Beethoven: Symphonie Nr. 9

Die Auflösung des Nachlasses eines langjährigen Chormitglieds, Frau Margret Eitel, brachte im Jahre 2011(!) ein Tonband in das Schallarchiv des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf, das große Auszüge der Generalprobe zum Konzert von Eugen Szenkar im Juni 1957 dokumentiert hat. Szenkar hat Beethovens „Chorale“ in seiner Amtszeit 1952 – 1960 dreimal aufgeführt: 18./19. Juni 1953 und mit einer zusätzlichen Wiederholung am 5. September anlässlich der Düsseldorfer Funkausstellung, 1957 in der hier vorliegenden Fassung und als sein Abschiedskonzert am 9. und 10. Juni 1960. Dazwischen liegt noch eine weitere Aufführung des Werkes, jedoch unter Georg Ludwig Jochum am 19. Juni 1959. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die erste Konzertreise des Musikvereins nach Paris, wo unter der Leitung von Eugen Szenkar und gemeinsam mit dem französischen Rundfunkorchester sowohl die 9. als auch die „Missa solemnis“ zu einem grandiosen Erfolg wurden. Szenkar, der noch persönlich Gustav Mahler kannte, hat –so berichten Zeitzeugen- zahlreiche Retuschen und Änderungen Mahlers für seine Aufführungen u. a. auch der 9. Beethoven übernommen. Es mag sein, dass uns das zur Verfügung stehende Tonmaterial aus dem Jahre 1957 nicht im Detail diese Partiturfassung hörbar machen kann, was bleibt ist jedoch ein höchst interessantes Tondokument, das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert „modern“ klingt. Dynamisch verlangte Szenkar fast noch größere „Intervalle“ als dies beim berühmten 2. Karajan-Zyklus (1961/62) der Fall ist. Das hat leider zur Folge, dass bei dem aufgefundenen Band –auch auf Grund des Alters und der damals zur Verfügung stehenden Technik- die Eingangstakte zum 3. Satz (Violinen) sowie das „Freude“-Motiv der tiefen Streicher im p(pp) des Presto ( 4. Satz ) kaum noch zu vernehmen sind. Trotz dieser Einschränkungen glauben wir, mit der Aufzeichnung der Generalprobe zur 9. Symphonie ein wichtiges Dokument in Sachen Beethoven-Interpretation durch Eugen Szenkar in unser Schallarchiv aufgenommen zu haben.
Das Originalband weist nur ganz wenige Unterbrechungen seitens des Dirigenten auf: im 1. Satz: keine, im zweiten Satz eine, im 3. Satz wieder keine. Lediglich das Kontrabass-/Celli-Solo im Orchester-Rezitativ eingangs des 4. Satzes lässt der Dirigent mehrfach wiederholen. Im Interesse einer geschlossenen Darstellung des Gesamtwerkes sind die genannten Unterbrechungen bei der hier vorliegenden Fassung nicht berücksichtigt worden.
In den Konzerten vom 6./7. Juni 1957 stellte Eugen Szenkar der Symphonie noch die „Coriolan“-Ouvertüre op. 62 voran.