Peter Schreier gestorben

Fragt man nach den großen lyrischen Tenören des 20sten Jahrhunderts, so fallen sofort die Namen Fritz Wunderlich, Nicolai Gedda und Peter Schreier. Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf darf sich glücklich schätzen, mit beiden letztgenannten mehrfach gemeinsam musiziert zu haben. Im Schallarchiv des Chores finden sich Aufzeichnungen, die die gemeinsamen Auftritte mit Nicolai Gedda und Peter Schreier dokumentieren. Peter Schreier stellt dabei insofern eine Besonderheit dar, als er nicht nur als herausragender Sänger und Interpret der Werke der Vorklassik, Klassik, Romantik bis hin zur Moderne in aller Welt geschätzt wurde, vielmehr erstreckte sich seine künstlerische Wirkungsweise zusätzlich aufs Dirigieren und den Bereich musikkultureller Organisation. Peter Schreier war maßgeblich am Wiederaufbau des Berliner Schauspielhauses (heute Konzerthaus) am Gendarmenmarkt beteiligt. Er gehörte gemeinsam mit Theo Adam zu jenen Persönlichkeiten, die seinerzeit in der DDR die Rekonstruktion der Semperoper in Dresden vorangetrieben haben. Ferner war er häufiger Gast an der Staatsoper in Berlin sowie an nahezu allen bedeutenden Bühnen Europas und der Welt. Seine Präsenz auf dem Medium Schallplatte ist von kaum einem anderen Sänger übertroffen worden.

Blicken wir in die Konzertchronik des Städtischen Musikvereins, so finden wir den Namen Peter Schreier erstmals am 20. und 28. Juli 1982 bei zwei konzertanten Aufführungen von Robert Schumanns „Genoveva“ im Rahmen der Münchner Opernfestspiele. Ein zweites, unvergessliches Erlebnis waren 1984 die legendären Konzerte von Mendelssohns „Elias“ am gleichen Ort. Beide Gastspiele des Chores übrigens unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch und zusammen mit Solisten wie Dietrich Fischer-Dieskau, Kurt Moll, Brigitte Fassbaender etc.

Mendelssohn Bartholdy: Elias
Fischer-Dieskau . Price . Seibel . Fassbaender . Wulkopf . Schreier . Hopfner . Moll . Wild
Solisten des Tölzer Knabenchores
Der Chor des Städtischen Musikverein zu Düsseldorf
Einstudierung: Hartmut Schmidt
Das Bayerische Staatsorchester
Wolfgang Sawallisch
Aufnahme: 4.7.1984 Nationaltheater München/Bayerische Staatsoper/ORFEO GmbH; Digital; analoge Kopie auf Sony Super BETA-hifi; Remastering: 1997 Jörg Ritter, Berlin; Layout + Texte: Rainer Großimlinghaus, Berlin 11./2001
© 1984/2001 by Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V.

In Düsseldorf durfte der Chor des Städtischen Musikvereins Peter Schreier ein Jahr zuvor (1983) zu drei grandiosen Aufführungen der „Matthäus-Passion“ unter Bernhard Klee begrüßen. Jeder, der das miterleben konnte, ob als Zuhörer oder als Sänger im Musikverein, wird diese Interpretation nicht vergessen. Auch hier können wir mit Stolz auf einen Mitschnitt in unserem Schallarchiv verweisen.

Als Dirigent war Peter Schreier darüber hinaus im November 1985 für drei Aufführungen des Oratoriums „Samson“ von Georg Friedrich Händel vorgesehen. Leider konnte er damals diese Einladung aus gesundheitlichen Gründen nicht annehmen, Laszlo Heltay sprang seinerzeit relativ kurzfristig ein.

Nun ist Kammersänger Peter Schreier am 25. Dezember 2019 im Alter von 84 Jahren in Dresden verstorben.

Wir werden ihm ein ehrendes, dankbares Andenken bewahren.

Manfred Hill

-Vorsitzender-

am 26. Dezember 2019

 

Bild: Peter Schreier in den 80er Jahren