Hector Berlioz: Grande Messe des Morts

Marek Janowski (Mitte) im Ü-Wagen des WDR mit den Aufnahme-TeamsDie „Hohe Domkirche St. Peter“, besser bekannt als „Kölner Dom“, hat einen gemessenen Nachhall von etwas mehr als 13 Sekunden, was jegliche musikalischen Aufführungen mit großem Orchester eigentlich ausschließt. Marek Janowski war im Jahr 1989 jedoch der Meinung, dass man es versuchen solle. Janowski, der von 1984 – 2000 Chefdirigent des L‘Orchestre Philharmonique de Radio France, und in gleicher Position von 1986 – 1990 beim Gürzenich-Orchester Köln tätig war, setzte sich gegen zahlreiche Bedenken (auch aus den Reihen des Domkapitels) durch, und wagte das Experiment: Am 05. Juli 1989 führte er Orchester und Chor des Französischen Rundfunks mit seinem Kölner Orchester sowie den Sängerinnen und Sängern des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf zusammen. Es handelte sich somit nicht nur um ein französisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt, sondern auch um eine musikalische Allianz zwischen den rheinischen Nachbarstädten Köln und Düsseldorf. Kaum ein anderes Werk, wie die große Totenmesse von Berlioz erscheint auch im Nachhinein dazu geeignet, zumal Berlioz einen derart gewaltigen Kirchenraum geradezu in die Partitur hineinkomponiert zu haben scheint. Einen Kompromiss musste Marek Janowski allerdings eingehen: Chor und Orchester fanden auf einer gigantischen Bühne Platz, die im südlichen Seitenschiff errichtet worden war, also im 90°-Winkel zur Hauptachse des Doms, wodurch sich zumindest für die Ausführenden der Nachhall ein wenig reduzierte. Zu der hier vorliegenden Audio-Fassung existiert auch eine im Jahre 2011 von Harmonia Mundi herausgebrachte DVD (HMD 9909037), die jedoch nur einige wenige, sehr wohl aber imposante optische Eindrücke dieses Jahrhundert-Experiments vermittelt. Trotz der beschriebenen akustischen Bedingungen fühlte sich der besonders in diesem Werk wohl geübte Chor des Städtischen Musikvereins in ansonsten hoch professioneller Umgebung ausgesprochen wohl.