Leonard Bernstein zum Gedenken

Happy Birthday, Lenny!

In der zweiten Hälfte des XXsten Jahrhunderts gehörte der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf sicher zu den meistgereisten Konzertchören in Deutschland, wenn nicht in Europa. Verantwortlich für die hierzu notwendige Organisation waren in erster Linie die Vorstandsmitglieder Giesela Kummert, Manfred Hill, Rainer Großimlinghaus und natürlich der damalige Vorsitzende Kunibert Jung. Im Zeichen des 100sten Geburtstages von Leonard Bernstein erinnert sich Rainer Großimlinghaus wie folgt:

Rainer Großimlinghaus im Gespräch mit Leonhard Bernstein anlässlich eines Konzertes der Wiener Philharmoniker am 27.10.1984 in der Düsseldorfer Tonhalle. Die soeben bei EMI erschienene LP "Schumann-Requiem + Requiem für Mignon" wurde dem sehr interessierten Maestro überreicht.
Rainer Großimlinghaus im Gespräch mit Leonhard Bernstein anlässlich eines Konzertes der Wiener Philharmoniker am 27.10.1984 in der Düsseldorfer Tonhalle. Die soeben bei EMI erschienene LP "Schumann-Requiem + Requiem für Mignon" wurde dem sehr interessierten Maestro überreicht.

„Irgendwo im Archiv des Musikvereins muss es noch ein Foto von Leonard Bernstein (im Bademantel und einem Glas Whisky in der Hand – so etwas wie ein Markenzeichen -) mit Kunibert Jung geben. Das war der 22. September 1989, als wir zu einem Konzert der Wiener Philharmoniker in die Beethovenhalle nach Bonn fuhren. Hintergrund war damals weniger das (grandiose) Konzert (u.a. mit der 7. Beethoven), sondern vielmehr die Lage, die nach der Absage der 8. Mahler durch das Concertgebouw entstanden war. Seinerzeit sollte Leonard Bernstein seine für die Deutsche Grammophon geplante Mahler-Gesamteinspielung mit der 8. Symphonie in Amsterdam vollenden. Die guten Erfahrungen, die gemeinsam mit dem Philharmonia Chorus unter Bernhard Haitink im Jahr zuvor dort gesammelt worden waren, hatten zu diesen Plänen im Concertgebouw geführt. Leider musste man dann in letzter Minute mit Blick auf die hohen Kosten von diesem Vorhaben Abstand nehmen. Der Musikverein war schon damals so leicht nicht aus der Bahn zu werfen, und so suchten Kunibert Jung und ich gemeinsam mit Leonard Bernstein und seinem Manager Harry Kraut nach einem Weg, die 8. Mahler unter Umständen in New York gemeinsam mit dem Westminster Choir und New York Philharmonic zu realisieren. Dieses Projekt war im Laufe des Jahres 1990 schon weit gereift, als im Oktober der große Musiker, Komponist, Pianist und Dirigent starb und damit alle derartigen Pläne zunichte waren. Es sollte bis 2018 dauern, damit der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf endlich Gelegenheit bekam, Mahlers Riesenwerk unter Adam Fischer in seiner Heimatstadt Düsseldorf für die CD einzuspielen.

Indirekt war die Berufung von David Shallon als Nachfolger Bernhard Klees „Schuld“ daran, dass sich der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf intensiv mit Leonard Bernstein als Komponisten auseinandersetzen konnte. Shallon, einst Assistent von Bernstein, setzte sowohl die 3. Symphonie „Kaddish“ (1991) als auch seine Chichester Psalms (1990 und 1996) auf das Programm. Im Mai 2007 dirigierte Marcus Bosch die Kaddish-Symphonie, und für Dezember 2018 wird mit der „MASS“ das wohl aufwändigste und komplexeste Werk des Jubilars Bernstein in Düsseldorf zu hören sein. Eine Herausforderung, die auch eine Verbeugung vor einem der gigantischsten Musiker-Persönlichkeiten des XXsten Jahrhunderts sein wird.

Happy Birthday, Lenny!”

Rainer Großimlinghaus

25.08.2018 - 11.00 Uhr