Gerd Albrecht verstorben

Gerd Albrecht (1935 – 2014)

Er galt als ein äußerst strenger, gewissenhaft und zielorientiert arbeitender Musiker, der seinen scharfen Intellekt weit über die Grenzen seines Fachgebietes hinaus immer wieder akzentuiert einsetzte: Gerd Albrecht ist am 2. Februar 2014 in Berlin gestorben. Der 1935 in Essen geborene Dirigent und Musikerzieher wurde zum glühenden Verfechter der Musik des 20sten Jahrhunderts, wobei seine Uraufführungen z.B. von „Lear“ (A. Reimann) mit Fischer-Dieskau legendär waren. Zahllose Einspielungen besonders der so genannten „Entarteten Musik“ fanden sich z.B. bei Koch-Schwann, einem Label, das dem universellen Sterben der Tonträgerindustrie zum Opfer gefallen ist, und deren Produktionen derzeit nicht verfügbar sind. Bekannt wurde Gerd Albrecht auch durch die in der Nachfolge von Leonard Bernsteins „Young people’s concerts“ bereits in den Kindertagen des deutschen Fernsehens ausgestrahlten Jugendkonzerte, wobei er auch als didaktisch ausgezeichneter Moderator hervortrat. Im Laufe der Zeit bildete sich seine enge Zusammenarbeit mit Peter Ruzicka heraus, die Gerd Albrecht sowohl als häufigen Gast des RSO Berlin (Deutsches Symphonie-Orchester), als später dann auch in der Position des hamburgischen Generalmusikdirektors an der dortigen Staatsoper sah, die Ruzicka als Intendant leitete.
Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf durfte die Verbindung Ruzicka-Albrecht dankbar nutzen, als es im Januar 1989 erstmals zu einer künstlerischen Begegnung anlässlich dreier Aufführungen von Berlioz großer Totenmesse op.5 in der Hamburger Musikhalle kam. Den landesweiten Respekt vor der sprichwörtlichen Strenge Albrechts drückte der damalige Vorsitzende des Musikvereins, Kunibert Jung, nach zwei außergewöhnlich harmonisch verlaufenden Proben dem Maestro gegenüber –vorsichtig- aus. Dieser antwortete: „Was soll ich denn machen? Ihr fresst mir ja aus der Hand!....“ 1993 holte Gerd Albrecht den Chor erneut dreimal nach Hamburg, um gemeinsam Robert Schumanns „Manfred“ vorzustellen. Einen so großen Konzertchor zu einer derart überschaubaren Aufgabe extra nach Hamburg zu holen spricht für die Wertschätzung, die Gerd Albrecht dem Musikverein entgegenbrachte.
In den letzten Jahren war es still um ihn geworden. Mit Gerd Albrecht hat die Musikwelt einen der markantesten Köpfe im Musikleben des 20. Jahrhunderts verloren. Der Musikverein und seine Freunde werden seiner in Ehren gedenken.
Rainer Großimlinghaus am 3.2.2014