Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb einen Brief an seinen Freund Ignaz Moscheles in London, in dem er ihm mitteilte, dass Düsseldorf „ein kleines Nest ist, wo gar nichts vorgeht", zumal, wenn er an das lebhafte Londoner Leben denke. Dann schreibt er aber weiter:

„Du wirst denken, mir sei ganz rasend zu Muthe, aber ich begreife garnicht, wie ich in den Thon verfallen bin, denn mir ist eigentlich sehr behaglich und vergnügt; es ist erster Feiertag, in der Stube riechts stark nach leckerem Pfefferkuchen, den ich gestern bei Schadow aufgebaut bekam, nebst Hausrock von Hause, Schreibsachen und Süßigkeiten usw.. Inmitten dieser Herrlichkeiten habe ich einen sehr lustigen Tag zugebracht, und Abends läuft mir die Feder mit Bosheit davon. Auch Düsseldorf ist gar nicht so arg, wie ich´s Anfangs machte; Du sollst es schon loben, wenn Du den Musikverein seinen Seb. Bach singen hörst, wie einen Ritter; nächstens geben wir die „Jahreszeiten" und in den Fasten den „Messias", und ich stehe hier in fürchterlichem Respekt.
Aber ich glaube, mein Mißmuth kommt daher, daß mein Pferd Nachmittags mit mir durchgegangen ist, und zwar mitten über die Promenade der Stadt wie toll bis an den Stall; und ich saß darauf und blieb zwar sitzen, aber ich ärgere mich doch abscheulich und die Leute freuten sich, daß der Herr Musikdirektor ein so schnelles Tempo eingeschlagen hatte.
Und dann giebt es auch wirklich gar zu wenig hübsche Mädchen hier, man will doch nicht den ganzen Tag Fugen und Choräle komponiren. Mit meinem Oratorium (Paulus) geht es jetzt rasch vorwärts, ich arbeite am 2. Theil, und habe dieser Tage einen Chor in fis-Moll, einen lustigen Chor der Heiden gemacht, der mir selbst ungeheur Plaisir gemacht hat und den ich Dir gar zu gerne zeigte. Wie ich denn überhaupt gar zu sehr gespannt bin, ob Du mit meinen neuen Arbeiten zufrieden sein wirst. Einige Fugen, Lieder ohne Worte, mit Worten, ein Paar Etüden, habe ich seit kurzem gemacht.
Düsseldorf, den 25ten December 1834 - Felix M.B."

Felix Mendelssohn Bartholdy lebte vom September 1833 bis zum August 1835 im Hause von Wilhelm von Schadow am Flinger Steinweg.

Bild: Reisetruhe Mendelssohns, ein Geschenk von Londoner Freunden mit einer Londoner Straßenszene auf der Vorderseite, im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig und als Dauerleihgabe im Mendelssohnhaus in Leipzig zu sehen.