Händel-Mendelssohn: Israel in Ägypten

„Israel in Egypt“ von Händel im Jahre 2009 nicht im englischen Original, sondern in deutscher Übersetzung aufzuführen muss schon deutlich begründet sein. Der Chor des Städtischen Musikvereins jedenfalls war fest davon ausgegangen, dass für die 3 Konzerte in der heimischen Tonhalle selbstverständlich das Original einzustudieren ist. Doch: weit gefehlt! Frieder Bernius, der als kompetenter Gastdirigent für ein solch herausragendes Chorkonzert verpflichtet worden war, nahm die Düsseldorfer Musikgeschichte ernst, und besann sich auf die durch Felix Mendelssohn Bartholdy höchst selbst geleitete und arrangierte Fassung vom 26. Mai 1833 anlässlich des 15. Niederrheinischen Musikfestes. Auch stellte Bernius –wie einst Mendelssohn- dem Teil II seine 1825 entstandene „Trompeten-Ouvertüre“ voran, wobei er auf Teil I des Uraufführungsmanuskriptes von Händels Oratorium –wie auch heute noch üblich- verzichtete. Diese, dem Chor erst weit nach Beginn der Probenarbeit mitgeteilte Entscheidung zwang kurzfristig zu einer völlig andersartigen Einstudierung, was allerdings intern zu nicht unerheblichen Irritationen führte. Wie 1982 Sir John Eliot Gardiner (vergl. Vol. 22) war auch Frieder Bernius zunächst von der Größe des Chores überrascht und bezeichnete seine Arbeit forthin als „Experiment“. Er, der es gewohnt war, fast ausschließlich mit kammermusikalisch besetzten Profi-Ensembles zu arbeitet, sah sich und seine musikalischen Mitstreiter somit einer Herausforderung besonderer Art gegenüber. Gleichwohl beweist die vorliegende Aufnahme, mit wie viel Engagement der Musikverein einmal wieder unerwartete und anspruchsvolle Aufgaben umzusetzen in der Lage ist, auch dann, wenn ursprünglich ganz andere Voraussetzungen angekündigt waren und erwartet wurden. Es ist dies somit ein weiterer Beleg dafür, ein wie kostbares Instrument Düsseldorf mit seinem Konzertchor hat…!