Händel: Israel in Ägypten

Dieser Mitschnitt ist in mancherlei Hinsicht kurios: Sir John Eliot Gardiner zählte bereits Anfang der achtziger Jahre des 20sten Jahrhunderts zu den profiliertesten Kennern und Interpreten der Barockmusik; für den Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf also eine Ehre und Herausforderung, verbunden mit Dankbarkeit gegenüber Bernhard Klee, der sich immer wieder nicht scheute, auch „große Namen“ in die Tonhalle zu verpflichten. Umso merkwürdiger mutet aus heutiger Sicht an, dass der Chor das Werk in einer deutschen Übersetzung einstudierte. Gardiner, der selbstverständlich das englische Original voraussetzte, nahm das vorgefundene –zudem recht holprige- Deutsch mit vornehmer britischer Toleranz zur Kenntnis (und schlussendlich auch hin). Geradezu fassungslos reagierte der Verfechter „authentischer“ Aufführungen, als er bei der ersten Probe einen Chor vorfand, der nicht weniger als 170 Sängerinnen und Sänger umfasste. Es sei an dieser Stelle jedoch nicht verschwiegen, dass Sir John sich post festum von der Flexibilität eines zahlenmäßig so stark besetzten Ensembles sichtlich beeindruckt zeigte. Dennoch bestätigt die Aufnahme eine in vielen Facetten „andere“ Interpretation als die im Juli 1985 zusammen mit dem von Gardiner gegründeten Monteverdi Choir and Orchestra entstandene erste (ERATO) CD-Produktion (eine weitere folgte gut 10 Jahre später bei PHILIPS) des selben Werkes.