Eugen Szenkar – Generalmusikdirektor von 1952 bis 1960

Eugen Szenkar - Generalmusikdirektor von 1952 bis 1960

Eugen Szenkar (1891 – 1977)
In Budapest als Sohn des Komponisten, Organisten und Chorleiters Ferdinand Szenkar geboren, erhielt Eugen Szenkar seine musikalische Ausbildung an der königlichen Musikakademie seiner Heimatstadt. Nach Engagements als Korrepetitor an der Volksoper Budapest (1911) sowie als Chorleiter und Dirigent am Deutschen Landestheater Prag (1912) folgten Verpflichtungen als 1. Kapellmeister an der Volksoper Budapest (1913-15), am Stadttheater Salzburg und am Mozarteum (1915-16). 1916 wurde Szenkar Hofkapellmeister in Sachsen-Altenburg, wo er erstmals die großen Strauss-Opern und Wagners Ring aufführen durfte. In den Konzerten dirigierte er alle Mahler-Symphonien – ein deutliches Bekenntnis für einen zu dieser Zeit noch mehr als umstrittenen Komponisten. Der Liebe zu Mahler und dem bedingungslosen Einsatz für dessen Werk blieb Szenkar sein Leben lang treu.
1920 wurde Szenkar als Chefdirigent an die Frankfurter Oper berufen, in deren Orchester Paul Hindemith Bratschist war. Auch für diesen Komponisten sollte sich Szenkar in der Zukunft immer wieder einsetzen. In die Frankfurter Zeit fällt auch die Begegnung Szenkars mit Belá Bartók, dessen Oper Herzog Blaubarts Burg sowie das Ballett Der holzgeschnitzte Prinz er an der Frankfurter Oper zur deutschen Erstaufführung brachte.
Die nächste Station war die Volksoper Berlin, der er 1923-24 als GMD vorstand. Bereits in der nächsten Saison wechselte er als Nachfolger Otto Klemperers an die Kölner Oper, wo er 1926 die Uraufführung von Bartóks Pantomime Der wunderbare Mandarin leitete, der einer der größten deutschen Theaterskandale wurde. Weniger die Musik Bartóks als vor allem das als anstößig empfundene Sujet (die von Melchior Lengyel erfundene Fabel spielt in einem „Dirnen- und Räuber-Milieu“) erregte die Gemüter aufs höchste. Szenkar wurde aufgrund der Wahl dieses Werkes scharf von der Presse und Politik angegriffen: der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer persönlich verfügte die sofortige Absetzung des Mandarin vom Spielplan.
Trotz dieses Skandals blieb Szenkar bis 1933 in Köln. Dann jedoch verließ er Nazi-Deutschland, lebte und gastierte zunächst in Wien und Paris, bis er 1934 als Chefdirigent der Moskauer Philharmonie und Leiter der Dirigierklasse am Staatlichen Konservatorium in Moskau verpflichtet wurde. Hier schloss er Freundschaft mit Sergej Prokofjew, Nikolai Mjaskow, der ihm eine seiner Symphonien widmete, und Aram Chatchaturian. Doch auch in Russland wurde Szenkar Opfer der politischen Ereignisse: Als Folge der stalinistischen Säuberungsaktionen verließ er 1937 Moskau und lebte zwei Jahre in Paris, dem Treffpunkt zahlreicher Emigranten. In dieser Zeit gab er u.a. 24 Konzerte mit dem von Bronislaw Huberman gegründeten Palästina-Orchester. 1939 erhielt er eine Einladung nach Rio de Janeiro. Aus dem geplanten Gastspiel am Theatro Municipal wurde aufgrund des Kriegsausbruchs ein zehnjähriger Aufenthalt. Szenkar gründete das Orquesta Sinfonica Brasileira, dem u.a. Riccardo Odnoposoff als Konzertmeister und der Solocellist Eberhard Finke, später Solocellist des Berliner Philharmonischen Orchesters, angehörten. 1949 nahm er die brasilianische Staatsbürgerschaft an. Anders als sein jüngerer, ebenfalls als Dirigent tätiger Bruder Alexander jedoch, der 1938 nach Südamerika ausgewandert war und dort den Rest seines Lebens in Buenos Aires und Montevideo arbeitete, kehrte Szenkar 1949 nach Europa zurück, wo er zunächst in Paris lebte. 1950 übernahm er die GMD-Stelle am Nationaltheater Mannheim, zwei Jahre später, 1952, seine letzte feste Position in Düsseldorf. Bis 1960 leitete er die Düsseldorfer Symphoniker (damals noch Symphonieorchester der Stadt Düsseldorf genannt), gleichzeitig war er auch bis 1956 als Operndirektor für das Düsseldorfer Opernhaus verantwortlich. Unter Szenkars Leitung übernahmen die Düsseldorfer Symphoniker ihre erste große Auslandtournee nach Paris und London im Jahre 1954 zusammen mit dem Musikverein. Neun Jahre nach Kriegsende war die Tournee eines deutschen Orchesters mit einem Programm von Werken Bruckners und Strauss‘, die zu den musikalischen „Göttern“ Nazi-Deutschlands zählten, durchaus ein kulturpolitisches Wagnis, das jedoch durch die stürmische Begeisterung von Presse und Publikum aufs Schönste belohnt wurde.

Auch in Düsseldorf blieb Szenkar den musikalischen Größen treu, die ihn zu Beginn seiner Laufbahn geprägt hatten: neben den festen Säulen des klassisch-romantischen Repertoires die sogenannte „klassische Moderne“, vertreten durch Bartók, Strawinsky, Prokofjew, Wellesz, Honegger, Berg, Křenek. Von den Vertretern der jüngeren Generation bevorzugte er eine gemäßigte Richtung: Martinů, Villa-Lobos, Liebermann u.a. Mit der seriellen Avantgarde konnte und wollte Szenkar nichts anfangen: Von „blutleeren Experimenten“ sprach er im Vorwort zur Saisonvorschau 1954/55 im Gegensatz zur „klingenden Musik“. Überhaupt stand das Konzert, die aktuelle Aufführung, im Zentrum des Wirkens; es sind kaum Aufnahmen Szenkar‘scher Dirigate vorhanden, und selbst diese wenigen Dokumente sind heute allesamt unveröffentlicht.

1958 wurde er von Alma Mahler-Werfel zum Ehrenmitglied der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft ernannt. Er starb am 25. März 1977 in Düsseldorf. Auf seinen letzten Wunsch hin ist sein Grabmal dem Gustav Mahlers nachgebildet.