit internationalem Anspruch begonnen.

Jean Martinon (1910 – 1976)
Jean Martinon wurde am 10. Januar 1910 in Lyon geboren. Nachdem er 1928 sein Violinstudium in Lyon und Paris erfolgreich beendet hatte, schloss er ein Kompositions- und Dirigierstudium bei Albert Roussel und Charles Munch an. Als der Krieg ausbrach, wurde er von der französischen Armee eingezogen und geriet 1940 in Gefangenschaft. In dieser Zeit komponierte er erste Jazz- und Chorstücke (z.B. Stalag 9 – Musique d’exil oder Absolve Domine für Männerchor). 1946 bekam er dafür den Preis für Komposition von der Stadt Paris verliehen.

Nach seiner Befreiung nahm Martinon eine führende Position bei der Neuorganisation des französischen Musiklebens ein und wurde Dirigent der Konzerte des Konservatoriums von Paris und des Philharmonischen Orchesters von Bordeaux. Ebenso war er mehr und mehr als Gastdirigent gefragt. 1947 debütierte er mit dem London Philharmonic, dessen Dirigent er während der folgenden zwei Saisons wurde. Sein Debüt in Nordamerika gab er 1957 als Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra. Danach folgten weitere Stationen als Dirigent des Radio Éireann Orchestra Dublin (1947-50), der Concerts Lamoureux Paris (1951-57) und des Israel Philharmonic Orchestra (1957-59). 1960 bis 1965 war er Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker. Es folgten Chefpositionen beim Chicago Symphony Orchestra (1963-68), beim Orchestre National de Radio France (ab 1968) und beim Residentie Orkest Den Haag (ab 1974).

Er widmete sich auch regelmäßig der Komposition. Sein Violinkonzert Nr. 2 entstand für Henryk Szeryng, sein Cellokonzert für Pierre Fournier. Darüber hinaus umfasst sein Werkverzeichnis vier Sinfonien und zwei Opern.
Jean Martinon starb am 1. März 1976 in Paris.

Eugen Szenkar – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Juli 1952 bis zum 30. November 1959

Als GMD war er jedoch ab dieser Zeit nur für das Konzertleben zuständig. Die Oper (Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf-Duisburg) bekam einen eigenen musikalischen Chef, ebenfalls mit dem Titel „Generalmusikdirektor“. Eugen Szenkar war, wie Zeitgenossen berichten, ein wirklicher Orkan von einem Musiker. Ihm lagen die große Geste, die Beherrschung gewaltiger Chöre und der berauschende Klang eines großen Ensembles.

Eugen Szenkar (1891 – 1977)
In Budapest als Sohn des Komponisten, Organisten und Chorleiters Ferdinand Szenkar geboren, erhielt Eugen Szenkar seine musikalische Ausbildung an der königlichen Musikakademie seiner Heimatstadt. Nach Engagements als Korrepetitor an der Volksoper Budapest (1911) sowie als Chorleiter und Dirigent am Deutschen Landestheater Prag (1912) folgten Verpflichtungen als 1. Kapellmeister an der Volksoper Budapest (1913-15), am Stadttheater Salzburg und am Mozarteum (1915-16). 1916 wurde Szenkar Hofkapellmeister in Sachsen-Altenburg, wo er erstmals die großen Strauss-Opern und Wagners Ring aufführen durfte. In den Konzerten dirigierte er alle Mahler-Symphonien – ein deutliches Bekenntnis für einen zu dieser Zeit noch mehr als umstrittenen Komponisten. Der Liebe zu Mahler und dem bedingungslosen Einsatz für dessen Werk blieb Szenkar sein Leben lang treu.

1920 wurde Szenkar als Chefdirigent an die Frankfurter Oper berufen, in deren Orchester Paul Hindemith Bratschist war. Auch für diesen Komponisten sollte sich Szenkar in der Zukunft immer wieder einsetzen. In die Frankfurter Zeit fällt auch die Begegnung Szenkars mit Belá Bartók, dessen Oper Herzog Blaubarts Burg sowie das Ballett Der holzgeschnitzte Prinz er an der Frankfurter Oper zur deutschen Erstaufführung brachte.

Die nächste Station war die Volksoper Berlin, der er 1923-24 als GMD vorstand. Bereits in der nächsten Saison wechselte er als Nachfolger Otto Klemperers an die Kölner Oper, wo er 1926 die Uraufführung von Bartóks Pantomime Der wunderbare Mandarin leitete, der einer der größten deutschen Theaterskandale wurde. Weniger die Musik Bartóks als vor allem das als anstößig empfundene Sujet (die von Melchior Lengyel erfundene Fabel spielt in einem „Dirnen- und Räuber-Milieu“) erregte die Gemüter aufs Höchste. Szenkar wurde aufgrund der Wahl dieses Werkes scharf von der Presse und Politik angegriffen: der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer persönlich verfügte die sofortige Absetzung des Mandarin vom Spielplan.

Trotz dieses Skandals blieb Szenkar bis 1933 in Köln. Dann jedoch verließ er Nazi-Deutschland, lebte und gastierte zunächst in Wien und Paris, bis er 1934 als Chefdirigent der Moskauer Philharmonie und Leiter der Dirigierklasse am Staatlichen Konservatorium in Moskau verpflichtet wurde. Hier schloss er Freundschaft mit Sergej Prokofjew, Nikolai Mjaskow, der ihm eine seiner Symphonien widmete, und Aram Chatchaturian.

Doch auch in Russland wurde Szenkar Opfer der politischen Ereignisse: Als Folge der Stalinistischen Säuberungsaktionen verließ er 1937 Moskau und lebte zwei Jahre in Paris, dem Treffpunkt zahlreicher Emigranten. In dieser Zeit gab er u.a. 24 Konzerte mit dem von Bronislaw Huberman gegründeten Palästina-Orchester. 1939 erhielt er eine Einladung nach Rio de Janeiro. Aus dem geplanten Gastspiel am Theatro Municipal wurde aufgrund des Kriegsausbruchs ein zehnjähriger Aufenthalt. Szenkar gründete das Orquesta Sinfonica Brasileira, dem u.a. Riccardo Odnoposoff als Konzertmeister und der Solocellist Eberhard Finke, später Solocellist des Berliner Philharmonischen Orchesters, angehörten. 1949 nahm er die brasilianische Staatsbürgerschaft an. Anders als sein jüngerer, ebenfalls als Dirigent tätiger Bruder Alexander jedoch, der 1938 nach Südamerika ausgewandert war und dort den Rest seines Lebens in Buenos Aires und Montevideo arbeitete, kehrte Szenkar 1949 nach Europa zurück, wo er zunächst in Paris lebte. 1950 übernahm er die GMD-Stelle am Nationaltheater Mannheim, zwei Jahre später, 1952, seine letzte feste Position in Düsseldorf. Bis 1960 leitete er die Düsseldorfer Symphoniker (damals noch Symphonieorchester der Stadt Düsseldorf genannt), gleichzeitig war er auch bis 1956 als Operndirektor für das Düsseldorfer Opernhaus verantwortlich. Unter Szenkars Leitung übernahmen die Düsseldorfer Symphoniker ihre erste große Auslandtournee nach Paris und London im Jahre 1954 zusammen mit dem Musikverein. Neun Jahre nach Kriegsende war die Tournee eines deutschen Orchesters mit einem Programm von Werken Bruckners und Strauss‘, die zu den musikalischen „Göttern“ Nazi-Deutschlands zählten, durchaus ein kulturpolitisches Wagnis, das jedoch durch die stürmische Begeisterung von Presse und Publikum aufs Schönste belohnt wurde.

Auch in Düsseldorf blieb Szenkar den musikalischen Größen treu, die ihn zu Beginn seiner Laufbahn geprägt hatten: neben den festen Säulen des klassisch-romantischen Repertoires die sogenannte „klassische Moderne“, vertreten durch Bartók, Strawinsky, Prokofjew, Wellesz, Honegger, Berg, Křenek. Von den Vertretern der jüngeren Generation bevorzugte er eine gemäßigte Richtung: Martinů, Villa-Lobos, Liebermann u.a. Mit der seriellen Avantgarde konnte und wollte Szenkar nichts anfangen: Von „blutleeren Experimenten“ sprach er im Vorwort zur Saisonvorschau 1954/55 im Gegensatz zur „klingenden Musik“. Überhaupt stand das Konzert, die aktuelle Aufführung, im Zentrum des Wirkens; es sind kaum Aufnahmen Szenkar‘scher Dirigate vorhanden, und selbst diese wenigen Dokumente sind heute allesamt unveröffentlicht.

1958 wurde er von Alma Mahler-Werfel zum Ehrenmitglied der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft ernannt. Er starb am 25. März 1977 in Düsseldorf. Auf seinen letzten Wunsch hin ist sein Grabmal dem Gustav Mahlers nachgebildet.

Heinrich Hollreiser – Generalmusikdirektor in Düsseldorf vom 1. Januar 1945 bis zum 30. November 1951

1945 wurde der 33-jährige Heinrich Hollreiser als GMD verpflichtet und wiedererweckte das musikalische Leben mit seinen zündenden Ideen, seiner Einsatzbereitschaft und seinem großen Enthusiasmus.

Heinrich Hollreiser, am 24. Juni 1913 in München geboren, studierte an der Akademie der Tonkunst in seiner Heimatstadt und arbeitete sich dann „von der Pike auf“ in die Reihe der führenden deutschen Dirigenten hoch.

Nach Kapellmeisterpositionen in Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim und Duisburg wurde er auf Empfehlung von Clemens Krauss 1942 an die Staatsoper München engagiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm er 1945 für sieben Jahre als Generalmusikdirektor den Wiederaufbau des Musiklebens in Düsseldorf – und zwar sowohl der Oper als auch des Konzertlebens (erst mit John Fiore sollten ab 2000 erstmals wieder diese beiden Sparten in einer Hand vereinigt werden).

1952 wechselte er als 1. Kapellmeister an die Wiener Staatsoper, 1961-64 arbeitete er in gleicher Position an der Deutschen Oper Berlin.

Im Opernbereich dirigierte er Erst- und Uraufführungen von Britten, Sessions und Blacher. Er machte sich als Dirigent von Klassikern des 20. Jahrhunderts wie Wozzeck, Mathis der Maler und Herzog Blaubarts Burg einen Namen, aber auch durch seine herausragenden Interpretationen der Musikdramen von Wagner, Strauss und Korngold.

Außerdem war er ein gern gesehener Gast an allen großen Opernbühnen der Welt. Noch in den 90er Jahren dirigierte Hollreiser in Berlin Wagners gesamten Zyklus “Der Ring des Nibelungen”.

Heinrich Hollreiser verstarb am 24.7.2006 93-jährig.

Hugo Balzer – Generalmusikdirektor vom 1. Januar 1933 bis zum 30. November 1944,

erlebte die dunkelste Zeit Deutschlands in Düsseldorf. Balzer musste die Reichsmusiktage organisieren. Die Nazis beabsichtigten, Düsseldorf zu ihrer „Deutschen Musikhauptstadt” zu machen, was glücklicherweise nicht realisiert wurde.

Hugo Balzers Rolle in dieser Zeit bedarf sicherlich einer genauen Betrachtung. Schaut man in die Konzertprogramme, lässt sich oberflächlich feststellen, dass diese einen relativ “normalen” Konzertbetrieb vermuten lassen. Angemerkt werden muss jedoch, dass es keinen Mendelssohn mehr gab und auch alle anderen, von den Nazis verfehmten oder kritisch betrachteten, Komponisten fanden keinen Platz in Balzers Programmgestaltung.

Die Ausstellung „Entartete Musik” hat er oder wollte er nicht verhindern. Die Vorgänge im Musikverein, dessen Chef er war, sind von ihm auch nicht so begleitet worden, wie man es sich hätte wünschen können (siehe auch die folgenden Einträge zu den Vorgängen in der Nazizeit).

Er scheute sich auch nicht, so seltsame Werke wie “Einer baut einen Dom”, eine Hitler-Verherrlichung von Hansheinrich Dransmann oder “Der Feldherr” von Händel (eine Verhöhnung von Händels “Judas Maccabäus”) ins Programm zu nehmen.

