Mahler: Das klagende Lied (Fassung von 1880)

Unbeschadet der weltweiten Mahler-Renaissance seit den 60er Jahren des XX. Jahrhunderts macht es doch etwas Staunen, dass Mahlers Jugendwerk „Das klagende Lied“ erst 1984 unter Heinz Wallberg (siehe Schallarchiv Vol. 86) in Düsseldorf zu hören war, dann allerdings gleich in der inhaltlich schlüssigeren 3-teiligen Fassung. Der Chor des Städtischen Musikvereins hat das Werk in der Folge vielfach im In- und Ausland vorgestellt, teilweise für Veranstalter wie Publikum als absolute „Neuentdeckung“. Fast fühlt man sich an die zahlreichen Fassungen der Bruckner-Symphonien erinnert, wenn man den „Leidensweg“ von Mahlers Opus 1 nachvollzieht. In diesem Zusammenhang verweisen wir gerne auf eine äußerst lesenswerte und aufschlussreiche Arbeit des langjährigen Musikvereins-Mitglieds Erich Gelf in der „Neuen Chorszene“ Nr. 14, I/11. Hier wird auf die „Erstfassung in drei Sätzen von 1880“ hingewiesen, die in gedruckter Form 1997 von der Universal-Edition, Wien herausgegeben wurde. Die danach entstandene CD-Produktion unter Kent Nagano (10.1997) aus Manchester gilt fortan als legitimes „Master“. Düsseldorf 2011 beruft sich zwar auf dieses „Vorbild“, reduziert dann aber doch auf das „pragmatisch Machbare“, indem man die 14 (!) Solisten in den kleineren Partien chorisch besetzt, womit sich die Gesangssoli auf 6 (incl. der beiden Knabenstimmen) reduzieren.
Mahlers gigantomanische Urfassung (6 Harfen!) bleibt also weiterhin ungehört. Was wir erleben können ist ein „Klagendes Lied“, das uns mit jeder Note Hochachtung vor den musikalischen Grundgedanken eines Teenagers abverlangt. Hoffen wir, dass –wie in der Folge von 1984- der Chor des Musikvereins erneut gefragt wird, dieses wichtige Werk der Mahler-Literatur auch andernorts zu interpretieren. Die sehr schöne Zusammenarbeit mit Martyn Brabbins jedenfalls machte allen Beteiligten „Lust auf mehr….“

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Martyn Brabbins