Haydn: Die Jahreszeiten

Unsere heutige Zeit mag zu der Beschaulichkeit des Werkes kaum mehr so recht passen, aber grade als liebevollen Kontrast zur „Jetzt-Zeit“ hätten doch sowohl „Schöpfung“ wie „Jahreszeiten“ von Haydn ihren berechtigten Platz –auch in den Konzertprogrammen unserer Tage!? Tatsache ist, dass es beide „Gründungswerke“ des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf in den Nachkriegsprogrammen ausgesprochen schwer zu haben scheinen. Die Generalmusikdirektoren Hollreiser und Martinon waren

-vor Mas Conde- die einzigen Musikchefs, die, man möchte fast sagen den „Mut“ hatten, ein Sittengemälde wie die Jahreszeiten dem realen Leben der Menschen entgegenzustellen. Denkt man an das Konzertdatum 1947 unter Heinrich Hollreiser, so darf man sicher auch von „Balsam für die waidwunde menschliche Seele“ jener Tage sprechen.

Über den Düsseldorfer Rahmen hinaus waren die beiden Konzertreisen mit Haydns Jahreszeiten von erheblicher, auch kulturpolitischer Bedeutung: 1963 mit Jean Martinon nach Paris und 1977 unter Uri Segal (siehe Vol. 28) mit dem Residentie Orkest nach Den Haag und Amsterdam. Wenn der Chor des Städtischen Musikvereins besonders in der Nachkriegszeit sich ein Profil erarbeitet hat, das deutlich in die komplexe Musikliteratur des XX. Jahrhunderts weist, so bleiben natürlich die Zeugnisse des Chor-Ursprungs ohne Frage wichtige Bestandteile des Repertoires; und man tut sicher gut daran, sie dieser künstlerischen Herkunft ab und an zu erinnern.

So war es in diesem Sinne ein Teil „Verpflichtung“, der den Städtischen Musikverein dazu bewog, auf eines der beiden Gründungswerke anlässlich seines 180jährigen Bestehens zu drängen. Die Wahl fiel auf „Die Jahreszeiten“; eine glückliche Entscheidung, zumal –wie wir heute wissen- Salvador Mas Conde eine mitreißende Interpretation realisierte. Dramatische Höhepunkte waren ohne Frage die Gewitterszene (Sommer) und die Jagd (Herbst). Die Düsseldorfer Symphoniker präsentierten sich in Hochform, wobei wir besonders die Hörner-Kür bei der Jagdszene herausstellen möchten: Parforce-Hörner par excellence!

Übrigens: Salvador Mas Conde leitete die Konzerte von einem Hammerflügel aus, was u. a. den beachtlichen „Drive“ der Aufführungen bewirkte.

Mit der aufnahmetechnischen Seite der Jahreszeiten scheinen wir jedoch etwas Pech zu haben: mussten wir bei Vol. 28 (Amsterdam/NOS) Kanalausfälle und UKW-Sendeschwankungen hinnehmen, so hat 1998 in der heimischen Tonhalle sicher jemand die –vermutlich geäußerte- Bitte, den Chor akustisch „nicht untergehen zu lassen“ etwas missverstanden: prompt kam es bei Chor-Tutti-Stellen zu (teils erheblichen) Verzerrungen schon auf dem DAT-Band. Im Zuge der Nachbearbeitung wurde natürlich versucht, diese „Clips“ zu mildern, jedoch ist das nicht immer und nicht vollständig gelungen. Ferner weist der Umstand, dass die –hervorragenden- Solisten akustisch im Abseits abgebildet sind darauf hin, dass die Aufzeichnung seinerzeit nicht durchgehend „betreut“ wurde.

Gleichwohl dürfen wir uns über ein beeindruckendes, engagiertes und von hörbarer Begeisterung getragenes Zeitzeugnis freuen.

Rückseite der Schallarchiv-CD
zum Jubiläumskonzert 180 Jahre 
Musikverein
Rückseite der Schallarchiv-Doppel-CD Vol. 95