Die „neutrale” Gestaltung dokumentiert sich in den Konzertprogrammen mit Chor, die Hugo Balzer auch in dieser schweren Zeit realisieren konnte. Wir führen hier einige dieser Programme mit den Aufführungsdaten auf:
31.10.-1.11.1933 Joseph Haydn: „Die Jahreszeiten”
6. – 7. 12. 1933 Baron Kurt von Wolfurt: „Weihnachts-Oratorium”
29. – 30.3.1934 Anton Bruckner: „Große Messe f-Moll” und „150. Psalm”
21. 11.1934 Giuseppe Verdi: „Requiem”
19. 4. 1935 Johann Sebastian Bach: „Matthäus-Passion”
12. 12. 1935 Johann Sebastian Bach: „Weihnachts-Oratorium”
10. 4. 1936 Johann Sebastian Bach: „Matthäus-Passion”
25. – 26. 3. 1937 Ludwig van Beethoven: „Missa Solemnis”
14. – 15. 4. 1938 Ludwig van Beethoven: „Missa Solemnis”
5. 1. 1939 Johannes Brahms: „Ein Deutsches Requiem”
6. – 7. 4. 1939 Johann Sebastian Bach: „Hohe Messe h-Moll”
22.10.1939 Giuseppe Verdi: „Requiem”
21. – 22. 3. 1940 Johann Sebastian Bach: „Matthäus-Passion”
10. – 11. 4. 1941 Anton Bruckner: „Große Messe f-Moll Nr. 3″
2. – 3. 4. 1942 Johann Sebastian Bach: „Matthäus-Passion”
22. – 23. 4. 1943 Johannes Brahms: „Ein Deutsches Requiem”

Mit Ende des Krieges (1945) endete auch die Beschäftigungszeit Balzers als Musikdirektor in Düsseldorf durch Entlassung. Seine Düsseldorfer Zeit bedarf hinsichtlich seiner Loyalität zu dem herrschenden Regime einer tieferen Betrachtung und Aufarbeitung, die vielleicht zu einer kritischeren Wertung seiner Amtszeit und seiner Person führt. Hugo Balzer war nach seiner Entlassung in einigen anderen Ländern als Dirigent tätig und verstarb im Jahre 1985.

Hans Weisbach – Generalmusikdirektor vom 1. Mai 1926 bis zum 30. November 1932

Der Chronist und Geschäftsführer des Musikvereins, Herr W. H. Fischer, war Zeitgenosse von Hans Weisbach und schrieb über ihn zur damaligen Zeit folgende Biographie:

„Generalmusikdirektor Hans Weisbach wurde 1885 in Glogau (Schlesien) geboren. Vom 7. Lebensjahr an erhielt er Geigen- und Klavierunterricht und wirkte schon als Gymnasiast in Kammerkonzerten mit. 1904 verließ Weisbach das Gymnasium mit dem Abiturientenzeugnis, studierte zuerst an der Akad. Hochschule für Musik in Berlin Geige (Joachim, Moser), ging später, als sich seine Neigungen mehr der Dirigentenlaufbahn zuwandten, zum Klavier (Rudorff, Petersen) und trat in die Dirigentenklasse ein (Prof. Hausmann). Gleichzeitig studierte er an der Berliner Universität Philosophie und Musikwissenschaft.
1908 siedelte Weisbach nach München über, um am Hoftheater unter Mottl seine Studien als Kapellmeistervolontär fortzusetzen und hörte weitere Vorlesungen an der Münchner Universität. 1911 kam Weisbach nach Frankfurt als zweiter Dirigent des Rühlschen Oratorienvereins und betätigte sich außerdem als Pianist, Begleiter und Kammermusikspieler teils in eigenen Konzerten, teils in denen der Frankfurter Museumsgesellschaft.
1913 übernahm er die Leitung der Konzertgesellschaft in Worms (Oratorien und Kammermusik). 1919 wurde Weisbach zum städtischen Musikdirektor von Hagen i. W. gewählt. Auf sein Drängen wurde in Hagen die bei Beginn des Krieges halb fertig liegen gebliebene Stadthalle, nach Überwindnung großer Widerstände, ausgebaut, so daß im Frühjahr 1923 das erste viertägige Hagener Musikfest stattfinden konnte.
Im Frühjahr 1924 übernahm er die Leitung der Konzerte der Barmer Konzertgesellschaft neben seiner Tätigkeit in Hagen. Im Herbst 1925 wurde er nach erfolgreichem Gastdirigieren zum Generalmusikdirektor der Stadt Düsseldorf gewählt.
Sofort bei seinem ersten Wirken anläßlich der Eröffnung der Ausstellung (Anm.: GESOLEI) in der Rheinhalle (Planetarium) hat er die 4000 Besucher aufhorchen lassen und durch die Aufführung des „Halleluja” aus Händels „Messias” und des Schlußchores aus Pfitzners „Von deutscher Seele” sowie des Meistersingervorspiels, gezeigt, daß er Chor und Orchester meisterhaft zu beherrschen versteht.”
Hans Weisbach folgte Schneevoigt nach und leitete u.a. die deutsche Erstaufführung von Arthur Honeggers „König David”, lud Casals, Arrau und Strawinsky zu Konzerten ein.

Georg Lennart Schneevoigt (1872-1947) – Städtischer Musikdirektor vom 1. September 1924 bis zum 30. April 1926

Nur kurz war dieser Musiker in Düsseldorf präsent. Bemerkenswert waren die Konzerte zur „Jahrtausendfeier des Rheinlandes” und seine Erstaufführung von Arnold Schönberg: „Gurre-Lieder” in monumentaler Besetzung. Genauso bemerkenswert waren die Umstände seiner Anstellung und wir zitieren aus den Chronikbüchern des Musikvereins wie folgt:

„Inzwischen war die Frage des zu wählenden und neuen Generalmusikdirektors (Anm: nach dem Tode von Prof. Karl Panzner) akut geworden und erregte alle musikalischen und auch nichtmusikalischen Gemüter. So interessant auch die ausgezeichneten Gastdirigenten waren, Chor und Orchester litten doch unter der verschiedenen Auffassung der gastierenden Künstler. Im VIII. Konzert übernahm Carl Schuricht, Wiesbaden, die Leitung und brachte Verdis „Requiem” mit verhältnismäßig wenigen Proben zu einer vollendeten Aufführung, so daß die Frage der Nachfolge Panzners gelöst schien. Sofort wurde seitens der Stadt Düsseldorf Verhandlungen angeknüpft und da auf die Wünsche Schurichts in jeder Beziehung eingegangen wurde, kam der Vertrag zustande. Die Stadt Wiesbaden machte jedoch so gewaltige Anstrengungen den ausgezeichneten Künstler zu halten, daß Schuricht von der Entbindung des Vertrages bat. Dem Wunsche des Künstlers wurde entsprochen und die Nachfolgefrage wurde von neuem aufgerollt. Prof. Sieben leitete die Matthäuspassion, Hermann von Schmeidel noch ein städtisches Orchesterkonzert und Friedrich Quest aus Herford einen Beethoven-Abend mit der IX. Symphonie. Alle Künstler hatten guten Erfolg; hier konnte man jedoch sich auf keinen Bewerber einigen. Prof. Schneevoigt aus Stockholm wurde auf die Initiative unseres geschätzten Oberbürgermeisters Lehr für ein oder zwei Jahre als Gastdirigent verpflichtet. Damit hatte man Gelegenheit, die Generalmusikdirektorfrage in aller Ruhe zu behandeln. Prof. Schneevoigt, ein Konzertleiter von ganz hervorragendem Range und internationaler Berühmtheit, sprang gerne in die Bresche. Sein erstes Konzert war ein Beethoven-Abend mit einem Riesenprogramm.”
Bild: Schneevoigt im Jahre 1925.

Karl Panzner – Städtischer Musikdirektor vom 1. Oktober 1908 bis zum 30. November 1923

Karl Panzner (* 1866 in Teplice/Böhmen; † 17. Dezember 1923 in Düsseldorf) war ein böhmischer Dirigent und städtischer Musikdirektor in Düsseldorf.

Nach seinem abgeschlossenen Studium übernahm Karl Panzner ca. im Jahr 1890 zunächst eine Stelle als Kapellmeister am 1888 neu erbauten Elberfelder Stadttheater. Drei Jahre später zog es ihn nach Leipzig, wo er zunächst als erster Kapellmeister am dortigen „Neuen Theater“ übernommen wurde und später auch das Gewandhausorchester an der Leipziger Oper leitete. Nach einer überaus erfolgreichen Aufführung der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner im Jahre 1899 wechselte Panzner nach Bremen, wo er sowohl die Leitung der philharmonischen Konzerte, des philharmonischen Chores als auch des Lehrergesangvereins übernahm. Ab 1907 wurde er zeitgleich noch als Dirigent des Berliner Mozartorchesters verpflichtet.

Schließlich folgte er am 1. Oktober 1908 einem Ruf nach Düsseldorf, wo er als Nachfolger des kurzfristig ausgeschiedenen Julius Buths die ersten Konzerte leitete und zur Saison 1909 offiziell zum städtischen Musikdirektor ernannt wurde. Hier verbrachte Panzner eine erfolgreiche Zeit und wurde von mehreren Musikkritikern zu den zehn besten Dirigenten seiner Zeit gezählt. Panzner machte vor allem als Liebhaber der Werke von Hector Berlioz und als Mahler-Interpret und hierbei insbesondere mit der Erstaufführung von Mahlers Achter Symphonie im Dezember 1912 in Düsseldorf auf sich aufmerksam. Diese wurde auf Grund des um 125 Mitglieder verstärkten Orchesters, dem Mitwirken der philharmonischen Chören aus Düsseldorf und Elberfeld sowie des Düsseldorfer Kinderchores und somit einer Anzahl von insgesamt über 1.000 aktiven Musikern als „Symphonie der Tausend“ bezeichnet. Noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges konnte er zweimal das Niederrheinische Musikfest leiten, bevor dieses dann auf Grund des Krieges und seiner Folgeschäden erst wieder 1926 in Düsseldorf ausgerichtet werden konnte.

In seiner Amtszeit kam es zu mehreren Düsseldorfer Erstaufführungen wie unter anderem der Orchester-Kantate „Macht hoch die Tür“ von Julius Weismann, des Violinkonzertes op. 28 von Karl Goldmark und des Chorwerkes „Von deutscher Seele“ von Hans Pfitzner. Besonders reizten Panzner aber Uraufführungen aktueller und damit Zeitgenössischer Musik, von denen er einen Großteil zusammen mit Erich Kleiber im Rahmen einer kompletten Konzertreihe aufführte. Unter seiner Leitung kamen unter anderem die folgenden Werke zu Uraufführungen: die „Sinfonische Ouvertüre für großes Orchester” von Karl Horwitz, die „Sinfonische Fantasie für Klavier und Orchester” von Alois Hába, die „Sinfonie Nr. 5 G-Dur” von Erich Strässer, die „Sonate für Klavier und Violine von Paul Pisk, die „Lieder für Bariton” von Wolfgang Bartesl, die Oper „Anneliese” von Carl Ehrenberg, die „Sinfonie Nr. 2″ von Georg Gräner, das „Streich-Quartetts” von Wilhelm Knöchel, die „Sonatine für Flöte und Klavier” von Philipp Jarnach, die „Lieder für Bass” von Alexander Jemnitz, das „Klavier – Quintetts, op. 21″ (nachgelassenes Werk) von Max Reger, die Hymne „Natur“ für vier Soli, gemischten Chor und großes Orchester von Victor Merz, das Chor- und Orchesterwerk „Geister der Windstille“ von Rudolph Bergh und insbesondere die „2. Sinfonie op. 60 II.“ von Felix Woyrsch, die dieser ihm persönlich gewidmet hatte, und welche zu einer triumphalen Aufführung gelang.

Darüber hinaus glückte es Panzner die Solisten Edwin Fischer (Klavier), Elly Ney (Klavier), Walter Gieseking (Klavier), Eugène Ysaÿe (Violine), Bronisław Huberman (Violine) oder Eugen d’Albert (Klavier) zu verpflichten. Panzner verstarb nach längerer Krankheit 1923. Ihm zu Ehren wurde anschließend in Düsseldorf eine kleinere Straße in Karl-Panzner-Weg umbenannt.

Karl Panzner wurde offiziell Musikdirektor mit der Saison 1909, hatte aber, in Ablösung von Julius Buths bereits am 26. 11. 1908 ein Konzert unter Mitwirkung des Violinisten Jacques Thibaut aus Paris und am 11. 3. 1909 ein Konzert unter Mitwirkung des Violinisten Arrigo Serato aus Berlin geleitet. Diese beiden Konzerte fanden unter Mitwirkung des Kgl. Musikdirektors Georg Kramm statt.

Seine Amtszeit in Düsseldorf kann man eine „Glanzzeit” nennen. Die Internationalität des Dirigenten färbte auf die Stadt ab. Herausragend waren seine Mahler-Interpretationen und seine große Liebe zu Berlioz.

Julius Buths – Städtischer Musikdirektor vom 1. Mai 1890 bis zum 30. November 1907

Julius Buths (* 7. Mai 1851 in Wiesbaden; † 12. März 1920 in Düsseldorf) war ein deutscher Pianist, Komponist und Dirigent sowie städtischer Musikdirektor in Düsseldorf.

