Debussy: Le martyre de Saint Sébastien Trois Nocturnes

Das 6. Symphoniekonzert der Spielzeit 1996/97 stand ganz im Zeichen französischer Musik des XX. Jahrhunderts; dem selten vollständig aufgeführten „Sebastien“ stellte Salvador Mas Conde die symphonischen Meditationen „Les offrandes oubliées“ von Olivier Messiaen voran. Beide Werke sind höchst anspruchsvoll und stellen hohe Anforderungen an die Ausführenden wie auch die Zuhörer, zumal dann, wenn –wie im Falle „Le martyre de Saint Sébastien“- die französische Originalsprache gewählt wird. Vergleichbar mit Berlioz‘ „Lelio“ spielt auch bei Debussy ein Sprecher eine herausragende Rolle. Leider zeigt die zur Verfügung stehende Aufnahme hier ein großes Defizit, da seine Stimme offenbar weder durch ein Saalmikrofon „gestützt“ wurde, noch seitens der Mikrofonisierung für die Mitschnitte der drei Konzerte in angemessener Form Rücksicht genommen worden wäre. Abgesehen von solchen Balance-Problemen jedoch verfügen wir glücklicherweise mit der vorliegenden Aufnahme über ein weiteres Tondokument, das die äußerst erfolgreiche Auseinandersetzung des Musikvereins mit „zeitgenössischer“ Literatur (und in Originalfassung!) eindrucksvoll belegt.

Dem gegenüber sind die „Trois Nocturnes“ geradezu populär, in Umfang und Schwierigkeit aber kaum vergleichbar. Dennoch stellt der Mitschnitt aus der Kölner Philharmonie in soweit eine Rarität dar, als der Musikverein gemeinsam mit dem WDR Sinfonie-Orchester in dessen ureigener Konzertreihe musiziert. Was in Frankreich oder Belgien für den „Laienchor“ aus Düsseldorf lang geübte Konzertpraxis war und ist, galt für das eigene Heimatland als „undenkbar“. Gleichwohl ist der Musikverein besonders auf dieses Engagement stolz, auch wenn hier „nur“ die Damen des Chores –verstärkt durch die Damen des Chores der Konzertgesellschaft Wuppertal- gefragt waren.

Technisch war das zur Verfügung stehende Ausgangsmaterial ein analoger Sendemitschnitt, dessen leider recht deutlicher Rauschpegel auch nach entsprechender Bearbeitung nicht ganz herausgefiltert werden konnte.

Fotos: Gary Bertini und Marieddy Rossetto