Frohe Ostern – geht das?

Aus dem Home-Office grüße ich alle Freunde und Förderer des Städtischen Musikvereins und der SingPause und grüße alle Sängerinnen und Sänger des Chores. Wir vermissen Sie und uns. Wir vermissen unsere Probenarbeit. Corona unterbrach jäh unsere musikalischen Vorbereitungen zu Haydns „Die Jahreszeiten“. Am 15., 17. und 18. Mai soll das Werk zur Aufführung kommen. Ob sich das realisieren lässt, steht nicht nur wegen unserer Probenausfälle in den Sternen. Wir müssen aber noch abwarten, wie sich die Behörden entscheiden.

Zwanzig SingPause-Konzerte in der Tonhalle mussten wir endgültig absagen. Große Traurigkeit bei bald 16.000 Grundschulkindern, Tausenden von Eltern und Großeltern, allen unseren Singleiter*innen und den vielen Schulleitungen mit deren Lehrpersonal. Große Traurigkeit bei Frau Rossetto und mir, zumal die immensen Vorbereitungen bereits abgeschlossen waren.

Hierzu kann ich Ihnen aber auch mitteilen, dass wir am letzten Samstag in der Tonhalle ein virtuelles SingPause-Konzert produziert haben. Am Gründonnerstag um 11.00 Uhr werden wir das Konzert mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Thomas Geisel - gerade noch kurz vor dem Osterfest - ins Netz stellen. Achten Sie auch auf Hinweise in der Presse.

Was versendet man in diesem besonderen Jahr für Ostergrüße?

  • Frohe Ostern und fröhliches Eiersuchen mit den Enkeln?
  • Wünsche für ein fröhliches Fest mit der Familie?
  • Wünsche für schöne Ferien?

Mit diesen guten Wünschen an Sie würde ich unserer tatsächlichen Wirklichkeit nicht gerecht.

Das Osterfest 2020 wird in die Geschichte eingehen als großer Einschnitt in unser Leben, aber auch und vor allem als Zeit der gesundheitlichen Sorge und der Trauer um die vielen verstorbenen Menschen in unserem Land und in der Welt.

Das Osterfest 2020 wird in die Geschichte eingehen als Zeit von existenziellen Sorgen bei tausenden und abertausenden Menschen.

Das Osterfest wird in die Geschichte eingehen als ein Fest mit geschlossenen Kirchen, Moscheen und Tempeln. Das ist eine Jahrtausend-Einschränkung, die die Gläubigen aller Religionen außerordentlich bedrängt. Gerade die Karwoche ist für einen Christen mit enormer Hoffnung versehen. Gerade jetzt denke ich an meine Jugendzeit, die bei mir auch eine intensive Zeit als Messdiener war. Palmsonntag als Tag der Verehrung mit Beschaffung von Palmzweigen und Prozession. Gründonnerstag als Tag der Hoffnung. Karfreitag als Tag der archaischen Trauer mit dem Verstummen der Glocken und dem Tausch der Messdiener-Glöckchen gegen Holzklappern. Ostersonntag mit der von Freude getragenen Osternacht, den zurückkehrenden Glocken und Glöckchen, der prachtvollen Osterkerze zur Liturgie und dem darauffolgenden Beisammensein im familiären Umfeld mit dem fröhlichen Suchen von versteckten Ostereiern und kleinen Geschenken.

Wenn wir die momentan so notwendigen Einschnitte in unser Leben überstanden haben, werden wir uns rückblickend, in einigen Jahren an eine besonnene Staatsführung erinnern dürfen. Wir werden ganz sicher und hoffentlich auf Dauer sehr stolz auf unsere Helden der Gesellschaft in allen systemrelevanten Berufen sein. Auch hoffe ich, dass wir feststellen können, dass wir von der entstandenen Hilfsbereitschaft und Empathie der Bevölkerung etwas in die Zukunft retten konnten.

So sehen meine Osterwünsche 2020 heute wie folgt aus:

  • Bleiben Sie gesund!
  • Vertrauen Sie der Wissenschaft und der staatlichen Führung!
  • Halten Sie die Regeln ein!
  • Sind Sie ein Vorbild bei der notwendigen Besonnenheit!

Der kommende Karsamstag hält für meine Frau und mich noch eine besondere Überhöhung bereit: Wir werden unsere Goldene Hochzeit „einsam zu zweit allein“ begehen dürfen. Mit unseren Kindern und Enkeln werden wir per Skype die Eier suchen. Beim morgendlichen Frühstück erheben wir unser Glas mit einem hoffnungsvollen „Prosit“ auf Sie und alle Freundinnen und Freunde von Musikverein und SingPause.

Viele Grüße und alle guten Wünsche

Ihr

Manfred Hill

-Vorsitzender-

am 8.4.2020 – 13.00 Uhr