Julius Buths erhielt seinen ersten Klavierunterricht zunächst von seinem Vater Carl Buths, einem stadt-bekannten Kammermusiker sowie von Kapellmeister Wilhelm Freudenberg und hatte bereits während seiner Gymnasialzeit seine ersten öffentlichen Auftritte. Nach dem Abitur studierte er am Kölner Kon-servatorium bei Ferdinand Hiller und Friedrich Gernsheim. Danach übernahm er zunächst die Leitung des Cäcilienvereins in Wiesbaden bevor er zur Fortführung seines Studiums nach Berlin zu Friedrich Kiel zog. Anschließend trat er im Jahr 1873 als Stipendiat der Giacomo Meyerbeer-Stiftung eine Stu-dienreise durch Italien an, die ihm an den verschiedenen Konzerthäusern große Erfolge bescherte. Allerdings erkrankte er im Verlauf dieser Konzertreise und musste sich in Davos zu einer Kur begeben.

Nach seiner Genesung trat er zunächst eine kurze Zeit in Paris in Erscheinung, siedelte aber recht bald nach Breslau über, wo er das dortige Orchester leitete und einen Gesangsverein gründete. Im Jahr 1879 folgte er einen Ruf nach Elberfeld, wo er auf Empfehlung von Johannes Brahms die Nachfolge von Hermann Schornstein, dem Sohn des Mitbegründers der Niederrheinischen Musikfeste Johannes Schornstein, als Leiter mehrerer bedeutender musikalischer Vereinigungen antrat. Hier gelang ihm in den folgenden Jahren trotz eines relativ kleinen zur Verfügung stehenden Budgets eine überzeugende und erfolgreiche Arbeit. Dies führte im Jahre 1890 dazu, dass die Stadt Düsseldorf ihm die Stelle des städtischen Musikdirektors als Nachfolger von Julius Tausch anbot. Buths nahm das Angebot an und wurde fünf Jahre später zum Königlichen Professor befördert. Darüber hinaus wurde er 1902 noch zum ersten Direktor des von ihm zusammen mit Otto Neitzel gegründeten privaten „Buths-Neitzel-Konservatoriums“ ernannt, welche später im Jahre 1935 auf Initiative des Musikdirektors Hugo Balzer mit zwei anderen Musikinstituten zu der heutigen Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf fusionier-ten. Zusätzlich übernahm er noch die Leitung des Lehrergesangvereins und machte sich ferner durch die Einrichtung regelmäßiger Kammermusikabende verdient, bei denen er gemeinsam mit seinen Freunden Max Reger und Joseph Joachim als Pianist meist auch selbst mitwirkte.

Zum Jahreswechsel 1907/08 beschloss Buths seine Tätigkeit als Musikdirektor trotz größter Erfolge und unumstrittener Beliebtheit niederzulegen und lediglich die Leitung des Lehrergesangverein und des Konservatoriums beizubehalten. Dies führte im Frühjahr 1908 dazu, dass mangels eines kurzfristigen und kompetenten Ersatzes für die Festspielleitung das in jenem Jahr turnusgemäß in Düsseldorf statt-findende Niederrheinische Musikfest ausfallen musste. Julius Buths zog sich nun in den folgenden Jahren allmählich aus dem aktiven Musikleben zurück und verstarb schließlich am 12. März 1920. Eine seiner beiden Töchter, Else König-Buths, wurde eine erfolgreiche und ebenfalls in Düsseldorf tätige Cembalistin. Ihm zu Ehren benannte man in Düsseldorf eine kleine Straße „Julius-Buths-Weg“.

Während seiner gesamten Zeit in Düsseldorf studierte Julius Buths mit seinem Orchester und dem Städtischen Musikverein zahlreiche Ur- und Erstaufführungen ein. So kam es unter seiner Leitung unter anderem zu Düsseldorfer Erstaufführungen der Neuauflage der “H-Moll-Messe” von Johann Sebastian Bach und von „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz sowie der deutschen Erstaufführungen der Oratorien „The Dream of Gerontius“ und „The Apostles“ von Edward Elgar sowie dem Requiem op. 63 von Charles Villiers Stanford, alle jeweils von ihm selbst ins Deutsche übersetzt. Ferner leitete er die Erstaufführungen der „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi, der „Grande Messe des Morts“ von Berlioz sowie die Uraufführungen seines Oratorium „Rinaldo“, des „Te deum“ von Franz Wüllner, des Chorwerkes „Athenischer Frühlingsreigen“ von Joseph Frischen und der Ballade „Vom Pagen und der Königstochter“ von Fritz Vollbach. Neben den jeweiligen jährlichen Konzertplänen war Julius Buths insgesamt sechsmal Festspielleiter des Niederrheinischen Musikfestes, teilweise zusammen mit Hans Richter oder Richard Strauss und sorgte auch hier für eine ausgewogene Zusammenstellung traditio-neller klassischer Musik zusammen mit aktuellen und modernen Kompositionen der aufkommenden Zeitgenössischen Musik von teilweise noch nicht so bekannten Komponisten.

Julius Tausch (1827-1895) – Städtischer Musikdirektor vom 13. September 1854 bis zum 30. November 1888

Julius Tausch (* 15. April 1827 in Dessau; † 11. November 1895 in Bonn) war ein deutscher Pianist, Komponist und Dirigent sowie langjähriger städtischer Musikdirektor in Düsseldorf.

Leben und Wirken
Seit frühester Jugendzeit besuchte Julius Tausch die Dessauer Musikschule und war hier Schüler des Hofkapellmeisters Friedrich Schneider. Anschließend besuchte er das Leipziger Konservatorium und vollendete dort als Schüler von Felix Mendelssohn Bartholdy sein Studium.

Nach seiner Ausbildung zog es ihn im Jahre 1846 auf Empfehlung Mendelssohns nach Düsseldorf, wo Mendelssohn selbst bereits einige erfolgreiche Jahre als Städtischer Musikdirektor verbracht hatte und noch über gute Kontakte verfügte. Hier übernahm Tausch zunächst die Leitung eines Männergesangsvereins und ein Jahr später die Leitung der Künstlerliedertafel als Nachfolger des Julius Rietz, der nach Leipzig übersiedelte. Julius Tausch setzte sich auch maßgeblich für die Belange anderer künstlerischer Bereiche ein und wurde am 6. August 1848 einer der Gründungsmitglieder der Düsseldorfer Künstlervereinigung Malkasten. Diesem Kunstverein blieb er zeitlebens eng verbunden.

Ab 1848 wurde Tausch bereits sowohl als Dirigent als auch Pianist zu Auftritten des Städtischen Musikvereins Düsseldorf eingeladen. Hierbei trat er in gewisser Weise in Konkurrenz zu dem ebenfalls in Düsseldorf tätigen und ab 1850 zum städtischen Musikdirektor verpflichteten Robert Schumann, der auf Grund seines zu damaliger Zeit im Vergleich zu Tausch höheren Bekanntheitsgrades und seines umfangreichen Repertoires für diese Position vorgezogen worden war. Trotzdem wurde Tausch als sein Assistent verpflichtet, spielte unter seiner Leitung die meisten Klavierpartien, sofern Schumanns Frau Clara verhindert war, und wurde auch darum gebeten bereits ab 1852 oftmals und kurzfristig als Dirigent für den allmählich kränkelnden und nicht mehr belastbaren Schumann einzuspringen. Sowohl im Orchester als auch in der Bevölkerung war Tausch wegen seiner überzeugenden Dirigierkunst anerkannt und so wurde er ab dem 1. Juli 1854 als Nachfolger von Schumann zum städtischen Musikdirektor ernannt, obwohl seitens der Stadt noch versucht wurde, Johannes Brahms, den Freund der Familie Schumann, einzubringen, was aber durch Protestkundgebungen der Bevölkerung verhindert werden konnte.

Julius Tausch blieb bis 1889 städtischer Musikdirektor, war während dieser Zeit zusammen mit verschiedenen renommierten Gastdirigenten insgesamt zehnmal Festspielleiter des Niederrheinischen Musikfestes, absolvierte ein umfangreiches und immer aktuelles Ganzjahresprogramm, leitete dabei verschiedene Uraufführungen wie beispielsweise Norbert Burgmüllers Oper „Dionys“ oder Albert Dietrichs „Rheinmorgen“ sowie als Düsseldorfer Erstaufführungen Brahms „Requiem“ oder Beethovens „Missa solemnis“, aber auch bisher selten gespielte oder noch relativ unbekannte Werke neuerer Komponisten. Am bekanntesten von seinen vielen wirkungsvollen Kompositionen sind die zur damaligen Zeit oft aufgeführte Konzertouvertüre (Festouvertüre) in As-Dur, sowie „Der Blumen Klage” und die Musik zu Shakespeares „Was ihr wollt”, ferner noch der „Germanenzug” und „Mirjams Siegesgesang”.

Außerdem war Tausch maßgeblich an der Übernahme der Orchestermusiker in rechtlich gesicherte Vertragsstrukturen und einer geregelten Besoldung durch die Stadt Düsseldorf beteiligt, auf Grund dessen schließlich das Orchester des Städtischen Musikvereins mit Wirkung vom 20. August 1864 zum Städtischen Orchester umbenannt wurde, woraus dann später die Düsseldorfer Symphoniker entstanden. Darüber hinaus bildete er in jener Zeit zusammen mit Wilhelm Joseph von Wasielewski und Christian Reimers ein erfolgreiches Klaviertrio für kammermusikalische Aufführungen.

Mit einem letzten Konzert am 27. März 1890 zog sich Tausch nach 37jähriger Tätigkeit aus dem geregelten Arbeitsleben in Düsseldorf zurück und wechselte nach Bonn, wo er sich seinen Altersruhesitz einrichtete. Hier leitete er noch einige Konzerte des Bonner Gesangsvereins und verstarb schließlich am 11. November 1895.

Robert Schumann Musikdirektor in Düsseldorf von 1850 bis 1856

Die Biografie Robert Schumanns in tabellarischer Form:
1810: Robert Schumann wird am 8. Juni in Zwickau geboren
1819: Clara Wieck wird am 13. September in Leipzig geboren
1828: Abitur; Beginn des Jurastudiums in Leipzig; Klavierunterricht bei Friedrich Wieck
1829: Studienjahr in Heidelberg
1830: Schumann hört Paganini in Frankfurt/M.; Entscheidung für den Musikerberuf; Rückkehr nach Leipzig; Fortsetzung der Studien bei Wieck; Abegg-Variationen op. 1; Papillons op. 2; Toccata op. 7
1832: Fingerlähmung, Ende der pianistischen Karriere
1833: Intensivierung der kompositorischen Tätigkeit; Gründung des (teils imaginären) Davidsbundes
1834: April, Gründung der Neuen Zeitschrift für Musik mit Schumann als Herausgeber und Redakteur; heimliche Verlobung mit Ernestine von Fricken
1835: Lösung der Verlobung; Liebe zu Clara Wieck; Friedrich Wieck verbietet der Tochter jeglichen Umgang mit Schumann
1837: Heimliche Verlobung mit Clara; Friedrich Wieck weist Schumanns Werbung ab
1839: Beginn des Prozesses gegen Friedrich Wieck
1840: Promotion zum Dr. phil. an der Universität Jena; positives Gerichtsurteil, daraufhin am 12. September Heirat; Komposition von 138 Liedern
1843: Berufung an das Leipziger Konservatorium; Versöhnung mit Friedrich Wieck
1844: Januar bis Mai Konzertreise nach Russland; Dezember Übersiedlung nach Dresden
1845: Schwere gesundheitliche Krise; Klavierkonzert a-Moll op. 54; kontrapunktische Werke für Klavier, Pedalflügel und Orgel
1847: Schumann-Fest in Zwickau; Schumann wird »Liedmeister« der Liedertafel in Dresden
1848: Gründung und Leitung des Vereins für Chorgesang in Dresden; Album für die Jugend op. 68; Komposition der Oper “Genoveva” op. 81
1849: Fruchtbarstes Schaffensjahr; während des Dresdner Maiaufstandes vorübergehender Aufenthalt in Maxen und Kreischa; zahlreiche Vokal- und Instrumentalwerke
1850: Schumann wird Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf; Sinfonie Es-Dur op. 97 (Rheinische Sinfonie)
1852: Konflikte mit dem Konzertkomitee; Messe c-Moll op. 147; Requiem Des-Dur op. 148
1853: 31. Niederrheinisches Musikfest; 30. September erste Begegnung mit Brahms; Aufsatz Neue Bahnen; im Oktober Rücktritt von der Leitung der Abonnementskonzerte
1854: Halluzinationen und Selbstmordversuch am 27. Februar; am 4. März Überführung in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn
1856: Schumann stirbt am 29. Juli in Endenich, Beisetzung in Bonn; erste Konzertreise Clara Schumanns nach England; in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Konzertreisen Claras.

