Franck: Psyché

Der belgische Komponist Cesar Franck ist in Deutschland –und andernorts- meist nur durch seine populäre d-moll-Symphonie bekannt, ab und an hört man eines seiner zahlreichen Orgelwerke. Gleichwohl hat Franck zwei bedeutende Chor-Orchesterstücke geschrieben, die sich nun auch im Werkverzeichnis des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf wiederfinden: „Les Beatitudes“ waren im November 1902 unter der Leitung von Julius Buths in Düsseldorf erstmals zu hören, und nun Francks ausladende Symphonische Dichtung „Psyché“ als Gastkonzert zum 75sten Jubiläum des Orchestre National de Belgique unter der Leitung von Andrey Boreyko, der Chefdirigent sowohl in Düsseldorf als auch in Brüssel ist. Dabei darf man ruhig darauf hinweisen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn ein deutscher Chor zu solch einem Anlass und mit einem der großen Werke Cesar Francks in die belgische Hauptstadt eingeladen wird. Für den Musikverein insoweit auch eine neue Erfahrung, als die Partitur zwar einen gemischten Chor vorsieht, auf die Bass-Stimmen jedoch gänzlich verzichtet. Gut drei Wochen nach Vaughan Williams‘ „Sea Symphony“ in englischer Sprache durfte der Chor seine Flexibilität in mehrfacher Hinsicht beweisen: Französisch und –in krassem Gegensatz zur dramatisch auftrumpfenden Klangwelt der britischen Spätromantik- subtilste impressionistisch-melancholische bis schwermütige Farbenspiele, Tonmalerei auf dem Weg von Wagner zu Debussy. Publikum wie Dirigent dankten für die -auch in Belgien in dieser vollständigen Version selten zu hörenden- Geburtstagsgabe, die auf eindrucksvolle Weise eine über Jahrzehnte gewachsene musikalische Verbindung beider Nachbarstaaten erneut und mit Blick auf die Zukunft bekräftigte: Eine erneute Einladung an den Chor wurde für die Saison 2013/2014 ausgesprochen.

Boreyko, Andrey

Andrey Boreyko, Chefdirigent in Düsseldorf und Brüssel