Beitrag aus den Kirchenmusikalischen Mitteilungen der Förderation evang. Kirchen in Mitteldeutschland zur SingPause

Eine mehrseitige Analyse von Christine Modersohn zu den Forschungsergebnissen von Karl Adamek (hierzu siehe Anmerkung) über die Wirkung musikalischer Grundausbildung für Kinder endet mit folgendem Fazit:

"...Der Düsseldorfer Musikverein hat genau dieses Problem erkannt. In einem Projekt, das von der Stadt unterstützt wird, schicken sie ausgebildete Sänger in die Grundschulen und lassen diese die "SingPause" gestalten – an jedem Tag unterbricht das Singen für zwanzig Minuten den laufenden Unterricht.

Ich denke, das ist der Weg, der das Problem in Zukunft verringern kann und gleichzeitig den Kindern eine weitere Ausdrucksmöglichkeit und Hilfe zur Alltagsbewältigung mit an die Hand gibt. Wir sollten positive Erfahrungen schaffen und gleichzeitig die Stimmen schulen – und Singen in allen Situationen im Alltag verankern. Die Eltern unserer heutigen Kinder haben selbst das Singen in dieser Art nicht mehr erlebt, deshalb können sie es den Kindern nicht mehr vermitteln. Singen als Persönlichkeitsbildung ist nur selbsttätig wirksam. Beim Hören einer CD o. ä. kann ein persönlichkeitsbildender Effekt nicht erwartet werden. Entscheidend ist die eigene Körperwahrnehmung und das Tun in einer lebendigen Beziehung (Mutter, Kindergartengruppe, Klasse, Chor). Große Events wie Kirchenmusikfesttage oder Chorfestivals sollten als Initialzündung für zukunftsweisende Projekte dienen – z. B.: Jeder teilnehmende Chor verpflichtet sich, eine Patenschaft zu einer Grundschule oder einem Kindergarten aufzubauen und dort Singen in den Alltag der Kinder hinein zu tragen. Oder: Zu den Chortreffen in der Region sollte mindestens ein Kinder- bzw. Jugendchor eingeladen werden, das Programm mitzugestalten. Eine Sammlung von Ideen in allen Chören der Region und ein gemeinsames Vorgehen nach der Erarbeitung eines Projektplanes wäre doch ein Anfang, oder?

Christine Modersohn
Christine Modersohn ist Kirchenmusikerin in der
Superintendentur Rudolstadt-Saalfeld."

- Karl Adamek promovierte nach dem Studium der Soziologie, Psychologie, Pädagogik und Musik zur sozialen Bedeutung des Singens. Er ist Initiator von "Il canto del mondo", eines internationalen Netzwerkes zur Förderung der Alltagskultur des Singens. Buchveröffentlichung: Singen als Lebenshilfe. Zur Empirie und Theorie von Alltagsbewältigung. Plädoyer für eine "erneuerte Kultur des Singens". Waxmann Verlag (Münster/New York/Berlin/München) 2008