Ferdinand Hiller (1811–1885) – Städtischer Musikdirektor von 1847 bis 1850

Er erfüllte in besonders energischer Weise die Aufgabe, die unter Disziplinlosigkeit leidende Düsseldorfer Musikszene zu ordnen und zu festigen. Hiller war ein Musiker von internationalem Rang, er hatte Goethe in Weimar und Beethoven in Wien besucht, bekam ein Engagement an Covent Garden in London und in St. Petersburg. Hiller war 30 Jahre Musikdirektor in Köln und kümmerte sich u.a. dort herausragend um den Aufbau der Musikhochschule.

 

Über Ferdinand Hiller schrieb Heinrich Heine:
„Hiller ist mehr ein denkender als ein fühlender Musiker, und man wirft ihm noch obendrein eine zu große Gelehrsamkeit vor. Geist und Wissenschaft mögen wohl manchmal in den Kompositionen dieses Doktrinärs etwas kühlend wirken, jedenfalls aber sind sie immer anmutig, reizend und schön.”

 

24. Oktober 1811 in Frankfurt als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren
ab 1825 Ausbildung bei Johann Nepomuk Hummel in Weimar
1828-1835 Aufenthalt in Paris
1836-1846 Reisen nach Italien sowie in große deutsche Städte
1847-1850 in Düsseldorf Städtischer Musikdirektor
ab 1850 Dirigent der Gürzenichkonzerte und Direktor des Konservatoriums in Köln
1884 Pensionierung
11. Mai 1885 Hiller stirbt in Köln

 

Sein erster Lehrer war Aloys Schmitt, und als er zehn Jahre alt war, schickte ihn sein wohlhabender Vater wegen seiner Kompositionen und seines Talents zu Hummel nach Weimar. Dort widmete er sich der Komposition; zu seinen Werken zählen die Entreactes zur “Maria Stuart”, durch die er Goethes Bekanntschaft machte. Unter Hummel machte Hiller große Fortschritte als Pianist. So begaben sich der 15-jährige Hiller und sein Lehrer Anfang 1827 auf eine Reise nach Wien, wo sie den sterbenden Ludwig van Beethoven trafen.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause ging Hiller 1829 nach Paris, wo er sich bis 1836 aufhielt (und Beethovens 5. Klavierkonzert zur dortigen Uraufführung brachte). Der Tod seines Vaters machte seine Rückkehr nach Frankfurt für einige Zeit notwendig, aber am 8. Januar 1839 führte er in Mailand seine Oper “La Romilda” auf und begann, sein Oratorium “Die Zerstörung Jerusalems” zu schreiben, das als eines seiner besten Werke gilt. Dann ging er zu seinem Freund Mendelssohn nach Leipzig, wo er 1843 bis 1844 eine Reihe von Gewandhaus-Konzerten leitete und sein Oratorium aufführte.

 

Nach einer weiteren Reise nach Italien, um Kirchenmusik zu studieren, führte Hiller zwei weitere Opern, “Der Traum” und “Konradin”, 1845 bzw. 1847 in Dresden auf. Als Dirigent kam er 1847 nach Düsseldorf und 1850 nach Köln und leitete die Opéra Italie in Paris 1851 und 1852. In Köln wurde er als Leiter des Gürzenich-Orchesters und des Konservatoriums eine Autorität. 1884 zog er sich zurück und starb im folgenden Jahr

Julius Rietz (1812-1877) – Städtischer Musikdirektor

August Wilhelm Julius Rietz (* 28. Dezember 1812 in Berlin; † 12. September 1877 in Dresden) war Dirigent, Kompositionslehrer und Komponist.

Rietz wurde als Sohn des Kammermusikers Johann Friedrich Rietz (* 12. Juni 1767 in Lübben (Spreewald), † 25. Dezember 1828 in Berlin) geboren. Sein älterer Bruder war Eduard Rietz. Julius Rietz ließ sich bei Moritz Ganz und Bernhard Heinrich Romberg zum Violincellisten ausbilden und studierte Komposition bei Carl Friedrich Zelter.

Bereits im Alter von 16 Jahren trat er in das Orchester des Königsstädtischen Theaters ein. Durch die Freundschaft seines Bruders zu Felix Mendelssohn Bartholdy lernte Rietz den bekannten Komponisten kennen. Durch Vermittlung von Mendelssohn Bartholdy kam er im Jahre 1834 als zweiter Dirigent an das Theater nach Düsseldorf. Im Jahre 1835 wurde Rietz Nachfolger Mendelssohn Bartholdys als erster Dirigent und 1836 Städtischer Kapellmeister. Durch seine Berufung nach Leipzig war Rietz von 1847 bis 1854 Theaterkapellmeister und übernahm die Leitung der Singakademie in Leipzig. Seit 1848 war Rietz zudem Dirigent des Gewandhausorchesters zu Leipzig und Kompositionslehrer am dortigen Konservatorium für Musik und Theater. Rietz’ Arbeiten sind stark von Mendelssohn Bartholdy beeinflusst.

Im Jahre 1860 erfolgte die Berufung zum Hofkapellmeister nach Dresden. 1870 künstlerischer Leiter des Königlichen Konservatoriums für Musik und Theater zu Dresden, 1859 Verleihung der Doktorwürde von Vertretern der Universität Leipzig (Dr. phil. h.c.), 1874 Königlich Sächsischer Generalmusikdirektor. Von 1874 bis 1877 leitete er die Redaktion der Breitkopf & Härtelschen Gesamtausgabe von Mendelssohns Werken. Er war Lehrer des bekannten Dresdner Chorleiters und Komponisten Hugo Richard Jüngst.

 

Felix Mendelssohn Bartholdy Musikdirektor in Düsseldorf von 1833 bis 1835

Tabellarischer Lebenslauf von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

1809 – Am 3. Februar in Hamburg geboren (seine Mutter ist Lea, geb. Salomon, sein Vater ist Abraham, Sohn des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn)
1811 – Fluchtartige Übersiedlung der Familie nach Berlin
1816 – Am 21. März christliche Taufe aller vier Kinder (Fanny ist zehn, Felix ist sieben, Rebecka bald fünf und Paul drei Jahre alt)
1816 – Klavierunterricht gemeinsam mit Fanny bei Ludwig Berger, Violinenunterricht bei Wilhelm Henning
1818 – Erster öffentlicher Auftritt als Pianist
1819 – Musiktheorieunterricht gemeinsam mit Fanny bei Carl Friedrich Zelter
1820 – Beginn des ersten Kompositionsalbums, Zeichenunterricht bei Johann Gottlob Samuel Rösel, am 1. Oktober gemeinsam mit Fanny Eintritt in die Berliner Singakademie
1821 – Im November erster Besuch mit Zelter bei Goethe in Weimar, zuvor erster kurzer Aufenthalt in Leipzig
1822 – Beginn der Sonntagsmusiken im Elternhaus
1825 – Gemeinsam mit dem Vater berufsentscheidende Reise nach Paris zu Cherubini
1827 – Immatrikulation an der Berliner Universität, unter anderem Vorlesungen über Ästhetik bei Hegel
1829 – Am 11. März erste Wiederaufführung von Bachs “Matthäuspassion” in der Berliner Singakademie unter Mendelssohns Leitung, am 10. April Beginn einer achtmonatigen Bildungsreise nach England und Schottland, Konzerte in England
1830 – Am 13. Mai Antritt der großen Reise nach Italien, (Reiseroute Leipzig, Weimar, letzte Begegnung mit Goethe, München, Wien, Venedig, Florenz, Rom, Pompei, Neapel)
1831 – Beginn der Rückreise über Rom, die Schweiz, München, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Lüttich, Paris, London
1832 – Im Juni Rückkehr nach Berlin
1833 – (22.1.) Ablehnung der Bewerbung um Zelters Nachfolge als Leiter der Berliner Singakademie
1833 – Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf; ab 1. Oktober Engagement als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf
1835 – Berufung als Musikdirektor der Gewandhauskonzerte in Leipzig, am 19. November Tod des Vaters in Berlin
1836 – Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf, am 22. Mai Uraufführung des Oratoriums “Paulus”
1837 – Heirat mit Cécile Jeanrenaud, Tochter eines hugenottischen Geistlichen, in Frankfurt am Main, Leitung von Konzerten beim Musikfest in Birmingham
1841 – Am 1. Juli Ernennung zum Königlich Sächsischen Kapellmeister, im Sommer Übersiedlung nach Berlin als “Hauskomponist” von Friedrich Wilhelm IV; am 13. Oktober Ernennung zum Königlich Preußischen Kapellmeister
1842 – Empfang durch Königin Victoria auf seiner siebten Reise nach England, am 12. Dezember Tod der Mutter in Berlin
1843 – Gründung des ersten deutschen Konservatoriums der Musik in Leipzig
1844 – Rücktritt von allen Ämtern in Berlin
1845 – Im August Rückkehr nach Leipzig
1846 – Am 26. August Uraufführung des Oratoriums “Elias” unter Leitung des Komponisten in Birmingham
1847 – Am 14. Mai Tod der Schwester Fanny in Berlin, am 4. November Tod Mendelssohns in Leipzig

Ferdinand Ries (1784-1838) – Interimsmusikchef zusammen mit Louis Spohr von 1824 bis 1833:

Ferdinand Ries (Bild) entstammt einer musikalischen Familie, die seit den Zeiten seines Großvaters Johann (1723-1784) mit der kurkölnischen Hofkapelle in Bonn verbunden war; der Vater Franz Anton (1755-1846) glänzte als Wunderkind auf der Geige und bekam im Alter von elf Jahren eine Anstellung in der Hofkapelle. Er unterrichtete den jungen Beethoven, dem er besonders in der Zeit nach dem Tode von dessen Mutter (1787) unterstützend zur Seite stand.

Sein künstlerisches Leben kann als äußerst bewegt bezeichnet werden, wie dem nachfolgendem Ab-schnitt aus der von Bert Hagels erstellten Vita zu entnehmen ist:

“Im Frühjahr 1813 beschließt Ries, nach London zu gehen, wo er im April eintrifft. Dort wird er von Johann Peter Salomon – derselbe, der 20 Jahre vorher Haydn nach London geholt und so Anlaß zur Komposition von dessen Londoner Symphonien gegeben hatte – in die führenden musikalischen und gesellschaftlichen Kreise eingeführt. In London hatte Ries endlich den lang erstrebten Erfolg; er kam als Klavierlehrer bei reichen Bankiers und Kaufleuten in Mode und wurde Mitglied der dortigen Phil-harmonic Society, deren Direktor er von 1815 bis 1821 war. In seiner Londoner Zeit (1813-1824) schrieb er Fantasien, Variationen und Rondos über bekannte Themen nach dem Geschmack des zeit-genössischen bürgerlichen Publikums, aber auch sechs seiner insgesamt acht Symphonien. Er dürfte gut verdient haben und konnte es sich leisten, eine Familie zu gründen: am 25. Juli 1814 heiratet er Harriet Mangeon (1796-1863). Ab 1820 traten jedoch Zwistigkeiten mit der Philharmonic Society auf; Ries beschwerte sich, seine Symphonien würden zu selten aufgeführt. Im Jahr 1821 legt er das Direk-torat nieder und schmiedet Pläne zu einer Rückkehr ins heimische Rheinland. Im Juli 1824 setzt er sie in die Realität um und zieht sich mitsamt seiner mittlerweile vierköpfigen Familie für die nächsten drei Jahre in die Abgeschiedenheit von Godesberg zurück. Nun ist er ein wohlhabender Mann, der es sich erlauben kann, verschiedene Stellenangebote abzulehnen. Gleichwohl bemüht er sich erfolglos um die Kapellmeisterstellen in München und Dresden, letzteres in der Nachfolge C. M. von Webers. Seine wichtigste musikalische Tätigkeit in dieser Zeit war die Leitung einiger Niederrheinischer Musikfeste in Düsseldorf, anläßlich deren er ein Oratorium komponiert und einige seiner Symphonien zur Aufführung bringt. Im April 1827 zieht er nach Frankfurt/Main um, ist aber ständig unzufrieden mit seiner Position in der musikalischen Welt; er erwägt, nach Wien, Paris, Berlin oder zurück nach London zu gehen, bleibt aber – unterbrochen von einigen Reisen – in Frankfurt seßhaft. Ab 1830 verbittert er zunehmend, beklagt sich über den modernen Musikgeschmack und komponiert nur noch wenig; seine Werke wer-den, wenn überhaupt, nur noch von unbedeutenden Verlagen zu geringen Preisen genommen. Als er am 13. Januar 1838 gerade dreiundfünfzigjährig stirbt, war er schon derart in Vergessenheit geraten, daß keine der führenden Musikzeitschriften einen Nachruf publizierte. Erst im Jahr 1839 erschien in der von Robert Schumann gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik eine Würdigung von Ries’ Persönlich-keit und Werk; dort heißt es etwas bilderselig, aber gewiß zutreffend über seine Sinfonik: “Seine Symphonien, obwohl sie weder Haydn’s ewig jugendlichen, göttliche Heiterkeit sprudelnden Schöp-fungen, noch Mozart’s ätherischen, mit dem Schmerz und der ewigen Sehnsucht getränkten Gebilden an die Seite zu stellen, und ob sie auch mit der himmelstürmenden Kühnheit, dem gigantischen Ge-dankenfluge Beethoven’s, dieses musikalischen Titans, keinen Vergleich ertragen können, werden trotzdem immer zu dem Besten gehören, was die neuere und neuste Zeit in diesem Genre zu Tage gefördert hat.”
Quelle: Bert Hagels

