Robert Schumann

In diesem Frühjahr 1851 hatte Robert Schumann einen Brief des unbekannten aufstrebenden Dichters Moritz Horn (1814-74) aus Chemnitz erhalten, der ihm vorschlug, ein von ihm in Reimform verfasstes Märchen zu vertonen. Schumann nahm den Vorschlag freudig auf und bat Horn um die musikalisch erforderlichen Änderungen, um die Sache knapper und dramatischer zu fassen.

Laut Schumanns Projektenbuch komponierte er dann "April bis 11. Mai: Der Rose Pilgerfahrt f. Soli, Chor mit Begl. des Pianoforte [24 Nummern] [op. 112]". In der Erstfassung mit Klavier wurde Schumanns letzter oratorischer Beitrag im Juli 1851 zur Einweihung des neuen Schumannschen Musiksalons durch das von ihm geleitete 'Singekränzchen', am Klavier Clara Schumann (Bild), erstmals gegeben. Obwohl ihm noch in einem Brief vom 29. September 1851 die Klavierbegleitung "des zarten Stoffes halber auch vollkommen hinreichend erschien und noch erscheint", machte er sich, wie aus dem Projektenbuch zu ersehen ist, bald darauf an die Orchestrierung: "November, v. 7.-27.: Der Rose Pilgerfahrt instrumentiert".

In dieser Fassung wurde das Werk am 5. Februar 1852 unter seiner Leitung in Düsseldorf mit dem Musikverein uraufgeführt. Über die Handlung schreibt Walter Dahms in seiner Schumann-Biographie (Berlin, 1916):

"Hier handelt es sich um eine Rose, die sich nach menschlicher Verkörperung und Liebe sehnt, von der Elfenkönigin auch ihren Wunsch erfüllt bekommt, von milden Müllersleuten an Tochter Statt angenommen wird, den Förstersohn liebt und heiratet, nach der Geburt ihres Kindchens aber freiwillig von der Erde scheidet, da sie das Glück der Liebe voll ausgekostet hat und keine Steigerung der irdischen Seligkeit mehr erwarten kann. Die Dichtung von Moritz Horn quillt vor Tränenseligkeit und Gefühlsschwärmerei über."

Schumann wurde noch im Dezember 1853 in Den Haag Zeuge des großen Erfolgs von "Der Rose Pilgerfahrt", einer lange anhaltenden Popularität, die erst mit dem Ende der "Zeiten der Goldschnittpoesie" (Dahms) allmählich nachließ.