Felix Mendelssohn Bartholdy

Zum Stichtag am Ende des Todesjahres von Felix Mendelssohn Bartholdy sei dem Autor die Abschrift einer Glosse des Musikvereinsmitgliedes Bernhard Jahn aus dem 1980 erlaubt:

"Mendelssohn Bindestrich Bartholdy"
Eine Zwischenbemerkung
"Es ist schon ein Kreuz mit unserer Muttersprache. Je nach Mundart kämpft man mit korrektem Artikel oder Geschlecht eines Hauptwortes, das Setzen der Kommata gleicht sehr oft der (zumeist vergeblichen) Jagd nach der berühmten Sechs im Lotto. Überhaupt, die Satzzeichen - sie haben es faustdick hinter den Ohren. Programmhefte zu Konzerten, Biografien, ja selbst Artikel bekanntester Feuilletonisten sind bisweilen beredtes Zeichen der menschlich-grammatikalischen Unzulänglichkeit.

Ihm, dem Bindestrich im allgemeinen, vor allem aber jenem bei Doppeleigennamen seien hier einige Gedanken gewidmet. Lebende Zelebritäten können sich wenigstens noch der (bisweilen hämisch-absichtlichen) unkorrekten Schreibweise ihres Namens erwehren, solchen jedoch, die bereits von uns gegangen sind, ist die zumeist nicht mehr möglich, es sei denn, noch lebende Hinterbliebende kümmern sich um die Nachlaßpflege des lieben Verblichenen.
Hier und jetzt geht es um Felix Mendelssohn(-)Bartholdy als einem besonders signifikanten (Bindestrich-)Fall. Kulturbezogene Publikationen in der Landeshauptstadt, einer der Wirkungsstätten des großen Komponisten, sind von falsch plazierten Bindestrichen zwischen Mendelssohn und Bartholdy leider ebensowenig verschont geblieben wie Beihefte zu Schallplatten und CD-Editionen. Trotz hartnäckiger Kämpfe für den Wegfall dieses verflixten Stückchens Druckerschwärze - dessen Anwesenheitsquote ist noch immer bei nahezu 98 Prozent.

Dem geneigten Leser sei auf diese Weise versichert, daß die Schreibweise o h n e Bindestrich die korrekte ist. Beweis: Mendelssohn Bartholdy hat seine Briefe immer o h n e unterzeichnet. Die Verantwortlichen geloben gleichzeitig Besserung und Schulterschluß mit allen, die sich mit Leben und Werk des Menschen und Musikers Mendelssohn Bartholdy befassen - möge jener unsägliche Bindestrich alsbald der Vergangenheit angehören.

Er selbst wird, wo immer er sein mag, milde lächeln ob der "Schmach", die seinem Namen angetan wurde und wird, hier, anderswo, heute, zukünftig. Wichtig ist, daß seine Musik lebt, mit oder ohne Bindestrich. Und das tut sie, zumal sich ein solches Zeichen musikalisch relativ schwer interpretieren läßt."
Bernhard Jahn

Bild: Brief Mendelssohn Bartholdys mit seiner Unterschrift vom 12.10.1834 an den Düsseldorfer Oberbürgermeister Fuchius mit der Bitte, ihn aus dem Kirchendienst zu entlassen.