Louis Spohr (1784-1859) – Interimsmusikchef zusammen mit Ferdinand Ries in Düsseldorf in den Jahren 1824 bis 1833:

Spohr (Bild) wurde als das älteste Kind des Medizinalrates Dr. Karl Heinrich Spohr (1756-1843), der 1786 als Physikus nach Seesen am Harz versetzt wurde, und seiner Frau Ernestine Henke (1763-1840) geboren und zeigte früh musikalisches Talent, so dass er schon in seinem fünften Jahr gelegentlich in den musikalischen Abendunterhaltungen der Familie mit seiner Mutter Duette singen konnte, und wur-de mit zwölf Jahren nach Braunschweig geschickt, um bei gleichzeitigem Gymnasialunterricht sich in der Musik auszubilden. Hier wurden Kunisch und später Maucourt seine Violinlehrer, während ihn der Organist Hartung, jedoch nur kurze Zeit, in der Komposition unterrichtete. Nach Spohrs eigener Versi-cherung war dies die einzige Unterweisung, die ihm in Harmonielehre und Kontrapunkt je zuteil wurde, so dass er also die bedeutenden Fähigkeiten, welche er gerade auf diesem Gebiet besaß, hauptsäch-lich dem eigenen Fleiß zu danken hatte.
15 Jahre alt, wurde er vom Herzog von Braunschweig, zum Kammermusikus ernannt und erhielt zu-gleich das Versprechen, dass der Herzog ihn zu weiterer Ausbildung noch irgendeinem großen Meister übergeben wolle. Die Wahl fiel endlich auf Franz Eck in München, als dieser eben im Begriff war, eine Kunstreise nach Russland anzutreten. Spohr begleitete ihn und kehrte erst im Juli 1803 nach Braun-schweig zurück. Hier traf er Pierre Rode an, dessen Spiel nachhaltigen Einfluss auf seine weitere Ent-wicklung ausübte. Spohrs Ruf als Violinvirtuose verbreitete sich nun infolge einiger Kunstreisen so rasch, dass er schon 1805 die Konzertmeisterstelle in Gotha erhielt. In dieser Stellung verblieb er, nachdem er sich ein Jahr später mit der Harfen- und Klaviervirtuosin Dorette Scheidler verehelicht hatte und mit ihr bis ins Jahr 1813 einige Kunstreisen unternahm. In diesem Jahre 1813 folgte er einem Ruf als Kapellmeister des Theaters an der Wien. Zwistigkeiten mit dem Direktor desselben, Graf Pálf-fy, waren die Ursache, dass er dieses Amt bereits nach zwei Jahren niederlegte und wiederum Kunst-reisen antrat, die sich diesmal auch auf die Schweiz, Italien und die Niederlande erstreckten, bis er im Winter 1817 die Kapellmeisterstelle am Theater in Frankfurt am Main und die Leitung des Orchesters der Frankfurter Museumsgesellschaft übernahm. Hier brachte er 1818 seine Oper „Faust“ und 1819 „Zemire und Azor“ zur Aufführung, welche beide enthusiastischen Beifall fanden; gleichwohl verließ Spohr schon im September d. J. Frankfurt und begab sich von neuem auf Kunstreisen nach Belgien, Paris und 1820 nach London.
Nach viermonatigem Aufenthalt ruhmgekrönt zurückgekehrt, ließ er sich in Dresden nieder, erhielt je-doch schon im folgenden Jahr auf Veranlassung Carl Maria von Webers die Berufung als Hofkapell-meister nach Kassel und trat im Januar 1822 sein neues Amt an. Größere Virtuosenreisen unternahm er von nun an nicht mehr; dagegen machte er sich sehr um das Musikleben der Stadt Kassel verdient, wobei er das Niveau des Orchesters auf eine nie zuvor erreichte Höhe brachte und außerdem einen Gesangverein für Oratorienmusik gründete. In den Jahren 1824 bis 1833 übernahm er zusammen mit Ferdinand Ries außerdem Aufgaben in Düsseldorf.
Nicht minder bedeutend war seine Tätigkeit als Lehrer und Komponist. In erster Eigenschaft wurde er das Haupt einer Violinschule, wie sie Deutschland seit Franz Benda nicht besessen hatte, und von allen Teilen Europas strömten ihm die Schüler zu. Gleichzeitig entwickelte er eine erstaunliche Produk-tionskraft auf allen Gebieten der Komposition und betätigte sich als Dirigent zahlreicher Musikfeste in Deutschland und England. Auch der Verlust seiner Gattin (1834), für die er in einer zweiten Ehe mit der Klavierspielerin Marianne Pfeiffer nur einen annähernden Ersatz fand, vermochte seinen Arbeitseifer und seine Pflichttreue nicht vermindern, so wenig wie die kleinlichen Schikanen, die er später von sei-nem Fürsten zu erdulden hatte, dies namentlich nach dem Jahr 1848, obwohl er im Jahr zuvor durch die Ernennung zum Generalmusikdirektor ausgezeichnet worden war. 1857, gegen seinen Wunsch und mit teilweiser Entziehung seines Gehalts pensioniert, blieb er bis zu seinem Tod am 22. Oktober 1859 als Mensch wie als Künstler ein Gegenstand der allgemeinen Verehrung.
Als Komponist hat Spohr die musikalische Literatur auf jedem ihrer Gebiete durch Meisterwerke von unvergänglichem Wert bereichert. Auf dem der dramatischen Musik wurde er neben Carl Maria von Weber und Heinrich Marschner der Hauptvertreter der romantischen Oper, wenn er auch hinsichtlich des szenisch Wirksamen hinter diesen beiden zurücksteht und infolgedessen seine Opern, mit Aus-nahme von „Jessonda“, noch zu seinen Lebzeiten von den deutschen Bühnen verschwanden. Auch in seinen Oratorien „Die letzten Dinge“, “Der Fall Babylons” u. a. folgt er ausschließlich seinem subjekti-ven Naturell, um auf die Nachwelt zu wirken, wiewohl hier seine Neigung zum Elegischen und das kon-sequente Festhalten eines erhabenen Pathos sowie endlich der für alle seine Arbeiten charakteristi-sche, nicht selten in Überfülle ausartenden Reichtum der Modulation die Wirkung weniger beeinträchti-gen als in seinen Opern. Unbedingte Bewunderung verdienen seine zahlreichen, ausnahmslos durch Adel der Empfindung und formale Abrundung hervorragenden Instrumentalwerke, sowohl für Orches-ter als auch für Kammermusik, unter den ersteren die Symphonien in c-Moll und “Die Weihe der Töne”, unter den letzteren die Quintette und Quartette, sowohl für Streichinstrumente allein, als auch mit Kla-vier. Den größten und verdientesten Erfolg aber haben die speziell für sein Instrument geschriebenen Werke und seine 15 Violinkonzerte gehabt, darunter namentlich das 7., 8. („in Form einer Gesangssze-ne“) und 9., sowie seine Violinduette. Seine große Violinschule steht noch heute an klassischem Wert unübertroffen da. Louis Spohr ist Ehrenbürger von Kassel.

Johann August Franz Burgmüller – 1. Städtischer Musikdirektor vom 21.September 1812 bis zum 30. November 1823.

Friedrich August Burgmüller – Johann August Franz Burgmüller(* 3. Mai 1766 in Magdeburg; † 21. August 1824 in Düsseldorf) war ein deutscher Pianist, Kapellmeister und Dirigent sowie erster städtischer Musikdirektor in Düsseldorf und Mitbegründer der Niederrheinischen Musikfeste.

Biographie: Burgmüller wurde am 3. Mai 1766 geboren und am 6. Mai auf die Namen „Anton Friedrich“ getauft. In der älteren Literatur lauten die Vornamen auch „Friedrich August“ bzw. „Johann August Franz“, letzteres in den meisten handschriftlichen Quellen. Er selbst unterschrieb meist kurz mit „August Burgmüller“. Sein Vater war Johann Christian Burgmüller (1734–1776), Organist am Magdeburger Dom, der ihn im Klavierspiel unterrichtete. Ab 1783 studierte Burgmüller in Leipzig und Erfurt, brach das Studium aber 1785 ab und ging von Erfurt nach Weimar zur dortigen Theatertruppe des aus Graz stammenden Prinzipals Joseph Bellomo (eigentl. Joseph Edler von Zambiasi, 1752/54–1833). Burgmüller wirkte dort als Kapellmeister, aber auch als Schauspieler, und komponierte für die Truppe ein Singspiel und eine Bühnenmusik. Bereits ein Jahr später wechselte er zu Gustav Friedrich Großmann an dessen neu gegründetes Theaterunternehmen nach Köln, mit dem er auch in Düsseldorf und Bonn gastierte, bis die Truppe im Juli 1788 in Aachen in Konkurs ging. Burgmüller wurde daraufhin Kapellmeister am sogenannten „Bonner Nationaltheater“, das am 3. Januar 1789 eröffnet wurde. Dessen Orchester bestand im Wesentlichen aus Musikern der Bonner Hofkapelle, unter ihnen der damals 18-jährige Ludwig van Beethoven, der Viola spielte. Auch hier hielt es Burgmüller nicht lange aus, schon 1790 wechselte er an das Nationaltheater in Mainz. Nach der französischen Besatzung der Stadt im Jahre 1792 ging er nach Düsseldorf, wo er sich als Klavierlehrer niederließ. Hier lernte er seine Schülerin und spätere Ehefrau Therese von Zandt kennen. Als im Oktober 1794 auch Düsseldorf französisch besetzt wurde, verlor er sie für viele Jahre wieder aus den Augen.

Burgmüller floh wieder nach Mainz und übernahm dort die musikalische Leitung verschiedener Schauspieltruppen um Friedrich Wilhelm Hunnius und Johann Ludwig Büchner. Mit den beiden Truppen spielte er auch in Aachen, Köln und Düsseldorf.

Aufgrund einer Suchanzeige, die Therese von Zandt am 9. November 1803 in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung veröffentlichte, verließ Burgmüller das Rheinland und reiste im August 1804 nach Regensburg, wo er seine einstige Verlobte wiedersah und am 13. Mai 1805 heiratete. Burgmüller erhielt in Regensburg auf Empfehlung des Geheimen Staatsrates Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau die Stelle des Musikdirektors am neu errichteten Theater Regensburg. Daneben begründete er dort die erste deutsche Schauspielschule, maßgeblich unterstützt von dem einflussreichen Kurfürsten und Reichserzkanzler Karl Theodor von Dalberg. Burgmüllers Übersiedlung nach Regensburg ist vermutlich damit zu erklären, dass Thereses Vater die Liaison mit dem Musiker nach Kräften hintertrieben hatte, so dass ein Zusammenleben der beiden nur im „Exil“ möglich war.

