Norbert Burgmüller

Der Komponist Norbert Burgmüller bewarb sich für die Stelle des Musikdirektors in Düsseldorf als Nachfolger seines Vaters und eventueller Nachfolger von Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Absicht, die Stelle in Düsseldorf aufzugeben immer deutlicher wurde.

An diesem Tage erfolgte in der Stadtverordnetenversammlung die Ablehnung seiner Bewerbung (Ratsprotokoll vom 29.1.1835 Bd10)

Quelle: Stadtarchiv Düsseldorf

Biographie: August Joseph Norbert Burgmüller wurde am 8. Februar 1810 in Düsseldorf als jüngster Sohn einer Musikerfamilie geboren. Der Vater August Burgmüller (1766-1824) fand nach einem Wanderleben als Theaterkapellmeister mit Stationen wie Weimar, Köln, Bonn (wo er mit Beethoven in Kontakt stand), Mainz, Düsseldorf (hier lernte er seine spätere Ehefrau Therese, geb. von Zandt, 1771-1858, kennen), Aachen und Regensburg, 1807 in Düsseldorf seinen endgültigen Wirkungskreis. Norbert Burgmüller gingen zwei noch in Regensburg geborene Brüder voran: Franz (1805-1834), einziger Nichtmusiker der Familie, und Friedrich (1806-1874) (Bild), der nach einer Anstellung als Musiklehrer in Mühlhausen sich etwa 1834 in Paris niederliess. Hier brachte er es durch die Produktion einer kaum überschaubaren Zahl von leichten bis seichten Klavierwerken über beliebte Motive der Zeit rasch zu Popularität und Vermögen. Seine Bekanntheit gründete sich ferner auf das romantische Ballett "La Péri" und mehr noch auf seine bis in unsere Tage weithin gebräuchlichen, wertvollen Klavieretüden. Er wird gelegentlich noch mit seinen Bruder Norbert verwechselt.
In Düsseldorf besuchte Norbert Burgmüller von 1816 bis 1824 eine Elementarschule und wurde daneben von den Eltern und dem älteren Bruder Friedrich musikalisch unterwiesen. Der Tod des Vaters hinterließ die Familie fast mittellos. Ein Mäzen aus den höchsten Düsseldorfer Kreisen, Graf Franz von Nesselrode-Ehreshoven, unterstützte die Hinterbliebenen und ermöglichte dem jungen Norbert, ab 1826 in Kassel bei dem Komponisten, Geiger und Dirigenten Louis Spohr (1784-1859) und dessen Schüler, dem Theoretiker Moritz Hauptmann (1792-1868), seine Ausbildung zu vervollständigen. Nach deren Abschluss blieb Burgmüller in Kassel, erteilte Musikunterricht, war als Korrepetitor tätig und trat als Pianist und Komponist an die Öffentlichkeit. Die Verlobung mit einer deutlich älteren Sängerin des Hoftheater-Ensembles, Sophia Roland (1804-1830), endete für Burgmüller unglücklich, da die Braut 1830 aus unbekannten Gründen das Verhältnis löste. Nach diesem traumatischen Erlebnis sollen bei dem jungen Komponisten erstmalig epileptische Anfälle aufgetreten sein, überdies begann er exzessiv zu trinken und geriet in eine anhaltende künstlerische Krise.

Noch im selben Jahr 1830 kehrte er nach Düsseldorf zurück und lebte bis zu seinem Tode gemeinsam mit seiner Mutter. Er verkehrte in einem Freundeskreis aus Malern, Dichtern und Musikern, der dem Zirkel um Franz Schubert ähnelte, und dirigiert einen aus Dillettanten bestehenden Instrumentalverein. Eine Reise nach London 1833, die Burgmüller als Chorkorrepetitor für ein Opernensemble machte, endete im Fiasko einer schweren Erkrankung. Wichtige Anregungen und künstlerische Ermunterung erhielt Burgmüller von Felix Mendelssohn Bartholdy, der von 1833 bis 1835 als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf verpflichtet wurde. Obgleich sich Burgmüller selbst Hoffnungen auf den ehemaligen Posten seines Vaters gemacht hatte, entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zu dem fast gleichaltrigen Mendelssohn. In diese glücklichere Zeit fällt auch eine zweite Verlobung Burgmüllers mit einer französischen Gouvernante seines Gönners, Josephine Collin. Aber Burgmüller konnte sich nicht entschließen eine endgültige Verbindung herbeizuführen, wie ihm nach Berichten seiner Zeitgenossen Entschlußkraft auch sonst weitgehend abging. Sein Lehrer Hauptmann nannte ihn „einen langschmächtigen stillen Menschen mit vielem Talent“. Auch andere Berichte sprechen von seiner ausgeprägten Zurückhaltung und Bescheidenheit, aber auch von Unsicherheit und Düsternis. Sein Lebensgefühl scheint sich in Extremen geäußert zu haben und er war wohl kaum der Mann für den Posten eines Musikdirektors. Der belgische Musikologe und Komponist Fétis nannte ihn einen „sonderbaren Geist, Feind gesellschaftlicher Gepflogenheiten, sozialer Konventionen und allem Zwang.“

Der Weggang Mendelssohns nach Leipzig (als Leiter der Gewandhauskonzerte) ließ Norbert Burgmüller künstlerisch vereinsamen. So kam es 1835 zu jener Freundschaft, die Burgmüller im 19. Jahrhundert zu einer gewissen, wenn auch zweifelhaften Berühmtheit verhalf: auf Veranlassung des Dichters und Theaterleiters Karl Immermann schlug in jenem Jahr der mit fast aller Welt zerfallene Dichter Christian Dietrich Grabbe (1801-1836; „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“) in Düsseldorf seine Zelte auf. Abenteuerliche Berichte über die enge Zechkumpanenschaft der beiden Alkoholiker kursierten viele Jahre in der damaligen Regenbogenpresse. Von mancher Übertreibung der Zeitzeugen abgesehen, scheint Grabbe in seiner Lebensauffassung Burgmüller doch näher als Andere gestanden zu haben und schrieb für ihn das unvertont gebliebene Pseudo-Opernlibretto "Der Cid".

In dieser verfahrenen Situation plante Norbert Burgmüller seinem erfolgreichen Bruder Friedrich nach Paris zu folgen. Zur Reise nach Paris kam es nicht mehr. Im Frühjahr 1836 fuhr Burgmüller auf Einladung eines Freundes nach Aachen, um Bäder zur Linderung seines Leidens zu nehmen. Am 7. Mai 1836 ist er dabei unter ungeklärten Umständen im Bade gestorben. Damalige Berichte sprachen von Ertrinken infolge eines Krampfanfalles, aber es gab auch Gerüchte um einen Freitod. Vier Tage später wurde er in Düsseldorf unter den Klängen eines von Mendelssohn zu diesem Anlass komponierten Trauermarsches (a-moll op. 103) beigesetzt und Grabbe widmete dem Freund einen verzweifelten Nachruf. Der aus Paris hinzugeeilte Bruder Friedrich zeigte dem früheren Lehrer Louis Spohr in einem Brief den Tod Norberts an und bemerkte darin: „Die Anerkennung seines ungewöhnlichen Talentes neben der größten Anspruchslosigkeit hat sich hier nach seinem Tode auf alle und jede mögliche Weise so lebhaft ausgesprochen, daß der zehnte Theil derselben ihn bei Lebzeiten würde glücklich haben machen können.“
Quelle: Auszüge aus "burgmüller.com"