Lebenslauf
Julius Buths

Musikfest = Düsseldorf - 70. Niederrheinisches Musikfest am 21., 22. und 23. Mai 1893

Julis Buths war der „Festdirigent" dieses 70. Niederrheinischen Musikfestes im Jahre 1893. Folgendes Programm konnte das aus aller Herren Länder angereiste Publikum genießen:

22.5.1893:
Ludwig van Beethoven: „Symphonie Nr. 5 c-Moll"
Hector Berlioz: „Faust´s Verdammung"
Das Städt. Orchester
Tonhalle Düsseldorf

Zur Textfassung ist dem Programmheft folgendes zu entnehmen:
"Einige Stücke des Libretto`s entstammen der französischen Faustübersetzung von Gérard de Nerval: der Text der 1., 4., 6. und 7. Scene hat Gandonnière, das Uebringe Berlioz zum Verfasser. Für die aus der Nerval'schen Faustübersetzung herrührenden Stücke bringt das vorliegende Textbuch wieder die Goethe'schen Originalstellen. Der deutsche Text der Chornummern ist der Kniese'schen Üebersetzung, derjenige der Einzelgesänge einer Uebersetzung von Julius Buths entnommen. Die Kniese'sche Uebersetzung ist Eigenthum des Verlegers Riehault & Cie., Editeur de musique, Paris, 4 Boulevard des Italiens; der Abdruck erfolgt mit Genehmigung des Verlegers."

Wir zitieren aus dem Programmheft dieses Festes:

"...Erst in den letzten Jahren hat sich das Interesse der musikalischen Kreise in grösserem Maasse als bisher der dramatischen Legende von Hector Berlioz: die Verdammung Fausts zugewandt, namentlich fand die Berliner Aufführung unter Klindworth vielfache Beachtung. Der städtische Musikdirektor unsrer Stadt Julius Buths war allerdings einer der Ersten, welcher das Werk und zwar am 29. Januar 1891 in Düsseldorf zur Aufführung brachte, und der lebhafte Erfolg, den die Darbietung beim Publikum wie bei den auch von auswärts zahlreich anwesenden Musikern und Musikberichterstattern fand, bildete einen hinlänglichen Grund, um nunmehr das Werk mit verstärkten Mitteln auch den Gästen des Musikfestes vorzuführen."

Zur Entstehung des Werkes schrieben die Musikvereinschronisten folgenden interessanten Beitrag im gleichen Programmheft:

"...Die ersten Anfänge der Composition reichen noch in die Zeit zurück, als Berlioz 1828 im Alter von 25 Jahren, nicht dem eignen Triebe, sondern einem Wunsche seines Vaters gehorchend, sich um den Rompreis des Pariser Coservatoriums bewarb. Als er, voläufig nur mit der Hälfte des zweiten Preises versehen, zur Verbringung seiner Ferien zu seinen Eltern, fuhr, da entwarf er, ganz von dem Goethe'schen Faust erfüllt, schon im Innern des Reisewagens das Lied vom König von Thule. Zu Hause angelangt, vollendete er den Ostergesang, den Bauerntanz, den Sylphen-, Studentenchor, Mephistos Lied über den Floh, Gretchens Lied am Spinrad und das Ständchen Mephistos. Das Ganze ließ er auf seine Kosten drucken und sandte zwei Exemplare der Partitur an Goethe. Der Brief, welcher die Sendung begleitete, ist neuerdings im Goethe-Jahrbuch von 1891 durch Dr. Max Friedländer veröffentlicht worden und lautet wie folgt:

"Gnädiger Herr!
Da seit einigen Jahren der Faust meine gewohnte Lektüre geworden ist und da ich, obschon ich dies erstaunliche Werk nur durch die Nebel der Uebersetzung wahrnehmen kann, über dasselbe vielfach nachgedacht habe, so hat es schliesslich auf meinen Geist einen sonderbaren Reiz ausgeübt; musikalische Gedanken haben sich um Ihre dichterischen Vorstellungen gruppirt, und, obschon ich fest entschlossen war, nie meine schwachen Accorde mit Ihren erhabenen Accenten zu vereinen, so ist die Versuchung doch nach und nach so mächtig, der Reiz so heftig geworden, dass ich fast ohne mein Wissen die Musik zu mehreren Scenen vollendet fand.
Ich habe soeben meine Partitur veröffentlicht, und so unwerth sie auch sein mag, Ihnen dargeboten zu werden, so nehme ich mir heute doch die Freiheit, sie Ihnen zu überreichen. Wohl bin ich überzeugt, dass Sie schon eine stattliche Anzahl von Compositionen jeder Art, die durch das wundervolle Gedicht angeregt wurden, empfangen haben; ich habe also allen Anlass zu fürchten, dass ich, indem ich nach so vielen Andern hinterherkomme, Ihnen nur lästig falle. Aber wenn auch in dem Ruhmesglanze, in dem Sie leben, Aeusserungen von Unbekannten Ihnen keinen Eindruck machen können, so hoffe ich wenigstens, dass Sie einem jungen Componisten verzeihen werden, dessen Herz von Ihrem Genie geschwellt und dessen Einbildungskraft durch dasselbe entflammt ist, und der einen Ausruf der Bewunderung nicht unterdrücken konnte.
Mit tiefster Achtung u.s.w. Hector Berlioz
Paris, 10. April 1829"

Bild: Titelblatt des Programmheftes zu diesem Musikfest.