Nachdem Burgmüllers Schwiegervater am 18. März 1807 in Düsseldorf gestorben war, konnte die Familie Burgmüller Regensburg verlassen und in Düsseldorf, wo sie im Juli 1807 eintraf, sesshaft werden. Burgmüller nahm in der Stadt zunächst eine Stelle als Kapellmeister am Bergischen Theater an und wurde am 26. August 1807 Mitbegründer der Düsseldorfer Musikakademie, eines Vereins, der gewissermaßen die Geburt des bürgerlichen Musiklebens in Düsseldorf markiert. Am 21. September 1812 erfolgte seine Ernennung zum städtischen Musikdirektor. Darüber hinaus war er auch für die Kirchenmusik in St. Maximilian und St. Lambertus zuständig und unterrichtete am Düsseldorfer Gymnasium. Der spätere Dichter Heinrich Heine war einer seiner Schüler. Vier Jahre später machte Burgmüller mit der Uraufführung des Oratoriums „Die Glocke“ von Andreas Romberg auf sich aufmerksam. Im Jahr 1817 nahm er mit seinem Orchester an einer erfolgreichen Konzertveranstaltung in Elberfeld teil, im Verlauf derer er gemeinsam mit dem Elberfelder Musikdirektor Johannes Schornstein den Entschluss fasste, diese Veranstaltung fortan regelmäßig durchzuführen. Auf Initiative von Burgmüller schlossen sich nach diesem ersten Erfolg verschiedene Düsseldorfer Musikvereine zum „Verein für Tonkunst“ und 1818 zum „Städtischen Musikverein e. V.“ unter seiner Führung zusammen, aus dem sich später die Düsseldorfer Symphoniker entwickelten. Diese veranstalteten noch zu Pfingsten desselben Jahres das offizielle 1. Niederrheinische Musikfest in Düsseldorf unter Burgmüllers Festspielleitung. Das Fest war wieder ein durchschlagender Erfolg, und so entschieden sich die beiden Musikdirektoren für die Beibehaltung dieser Veranstaltung alljährlich zu Pfingsten im Wechsel zwischen Elberfeld und Düsseldorf. 1821 kam die Stadt Köln hinzu, wohingegen Elberfeld mit einer letzten Veranstaltung 1827 ausschied, da die Stadt dem Ansturm an Musikern und Gästen logistisch nicht mehr gewachsen war. Dafür sprang 1825 Aachen ein. Auch die folgenden Musikfeste in Düsseldorf in den Jahren 1820 und 1822 sowie in Köln 1821 standen unter seiner Leitung, und Burgmüller befand sich auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Zwischenzeitlich unternahm er 1819 als Pianist und Dirigent noch eine erfolgreiche Konzertreise mit der Sopranistin Angelica Catalani durch West- und Norddeutschland. Es finden sich Zeugnisse über seine Neigung zum üppigen Leben, zur legeren Unabhängigkeit und Sorglosigkeit. Clemens von Brentano nannte ihn in einem Brief „ein verschmutztes Genie”. Auch der Goethe-Freund Karl Friedrich Zelter berichtete in ähnlichem Sinne, hob aber zudem umfassende Bildung und künstlerische Autorität hervor.

Ein halbes Jahr nach seiner letzten Festspielleitung in Düsseldorf, 1822, wurde er aus unerklärlichen Gründen von den Theaterdirektoren Derossi und Wolf gekündigt, was bei Burgmüller zu schweren finanziellen Einbußen führte, in Folge derer er ernsthaft erkrankte. Von diesem Leiden erholte er sich nicht mehr und verstarb schließlich am 21. August 1824. Er wurde auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt. Nach seinem Tod wurde zugunsten seiner Familie ein Benefizkonzert ausgerichtet. Die Düsseldorfer dankten ihm nachträglich für seine Verdienste im Jahre 1949 mit einer neuen Grabplatte mit der Inschrift: „Städtischer Musikdirektor Friedrich August Burgmüller, Begründer der Niederrheinischen Musikfeste, 1760–1824.“ Seine beiden Söhne Friedrich Burgmüller und Norbert Burgmüller wurden ebenfalls angesehene Pianisten und Komponisten, wobei Norbert trotz seines kurzen Lebens der talentiertere und erfolgreichere Musiker wurde und in die Fußstapfen seines Vaters trat. Er spielte in der Düsseldorfer Musikszene ebenfalls eine herausragende Rolle.
(Quelle u.a. siehe auch: Dr. Klaus Zehnder-Tischendorf).

Chordirektion

Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818

Die Chordirektoren und die Chordirektorin im Städtischen Musikverein zu Düsseldorf von heute bis 1818

Chordirektoren waren im 19. Jahrhundert in der Regel auch die jeweiligen Musikdirektoren, die dann aber oftmals von Musikern aus dem Chor in der Einstudierungsarbeit unterstützt wurden. Nach 1945 wurden regelmäßig mit Unterstützung der Stadt Chordirektoren eingestellt die die Aufgabe hatten, den Chor für geplante Konzerte detailliert vorzubereiten. 2001 wurde mit Marieddy Rossetto die erste Chordirektorin für den Musikverein tätig. Die Chordirektoren/Chordirektorin übergeben in aller Regel den Chor an den Musikdirektor oder den Chefdirigenten, aber auch an Gastdirigenten, bei der ersten Klavierprobe. Vor Beginn der Probenarbeit fanden und finden Abstimmungsgespräche mit dem jeweiligen Konzertdirigenten oder einer Konzertdirigentin statt.

Die Interimszeit 2019-2020 ohne feste Chordirektion endete nach ca. 1 1/2 Jahren und wurde durch die Corona-Pandemie zusätzlich erschwert. In Abstimmung mit Adam Fischer und den Chorsängerinnen und Sängern ging der Zuschlag in der Mitte des Jahres 2020 an Prof. Hansel-Dinar. Hier seine Vita:

Prof. Dennis Hansel-Dinar studierte Schulmusik und Chorleitung an der Universität der Künste Berlin, zunächst bei Prof. Christian Grube, später in der Hauptfachklasse von Prof. Uwe Gronostay. Er setzte seine Ausbildung am Conservatoire Superieure de Genève fort, außerdem war er Sänger des Ensemble Vocale de Lausanne.

Von 2003 bis 2012 war er künstlerischer Leiter des Luisen-Vocalensembles Berlin. Von 2004 bis 2018 hatte Dennis Hansel-Dinar eine Vertretungsprofessur für Chorleitung an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf inne, im März 2015 wurde er zum Professor für Chorpädagogik berufen.

Neben seiner Lehr- und Leitungstätigkeit baut er in Kooperation mit dem Humboldt-Gymnasium Düsseldorf in der Mittelstufe Gesangsklassen auf und leitet Einstudierungen von Opern und Oratorien des 20. Jahrhunderts für freie Produktionen. Seit 2012 ist Dennis Hansel-Dinar künstlerischer Leiter des Chores amici del canto.

Seit dem 1.9.2020 übernahm Dennis Hansel-Dinar die Chordirektoren-Stelle im Städtischen Musikverein zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818.

Nachdem Marieddy Rossetto nach achtzehnjähriger Tätigkeit als Chordirektorin ihren Rückzug von der Position der Chordirektorin zum Ende der Saison 2018-2019 im Juni 2018 ankündigte, begann eine Kandidatensuche, deren Entscheidung bzw. Ergebnis, auf Wunsch des Intendanten und im Einklang mit dem zwischen dem Musikverein und der Landeshauptstadt Düsseldorf existierenden Verträgen aus den Jahren 1931 und 1949, in die Hände des Priciapl Conductors Adam Fischer gelegt wurde. Durch die schwierige Terminlage bei den Beteiligten außerhalb des Musikvereins entstand ein Findungsprozeß, der sich über Monate hinzog. Endgültige Entscheidung wurde dann am 12.6.2019 getroffen. Prof. Dennis Hansel-Dinar und Markus Belmann wurden als Projektleiter für die beiden anstehenden Projekte bestimmt. Prof. Dennis Hansel-Dinar wird Zemlinskys "Psalm Nr. 13" und Markus Belmann wird Haydns "Die Jahreszeiten" einstudieren.

Dennis Hansel-Dinar

Professor

Dennis Hansel studierte Schulmusik und Chorleitung an der Universität der Künste Berlin, zunächst bei Prof. Christian Grube, später in der Hauptfachklasse von Prof. Uwe Gronostay. Ein Stipendium führte ihn ans Conservatoire Superieure de Genève, wo er bei Michel Corboz Chorleitung studierte und im Ensemble Vocale de Lausanne als Sänger angestellt war. Er besuchte Meisterkurse bei Hartmut Haenchen und Gustaf Sjökvist.

Von 2003 bis 2012 war er künstlerischer Leiter des Luisen-Vocalensembles Berlin. Von Oktober 2004 bis September 2018 hatte Dennis Hansel eine Vertretungsprofessur für Chorleitung an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf inne, im März 2015 wurde er zum Professor für Chorpädagogik berufen.

Neben seiner Lehr- und Leitungstätigkeit baut er in Kooperation mit dem Humboldt-Gymnasium Düsseldorf in der Mittelstufe Gesangsklassen auf und leitet Einstudierungen von Opern und Oratorien des 20. Jahrhunderts für freie Produktionen. Seit 2012 ist Dennis Hansel künstlerischer Leiter des Chores amici del canto.

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Markus Belmann

Maxkantor, Dozent für Orgel

Der gebürtige Recklinghäuser Markus Belmann studierte Kirchenmusik (u.a. bei Prof. Sieglinde Ahrens, Orgel und Prof. Iwona Salling, Klavier) und Dirigieren in der Kapellmeisterklasse von Prof. David De Villiers an der Folkwang Hochschule Essen sowie am Conservatorium Maastricht.

Nach studienbegleitender Tätigkeit als Kirchenmusiker in Essen-Haarzopf folgten Kantorenstellen in Nettetal (regionale Schwerpunktstelle für Chormusik im Bistum Aachen) und Kevelaer, wo er an als Chordirektor und stellv. Basilikaorganist u.a. mit dem Neuaufbau der chorischen Nachwuchsarbeit befasst war.

Seit 2008 ist Markus Belmann Kantor an der Düsseldorfer Maxkirche, einem der profiliertesten Kirchenmusikstandorte im Rheinland, sowie leitender Kirchenmusiker in der Düsseldorfer City. Mit dem oratorischen Maxchor erarbeitete er u.a. Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms, das Stabat Mater und Requiem von Antonin Dvorak, die Messa di Requiem von Giuseppe Verdi, die c-Moll-Messe und das Requiem von Wolfgang Amadeus  Mozart, das Te Deum, die f-Moll-Messe und die d-Moll-Messe von Anton Bruckner, Elias und Lobgesang von Felix Mendelssohn Bartholdy, Moses von Max Bruch, das Stabat Mater von Gioacchino Rossini, das Gloria von Francis Poulenc, das Stabat Mater von Karol Szymanowski sowie weniger bekannte Oratorien wie Die letzten Dinge von Louis Spohr oder die rekonstruierte Markuspassion von Johann Sebastian Bach. Darüber hinaus  leitet er den Kammerchor schola cantorum und die Choralschola St. Maximilian. In Kooperation mit der Düsseldorfer Maxschule rief Markus Belmann einen Kinderchor ins Leben, in dessen drei Gruppen über 50 Mädchen und Jungen an das chorische Musizieren herangeführt werden.

Er unterrichtet im Rahmen der C-Ausbildung des Erzbistums Köln das Fach Orgel und ist künstlerischer Leiter der wöchentlichen Marktmusik, der ältesten Orgelkonzertreihe der Landeshauptstadt. Belmann betreute zwei Orgelbau-Projekte, welche die Orgellandschaft in der Düsseldorfer Altstadt nachhaltig prägen. Projekte im Rahmen der Citypastoral, wie Führungen, Vorträge, Kurse etc. runden seine Tätigkeit ab.

Ab dem Wintersemester 2018/19 ist Markus Belmann an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein in Düsseldorf als Dozent für das Fach Orgel.

Marieddy Rossetto – Chordirektorin von 2001 bis 2019

1. Chordirektorin in der Geschichte des Städtischen Musikvereins
Marieddy Rossetto, 1958 in São Paulo, Brasilien, geboren, ist seit Januar 2001 künstlerische Leiterin des Städt. Musikvereins. Sie erhielt eine Klavierausbildung am Konservatorium in Santos sowie an der Universität von Brasilia und studierte Dirigieren und Chorleitung an der Musikhochschule in Köln. Die Ausbildung wurde abgerundet durch die Teilnahme an verschiedenen Kursen, so an den Internationalen Meisterkursen in Trier bei Prof. Schieri, an der Bachakademie in Stuttgart bei Helmuth Rilling während des Europäischen Musikfestes Stuttgart. Ihr künstlerischer Werdegang schließt Lehrtätigkeiten und Leitung verschiedener Instrumentalensembles an der Musikschule in Brasilia ebenso ein wie die Mitwirkung als Pianistin für zeitgenössische Musik und die Tätigkeit als Beauftragte der Nationalen Kunststiftung (FUNARTE) für Lehrerfortbildungskurse in Brasilien. Marieddy Rossetto war von 1983 bis 1987 Chorleiterin an St. Marien in Köln, 1988 bis 1992 Chorleiterin des Chores der Universität von São Paulo, des Chores der Deutschen Schule und des Kammerchores Collegium Musicum in São Paulo. Von 1994 bis 2008 ist sie Chordirektorin des Chores der Konzertgesellschaft Wuppertal. 2001 wird Marieddy Rossetto Chordirektorin des Musikvereins und bleibt dem Chor 18 Jahre treu. Neben vielen Konzerthöhepunkten installierte Marieddy Rossetto zusammen mit dem Musikvereinsvorsitzenden Manfred Hill im Jahre 2006 das Projekt "SingPause". Die "SingPause" erlebt einen beispiellosen Erfolg. So werden zur Zeit, im August 2019, mehr als 16.000 Grundschulkinder von 48 professionellen Singleiter*innen frühmusikalisch gebildet. Das Projekt erhielt 2017 den Jugendkulturpreis der Sparkassen, 2018 den Nominierungspreis von "Kinder zum Olymp" aus der Hand des Bundespräsidenten und ist in 2019 für den Opus-Klassik nominiert. Im Jahre 2019, zum Ende der Saison 2018-2019, legt Marieddy Rossetto ihr Amt als Chordirektorin des Musikvereins nieder, bleibt dem Musikverein aber verbunden. In der Zukunft wird Marieddy Rossetto sich noch intensiver dem Musikvereinsprojekt "SingPause-Singen an Düsseldorfer Grundschulen" widmen.

