Brahms: Ein Deutsches Requiem Brahms: Alt-Rhapsodie Brahms: Zigeunerlieder (Auswahl)

Es gibt künstlerische Partnerschaften, die sich über Jahrzehnte bewähren und erhalten; eine davon ist die Zusammenarbeit zwischen dem Städtischen Musikverein zu Düsseldorf und dem Orchestre Philharmonique de Liège. Erstmals traf man sich gemeinsam beim Flandern-Festival in Tongeren 1969, später in Kortrijk (1972) und St. Quentin (1975). 1976 gab es dann endlich das erste gemeinsame Konzert in Lüttich (Liège) mit der 9. Symphonie von Beethoven unter Paul Strauss. Zahlreiche weitere Konzerte folgten, so auch die „Faust-Szenen“ von Robert Schumann (1981) und die 3-teilige Fassung von Gustav Mahlers „Das klagende Lied“ (1985), jeweils unter Pierre Bartholomée. Die nachbarliche belgische Stadt besitzt aber nicht nur mit dem 1960 gegründeten Orchestre Philharmonique das einzige Orchester der Französischen Gemeinschaft Belgiens, sondern auch einen der schönsten Konzertsäle Europas. Dieser zum „Conservatoire Liège“ gehörende Saal wurde nach aufwendigster Restaurierung am 14. und 15. 9. 2000 feierlich wiedereröffnet: mit Gustav Mahlers 2. Symphonie, ebenfalls unter Mitwirkung des Städtischen Musikvereins und unter der Leitung von Gabriel Chmura. Das viel umjubelte Konzert wurde vom Belgischen Fernsehen live übertragen. Auch die hier dokumentierten Konzerte des Jahres 2008 hatten einen besonderen Anlass: unter dem Obertitel „Aimez-vous Brahms?“ führte Louis Langrée alle Hauptwerke des Hamburger Meisters auf, wobei unter anderem auch ein Augenmerk auf die Beziehung Brahms-Schumann gelegt wurde. Der Musikverein ist stolz darauf, an diesem wichtigen Projekt beteiligt gewesen zu sein, zumal beide Konzerte vom Belgischen Rundfunk aufgezeichnet und zeitversetzt gesendet wurden.

Große Begeisterung bei Publikum und Dirigent; nach dem Requiem war zunächst eine unglaublich lange Zeit absolute Stille, dann brach ein wahrer Applaus-Sturm über die Mitwirkenden herein, der –eine außergewöhnliche Auszeichnung- in lange anhaltendem, rhythmischen Beifall mündete.

Hingewiesen außerdem sei auf zwei Besonderheiten:

1) begegnet uns die Alt-Rhapsodie op. 53 erstmals in den Dokumenten des Schallarchivs;

2) hören wir den Chor des Städtischen Musikvereins auch einmal ohne Orchester, dafür aber mit der einfühlsamen und musikalisch begeisternden Begleitung seines großartigen Korrepetitors Reinhard Kaufmann!
Wenn schon häufiger die Rede von der Vielseitigkeit des Chores hinsichtlich der Bandbreite des Repertoires war, so kann man mit der vorliegenden Aufnahme auch jene Flexibilität nachvollziehen, die ein Chor haben muss, wenn er in einem Konzert sowohl symphonisch als auch kammermusikalisch bestehen will.

links: Louis Langreé bei der Klavierprobe in Düsseldorf

rechts: Nach den „Zigeunerliedern“ mit Reinhard Kaufmann und Louis Langreé