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Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818

Zum Tod von Johannes Meller-Vogelzang

Unser Mitsänger Johannes Meller-Vogelzang ist am 18. November gestorben. Mit den Worten von Karl-Hans Möller erinnern wir uns an Johannes.

… danke, lieber Proben-Nachbar, Du wirst mir beim Singen fehlen!

Das war der letzte Satz mit dem im März 2022 die Laudatio zum Abschied von Johannes (den seine Chorgeschwister Hans nannten) aus der aktiven Mitgliedschaft des Musikvereins endete.
Man hätte ruhig schreiben können: „Du wirst UNS beim Singen fehlen“, kritisierten damals einige Mitsänger aus der Bassgruppe, die sich gerne den guten Wünschen für sein Leben nach dem aktiven Chorgesang angeschlossen hätten. 

Viel früher als wir ahnen konnten, macht sich nun ein Nach-Ruf mit weitaus mehr traurigen Absendern nötig:

Lieber Hans: „DU WIRST UNS FEHLEN!“

Nur 18 Monate nach seinem letzten aktiven Konzerterlebnis in der Tonhalle erschütterte uns ebenda – unmittelbar vor der Aufführung von  Zoltán Kodálys „PSALMUS HUNGARICUS“ – die Nachricht von seinem Tod am 18.November 2023. 

Zum Menschenrechtskonzert 2022 fügte sich sein Bariton nach 44 Jahren noch ein letztes Mal in den Klang des Schlusschores von Beethovens IX. Sinfonie ein, dessen Schiller‘sche Vision der Brüderlichkeit unter dem sanften Flügel des Unendlichen von jedem auf seine Art so tröstlich verstanden werden kann. Vielleicht ist er nun – wie Mahler singt – „voraus gegangen“ und findet irgendwo die ewige Ruhe, die wir ihm so sehr wünschen. 

Sein Sängerabschied kam nicht plötzlich. Er wusste damals, dass der Zeitpunkt gekommen war, wegen seiner schweren Erkrankung die aktive Mitarbeit in unserem Chor zu beenden.

Die Aufführung von Beethovens IX. Sinfonie als „Menschenrechtskonzert“ war ihm ein geeigneter Moment für ein würdiges eigenes Finale, denn zum einen bekannte er sich ausdrücklich zu Adam Fischers Engagement, den Verfolgten Ehre und Stimme zu geben und zum anderen zählte er 56 Aufführungen dieses Werkes in seinem Sängerleben, über das er so begeistert zu fabulieren wusste. Ihm war klar, dass er das mindestens zweimal pro Woche angesetzte Musizieren und die beglückenden Konzerte, die er so zahlreich erleben durfte, vermissen würde.  Aber er hatte sich im Frühjahr 2022 für eine andere Art des Lebens entschieden, die ihm und seinem Mann Catharinus mehr Freiraum für spontane Dispositionen lassen sollte. Dem Chor versprach er, als begeisterter inaktiver Zuhörer treu bleiben zu wollen. Die Begegnungen am Rande von Konzerten, von denen er und wir gehofft hatten, eine Entfernung zu vermeiden, fanden nur noch vereinzelt und mit engen Freunden statt, denn der zunehmende Kräfteschwund durch die lange Krankheit stand den guten Vorsätzen im Wege. 

Johannes Meller-Vogelzang hat in seinem Abschiedsinterview beschrieben, wie er zur Musik fand und auf welch aufregende, spannende und beglückende Zeit er als Mitglied des Musikvereins dankbar zurückblicken konnte. Ihm war klar, dass Menschen, die zum Chorsingen kommen, ihr Interesse zur Begeisterung zu entwickeln vermögen, indem sie das Wunder der gesungenen Musik entdecken, erkennen und verinnerlichen. Bei dem aus Oberhausen stammenden Hans begann das sehr früh. Großvater und Mutter waren begeisterte Sänger im Kirchenchor und seine helle Sopranstimme, die im Schulchor entdeckt wurde, passte auch sehr gut in den Gesang unter der Orgel.  Als Sohn einer alleinerziehend verantwortlichen Kriegswitwe kam er nicht mit goldenen, sondern eher mit „sandigem“ Löffel auf die Welt. Trotz der schwierigen Bedingungen erlebte er viel Liebe, die er – seine Mutter bis in deren hohes Alter betreuend – auch intensiv zurückgab. Seine gute und sichere Stimme war auch während und nach der Lehre zum Feinmechaniker in seiner Heimatstadt vor allem in verschiedenen Kirchenchören der Region gefragt. Wolfgang Reichard, der nach fünf Jahrzehnten immer noch im Musikverein aktiv ist, überzeugte bereits 1977 den nach Absolvierung der Meisterschule inzwischen in Düsseldorf lebenden „Technischen Kaufmann“ zum Wechsel in den traditionsreichen Konzertchor der Landeshauptstadt.  Obwohl er nach einem weiteren Abschluss an der IHK im Innen- und Außendienst tätig war, gab es für ihn nur eine Prämisse: „der Dienstplan wird auch vom Probenplan des Chores bestimmt“. Er brauchte das regelmäßige Singen zum Stressabbau, zum Ausgleich und zur Erholung von den Mühen des Alltags.

Hans berichtete gerne und begeistert über seine Erlebnisse und Begegnungen während jener Zeit, als der Musikverein als ein in Europa und den USA gesuchter Konzertchor viel reiste und den Sängern die Chance bot, mit anderen Orchestern und zahlreichen berühmten Dirigenten zu musizieren. Aber er wurde nicht müde, diese Tourneen in den historischen Kontext einzuordnen und trotz des Schwelgens in Erinnerungen zu betonen, dass die spätere Abnahme der Gastspielanforderungen vor allem durch eine intensive Entwicklung nationaler Konzertchöre in Westeuropa und den Wegfall des Wettbewerbs der Systeme bedingt war. Er war und blieb stolz auf die beständige Qualität seines nunmehr über 200 Jahre alten vokalen Klangkörpers. 

Weitere Einzelheiten seiner Erinnerungen sind im Interview unter diesem Medium (link) nachlesbar. Ein Ereignis aber, das für viele Menschen eine glückliche Lebenszäsur darstellt, war auch für sein persönliches Leben ein wegweisendes. Am historischen 9.November 1989 stand im Concertgebouw in Amsterdam die „Grand Messe des Morts“ von Hector Berlioz auf dem Spielplan. Als der Beifall für das von Neeme Järvi geleitete Konzert verklungen war, sickerte die Nachricht vom Fall der Berliner Mauer durch. Die Choristen freuten sich gemeinsam mit ihren Sangesgeschwistern vom London-Philharmonia-Chorus über das weltbewegende Ereignis. Aber im Umfeld dieses Konzerts lernte er seinen heutigen Ehemann Catharinus Vogelzang kennen. Hans und Rinus waren mehr als 30 Jahre gemeinsamen Lebens, das sich auch in großer kulturgeprägter Partnerschaft realisierte, vergönnt. 

Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.