Raimund Wippermann (Bild) – Chordirektor vom 1. Oktober 1995 bis 31. August 2000

Raimund Wippermann, geboren 1956 in Duisburg; studierte 1977 – 1983 Schulmusik und Chorleitung in Köln, 1983 – 1987 Kirchenmusik in Düsseldorf; 1983 – 1984 Chorleitung an der Musikhochschule Stockholm.
Tätigkeit als Kirchenmusiker in Oberwinter (1984 – 1987) und Kaarst (1987 – 1991); 1991 Berufung zum Domkapellmeister am Hohen Dom zu Essen, dort künstlerischer Leiter des Essener Domchores und des von ihm gegründeten Mädchenchores am Essener Dom sowie Dozent für Kirchenmusik am Bischöflichen Priesterseminar; 1990 – 1997 Lehrauftrag für Chorleitung an der Robert – Schumann – Hochschule Düsseldorf; seit SS 1997 Professor für Chorleitung an der Robert – Schumann – Hochschule Düsseldorf; von 2000 bis 2004 Dekan des Fachbereichs 2, seit August 2004 Rektor der Robert-Schumann-Hochschule.
Künstlerische Arbeit:
Gründer und künstlerischer Leiter des Kammerchores Cantemus, Schwerpunkt der Arbeit a cappella Musik der Romantik und Moderne; September 1995 – September 2002 Chordirektor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf; in Kooperation zwischen der Robert – Schumann – Hochschule und dem Domkapitel Essen leitet er den Mädchenchor am Essener Dom, mit diesem Ensemble Schwerpunkt zeitgenössische Chormusik und Chor–Improvisation, außerdem jährlich ein großes Oratorien–Projekt in Kooperation mit der Robert–Schumann–Hochschule.
Raimund Wippermann (Bild) leitete den Musikverein von 1995 bis 2000. Er übernahm das schwere Amt der Nachfolge von Prof. Hartmut Schmidt. In die Zeit der Tätigkeit von Raimund Wippermann für den Musikverein fiel die zweite USA-Reise des Chores zum Cincinnati May-Festival, eine große Anzahl von außergewöhnlichen Konzertreisen, die Schallplatteneinspielungen der Zemlinsky-Werke und Mendelssohn Bartholdys „Elias” in Zusammenarbeit mit James Conlon und dem Gürzenich Orchester Kölner Philharmoniker (siehe auch Eintrag vom 14.9.2000).

Hartmut Schmidt – Chordirektor von 1965 bis 1995

Im Jahre 1964 konnte Kunibert Jung den jungen Kirchenmusiker Hartmut Schmidt als Nachfolger von Bernhard Zimmermann für die künstlerische Chorleitung gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt war den handelnden Personen noch nicht klar, welchen Glücksgriff sie mit dieser Personalentscheidung getroffen hatten. Die künstlerische Entwicklung des Musikvereins nahm durch die Arbeit von Hartmut Schmidt einen außerordentlich glücklichen Verlauf. Während seiner Amtszeit als Chordirektor des Musikvereins wurde Hartmut Schmidt an die Robert-Schumann-Hochschule als Professor für evangelische Kirchenmusik berufen.

Bernhard Zimmermann (Bild) - Chordirektor von 1.1.1962 bis zum November 1964

Bernhard Zimmermann leistete neben seiner Tätigkeit als Chef des Rundfunkchores des WDR auch Aufbauarbeit für den Musikverein – ein jovialer Rheinländer, den Zeitgenossen als handfesten Opernchordirektor alten Schlages schildern, als umsichtigen, regen und zielstrebigen Musiker, der sich vor allem der Klanghomogenität des Chores verschrieben hatte.

Michel Rühl – Chordirektor vom 1. Januar 1929 bis zum 30. November 1950 und von 1953 bis 1961

Er war lange Jahre Chef des Opernchores, insgesamt 30 Jahre Chordirektor des Musikvereins und die gute Seele des Chores in vielen „Konzertschlachten”.
Michel Rühl wurde wieder als Chordirektor eingestellt, nachdem er schon viele Jahre vor dem Krieg für den Chor mit großem Erfolg tätig war. Michel Rühl führte die “Chorschule” ein, in der Stimmbildung erfolgte und Notenkenntnisse vermittelt wurden. Zur damaligen “fernsehlosen” Zeit waren diese Abende eine willkommene Abwechslung für die jungen Chormitglieder.

Auszug aus dem Findbuch des Stadtarchivs zum Beschäftigungsverhältnis von Michel Rühl:
1954-1963
Städtischer Musikverein / Düsseldorfer Chorvereinigungen
[Veränderung des Dienstverhältnisses des städt. Chorleiters Michael Rühl]
ca. 200 Bl.
E n t h ä l t u.a.: Entscheidung des Generalintendanten der Deutschen Oper am Rhein (Dr. Juch), den städtischen Chorleiter Michael Rühl nicht zur Deutschen Oper zu übernehmen; Unterstützungsschreiben verschiedener Seiten für Rühl; “Vorschläge über die als Chordirektor der Stadt Düsseldorf zu übernehmenden Aufgaben”; Weiterbeschäftigung Rühls als städt. Chorleiter, “Privatdienstvertrag” vom 20.1.1954 (Abschrift); Neuer “Privatdienstvertrag” vom 8.8./19.9.1956 in Verbindung mit “Dienstanweisung für den städtischen Chorleiter” (Abschrift);
Auszüge aus Kulturausschuß- und Personalausschußprotokollen (1954-1956) / Diskussion um Tätigkeitsveränderungen Rühls aufgrund seines Gesundheitszustandes, Tätigkeitsberichte Rühls; Neuer “Privatdienstvertrag” vom 28.2.1963; Weggang Rühls nach Würzburg (1958-1963) / 25-jähriges Bühnenjubiläum Rühls.

Reinhard Zilcher – Chordirektor von Januar 1951 bis November 1952

Er übernahm den Chor in einer Situation des Neuaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und leistete dabei wertvolle Arbeit für die Zukunft.

Ein fast vergessener Musiker

Herbert Zipper - von der Tonhalle übers KZ Dachau bis nach Manila

von Sebastian Feldmann im Jahre 1993 (Auszug aus dem Beitrag für die Jubiläumsschrift 175 Jahre Musikverein im Jahre 1993).

Kein Düsseldorfer Archiv nannte seinen Namen; keine Gehaltsabrechnung kündete von seiner Tätigkeit; kein Programmzettel seiner Mitwirkung bei Konzerten in dieser Stadt scheint erhalten: Herbert Zipper, jetzt bald 90, geboren 1904 in Wien, Komponist, Dirigent, Musikpädagoge, wirkte von 1931 bis 1933 in Düsseldorf, unter anderem beim Musikverein. Doch ist sein Name vom Winde verweht, seine Spur verwischt.

Die Ursachen müssen vielfältig sein. Zipper selbst vermutet, dass die Nazis nach 1933 die entsprechenden Akten "bereinigt" haben, denn er ist Jude. Andere Unterlagen - etwa im Musikverein - sind aus Zeit- und Platz- und Geldmangel wohl noch nicht archivarisch erschlossen. Weitere Dokumente könnten den Feuern des Kriegs zum Opfer gefallen sein. Am Telefon gab Zipper auch zu bedenken, dass seinerzeit oft allein das Wort zum Abschluss eines Arbeitsvertrages reichte - ohne Schriftform.

Dieses Jubiläum (175 Jahre Musikverein im Jahre 1993) gibt Gelegenheit an einen faszinierenden Musiker zu erinnern, dessen wild bewegter Lebensweg eine Zeitlang Düsseldorf und den Musikverein streifte und der mit seinen 90 Jahren gewiss der letzte ist, der mit immer noch bestechender Gedächtnisleistung Zeugnis ablegen kann über die Jahre 1931 bis 1933 in Düsseldorf, ehe die Kunst im Strudel der nationalsozialistischen Kulturpolitik auf "arisch" gleichgeschaltet, kurz- und kleingeschnipselt wurde (wobei man aus Publikumsrücksichten oder Panik allerdings etliche Juden wie Leon Jessel - "Das Schwarzwaldmädel" - oder die Wiener Walzerkönige Johann Strauß und Söhne geflissentlich ausnahm beziehungsweise "arisierte"). Aufgefunden wurde der Komponist und Dirigent Zipper mitsamt seinen Düsseldorfer Jahren von dem Berliner Musikjournalisten Albrecht Dümling und dem Berlin-Düsseldorfer Intendanten Peter Girth (jetzt Darmstadt), als sie 1988 für die Tonhalle die Nazi-Ausstellung "Entartete Musik" (1938) kommentierend rekonstruierten. Dümling hatte Zipper in Los Angeles besucht und interviewt. Er lenkte meine Neugier auf den Vergessenen. Unterdessen schrieb Paul Cummings seine Zipper-Biographie "Dachau-Song".

Die Unterlagen, die mir Zipper nach einem langen, angeregten Telephonat aus Los Angeles schickte, sind karg, aber aussagekräftig. Ihm, dem Flüchtling und Verfolgten, sind im Sturm der Zeiten nicht viele Zeugnisse seiner Vergangenheit übriggeblieben. Ab 1931 unterrichtete Zipper am Buths-Neitzel-Konservatorium (Leitung: GMD Hans Weisbach) Korrepetition und Praktische Dirigierübungen. Mit im Lehrkörper Theo Kreiten, Klavier, der Vater des 1944 von den Nazis hingerichteten Pianisten und Arrau-Schülers Karlrobert Kreiten.

Ein Brief von Hans Weisbach als GMD ja auch für den Musikverein zuständig, ist ebenfalls erhalten. In ihm schreibt dieser schon am 27. März 1931 enthusiastisch an Emil Zipper, den Vater, nach Wien: "Von allen Seiten hörte ich, wie glücklich man über die Tätigkeit Ihres Sohnes war. Überall hat man ihn liebgewonnen. Und ich selbst hatte die schönste Überraschung, daß der Chor tadellos einstudiert war. Stellen Sie sich vor, daß ich hier noch bis zwei Tage vor dem Konzert zu Bett gelegen habe, so daß ich überhaupt erst zur Hauptprobe erscheinen konnte. Hätte Herbert nicht alles bis ins Letzte einstudiert, hätte ich das Konzert überhaupt nicht dirigieren können ... Inzwischen sind wir nur durch die Erlebnisse der letzten Wochen, in denen Herbert uns die wertvollsten Dienste geleistet und sich als ganz wunderbarer Freund erwiesen hat, noch mehr zusammengewachsen".

Auszug: Der komplette Text ist in der Jubiläumsschrift 175 Jahre Musikverein nachzulesen.

 

 

 

Joseph Neyses Chormeister von 1924 bis 1926

"In der Zeit der Weimarer Republik wurden beim Städtischen Musikverein erstmals Chordirektoren angestellt. Der erste von Ihnen war Joseph Neyses, der nach dem Krieg 1945 zum Direktor des Robert-Schumann-Konservatoriums berufen wurde und der Düsseldorfer Musikwelt als Gründer und Leiter des Bachvereins in Erinnerung blieb. Für Neyses war die Tätigkeit als Chordirektor eine von mehreren Durchgangsstationen in seiner Laufbahn, was sich Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit Anfang der 1920er Jahre nicht hatte vermeiden lassen. So war er u.a. 1916 bis 1922 Korrepetitor und Kapellmeister am Düsseldorfer Opernhaus, ging dann kurzfristig als Violinlehrer in die Schweiz, kehrte nach Düsseldorf zurück und arbeitete von 1924 bis 1926 als Chormeister des Städtischen Musikvereins, wobei es zu seinen Aufgaben gehörte, Analysen und Programmeinführungen für die städtischen Konzerte zu schreiben. Neyses Anstellung fällt in die Zeitspanne, in der Düsseldorf keinen Städtischen Musikdirektor und somit der Musikverein keinen Leiter hatte, weshalb Georg Schnéevoigt als Gastdirigent verpflichtet worden war. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Verein einen Chordirektor für seine Probenarbeit engagierte. Der Beginn von Hans Weisbachs Tätigkeit 1926 fiel mit dem Abschluss von Neyses Promotion und dem Beginn seiner Lehrtätigkeit zusammen, so dass in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit dem Musikverein endete."

Quelle: Dr. Nina Sträter "Der Bürger erhebt seine Stimme - Der Städtische Musikverein zu Düsseldorf und die bürgerliche Musikkultur im 19. und 20. Jahrhundert". Monographie aus Anlass des 200. Jubiläums des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818.

Nach dem plötzlichen Tode des ersten Musikdirektors begann eine Interimszeit, die bei den jeweils terminierten Musikfesten von Louis Spohr und Ferdinand Ries gefüllt wurde. In dieser Zeit fehlte auch die professionelle musikalische Leitung. Der Vorstand des Musikvereins legte die musikalische Leitung in den Zwischenzeiten in die Hände von Friedrich Johannes Wetschky.  Es scheint als sicher bezeichnet zu sein, dass Herr Wetschky für die Betreuung des Chores – auch musikalisch – in der Zeit nach Burgmüller und bis Mendelssohn verantwortlich war, und zwar von 1824 – 1833. Wetschky und sein Bruder waren übrigens auch im ersten Vorstand. Mit F.J. Wetschky übernahm einmalig ein „nicht professioneller“ Mensch die künstlerische Leitung des Chores (siehe auch Dr. Nina Sträter "Der Bürger erhebt seine Stimme"). Die offizielle Bezeichnung eines „Musikdirektors“ hat Wetschky offensichtlich nie verliehen bekommen.

Als Beitragsbild haben wir hier ein nachgemachtes Dokument verwendet.

Johann August Franz Burgmüller – 1. Städtischer Musikdirektor vom 21.September 1812 bis zum 30. November 1823.

Friedrich August Burgmüller – Johann August Franz Burgmüller(* 3. Mai 1766 in Magdeburg; † 21. August 1824 in Düsseldorf) war ein deutscher Pianist, Kapellmeister und Dirigent sowie erster städtischer Musikdirektor in Düsseldorf und Mitbegründer der Niederrheinischen Musikfeste.

Biographie: Burgmüller wurde am 3. Mai 1766 geboren und am 6. Mai auf die Namen „Anton Friedrich“ getauft. In der älteren Literatur lauten die Vornamen auch „Friedrich August“ bzw. „Johann August Franz“, letzteres in den meisten handschriftlichen Quellen. Er selbst unterschrieb meist kurz mit „August Burgmüller“. Sein Vater war Johann Christian Burgmüller (1734–1776), Organist am Magdeburger Dom, der ihn im Klavierspiel unterrichtete. Ab 1783 studierte Burgmüller in Leipzig und Erfurt, brach das Studium aber 1785 ab und ging von Erfurt nach Weimar zur dortigen Theatertruppe des aus Graz stammenden Prinzipals Joseph Bellomo (eigentl. Joseph Edler von Zambiasi, 1752/54–1833). Burgmüller wirkte dort als Kapellmeister, aber auch als Schauspieler, und komponierte für die Truppe ein Singspiel und eine Bühnenmusik. Bereits ein Jahr später wechselte er zu Gustav Friedrich Großmann an dessen neu gegründetes Theaterunternehmen nach Köln, mit dem er auch in Düsseldorf und Bonn gastierte, bis die Truppe im Juli 1788 in Aachen in Konkurs ging. Burgmüller wurde daraufhin Kapellmeister am sogenannten „Bonner Nationaltheater“, das am 3. Januar 1789 eröffnet wurde. Dessen Orchester bestand im Wesentlichen aus Musikern der Bonner Hofkapelle, unter ihnen der damals 18-jährige Ludwig van Beethoven, der Viola spielte. Auch hier hielt es Burgmüller nicht lange aus, schon 1790 wechselte er an das Nationaltheater in Mainz. Nach der französischen Besatzung der Stadt im Jahre 1792 ging er nach Düsseldorf, wo er sich als Klavierlehrer niederließ. Hier lernte er seine Schülerin und spätere Ehefrau Therese von Zandt kennen. Als im Oktober 1794 auch Düsseldorf französisch besetzt wurde, verlor er sie für viele Jahre wieder aus den Augen.

Burgmüller floh wieder nach Mainz und übernahm dort die musikalische Leitung verschiedener Schauspieltruppen um Friedrich Wilhelm Hunnius und Johann Ludwig Büchner. Mit den beiden Truppen spielte er auch in Aachen, Köln und Düsseldorf.

Aufgrund einer Suchanzeige, die Therese von Zandt am 9. November 1803 in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung veröffentlichte, verließ Burgmüller das Rheinland und reiste im August 1804 nach Regensburg, wo er seine einstige Verlobte wiedersah und am 13. Mai 1805 heiratete. Burgmüller erhielt in Regensburg auf Empfehlung des Geheimen Staatsrates Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau die Stelle des Musikdirektors am neu errichteten Theater Regensburg. Daneben begründete er dort die erste deutsche Schauspielschule, maßgeblich unterstützt von dem einflussreichen Kurfürsten und Reichserzkanzler Karl Theodor von Dalberg. Burgmüllers Übersiedlung nach Regensburg ist vermutlich damit zu erklären, dass Thereses Vater die Liaison mit dem Musiker nach Kräften hintertrieben hatte, so dass ein Zusammenleben der beiden nur im „Exil“ möglich war.

Nachdem Burgmüllers Schwiegervater am 18. März 1807 in Düsseldorf gestorben war, konnte die Familie Burgmüller Regensburg verlassen und in Düsseldorf, wo sie im Juli 1807 eintraf, sesshaft werden. Burgmüller nahm in der Stadt zunächst eine Stelle als Kapellmeister am Bergischen Theater an und wurde am 26. August 1807 Mitbegründer der Düsseldorfer Musikakademie, eines Vereins, der gewissermaßen die Geburt des bürgerlichen Musiklebens in Düsseldorf markiert. Am 21. September 1812 erfolgte seine Ernennung zum städtischen Musikdirektor. Darüber hinaus war er auch für die Kirchenmusik in St. Maximilian und St. Lambertus zuständig und unterrichtete am Düsseldorfer Gymnasium. Der spätere Dichter Heinrich Heine war einer seiner Schüler. Vier Jahre später machte Burgmüller mit der Uraufführung des Oratoriums „Die Glocke“ von Andreas Romberg auf sich aufmerksam. Im Jahr 1817 nahm er mit seinem Orchester an einer erfolgreichen Konzertveranstaltung in Elberfeld teil, im Verlauf derer er gemeinsam mit dem Elberfelder Musikdirektor Johannes Schornstein den Entschluss fasste, diese Veranstaltung fortan regelmäßig durchzuführen. Auf Initiative von Burgmüller schlossen sich nach diesem ersten Erfolg verschiedene Düsseldorfer Musikvereine zum „Verein für Tonkunst“ und 1818 zum „Städtischen Musikverein e. V.“ unter seiner Führung zusammen, aus dem sich später die Düsseldorfer Symphoniker entwickelten. Diese veranstalteten noch zu Pfingsten desselben Jahres das offizielle 1. Niederrheinische Musikfest in Düsseldorf unter Burgmüllers Festspielleitung. Das Fest war wieder ein durchschlagender Erfolg, und so entschieden sich die beiden Musikdirektoren für die Beibehaltung dieser Veranstaltung alljährlich zu Pfingsten im Wechsel zwischen Elberfeld und Düsseldorf. 1821 kam die Stadt Köln hinzu, wohingegen Elberfeld mit einer letzten Veranstaltung 1827 ausschied, da die Stadt dem Ansturm an Musikern und Gästen logistisch nicht mehr gewachsen war. Dafür sprang 1825 Aachen ein. Auch die folgenden Musikfeste in Düsseldorf in den Jahren 1820 und 1822 sowie in Köln 1821 standen unter seiner Leitung, und Burgmüller befand sich auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Zwischenzeitlich unternahm er 1819 als Pianist und Dirigent noch eine erfolgreiche Konzertreise mit der Sopranistin Angelica Catalani durch West- und Norddeutschland. Es finden sich Zeugnisse über seine Neigung zum üppigen Leben, zur legeren Unabhängigkeit und Sorglosigkeit. Clemens von Brentano nannte ihn in einem Brief „ein verschmutztes Genie”. Auch der Goethe-Freund Karl Friedrich Zelter berichtete in ähnlichem Sinne, hob aber zudem umfassende Bildung und künstlerische Autorität hervor.

Ein halbes Jahr nach seiner letzten Festspielleitung in Düsseldorf, 1822, wurde er aus unerklärlichen Gründen von den Theaterdirektoren Derossi und Wolf gekündigt, was bei Burgmüller zu schweren finanziellen Einbußen führte, in Folge derer er ernsthaft erkrankte. Von diesem Leiden erholte er sich nicht mehr und verstarb schließlich am 21. August 1824. Er wurde auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt. Nach seinem Tod wurde zugunsten seiner Familie ein Benefizkonzert ausgerichtet. Die Düsseldorfer dankten ihm nachträglich für seine Verdienste im Jahre 1949 mit einer neuen Grabplatte mit der Inschrift: „Städtischer Musikdirektor Friedrich August Burgmüller, Begründer der Niederrheinischen Musikfeste, 1760–1824.“ Seine beiden Söhne Friedrich Burgmüller und Norbert Burgmüller wurden ebenfalls angesehene Pianisten und Komponisten, wobei Norbert trotz seines kurzen Lebens der talentiertere und erfolgreichere Musiker wurde und in die Fußstapfen seines Vaters trat. Er spielte in der Düsseldorfer Musikszene ebenfalls eine herausragende Rolle.
(Quelle u.a. siehe auch: Dr. Klaus Zehnder-Tischendorf).

Johannes Schornstein, Musikdirektor in Elberfeld und das musikalische Leben im Wuppertal (Elberfeld und Barmen) sollten für die Gründung des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf einige Bedeutung erlangen. Aus diesem Grunde wollen wir an dieser Stelle einen kleinen Einblick in die Entstehung der Elberfelder und Barmer Singvereine geben:

1811 gründete Schornstein in Elberfeld gemeinsam mit dem Musiklehrer Sasse den "Musikalischen Verein zur Pflege des Chorgesangs" und leitete diese "Singschule" zusammen mit Sasse. Ein Jahr später waren die Musiker schon bereit für die erste Aufführung der "Jahreszeiten" und im gleichen Jahr konnte Haydns C-Dur-Messe und die "Schöpfung" in Elberfeld zur Aufführung gebracht werden. 1813 bereits verursachten die politischen Wirren jedoch die Auflösung des Vereins.

Nach dem Friedensschluss von 1815 lebte der von Musiklehrer Dillenberg gegründete Elberfelder Gesangverein auf und Schornstein übernahm 1815 die Führung und führte mit diesem jungen Verein 1817 die "Schöpfung" erneut auf.

In diese Zeit fielen dann auch intensive Kontakte zu Düsseldorfs Musikdirektor Burgmüller. Die beiden Musiker verstanden sich offensichtlich sehr gut, entwickelten die Initiative zur Gründung eines Musikfestes, nämlich der "Niederrheinischen Musikfeste" in Düsseldorf, Elberfeld und Köln, die dann 1818 mit der Gründung des Städtischen Musikvereins Düsseldorf offiziell in Düsseldorf begannen. In dieser Zeit übernahm Johannes Schornstein mit größter Wahrscheinlichkeit auch diverse Probenarbeiten im Musikverein und zwar in allererster Linie zur Vorbereitung der jeweiligen Musikfeste, dies in kongenialer Zusammenarbeit mit Friedrich August Franz Burgmüller, dem 1. Musikdirektor in Düsseldorf.

1819, 1823 und 1827 fanden die Musikfeste in Elberfeld statt. Bereits 1827 musste Elberfeld jedoch aus der Festorganisation aussteigen, weil weder die Räumlichkeiten noch die Gastzimmer der Stadt annähernd für ein solch großes Fest ausreichend vorhanden waren. Elberfeld wurde durch Aachen ersetzt.

1817 gründete Karl Gotthelf Glaeser den Barmer Singverein. Auf ihn folgten in der Leitung die Dirigenten Kayser, Hermann Schornstein, der 1853 seinem Vater Johannes Schornstein als Dirigent des Elberfelder Gesangvereins folgte. Von 1854-1859 leitete Karl Reinecke das Barmer Musikleben. Ihm folgte 1859 Anton Krause, ein Schüler von Friedrich Wieck.

1839 hatte sich eine Konzertdirektion gegründet, die durch Spenden und Sammlungen die Konzerte des Singvereins finanzieren sollte. Am 1.10.1861 konstituierte sich die Barmer Konzertgesellschaft.

Manfred Hill
– Ehrenvorsitzender –

Stand 1.1.2026