Robert-Schumann-Forschungsstelle e.V.

PORTRAIT
Die Robert-Schumann-Forschungstelle in Düsseldorf

GESCHICHTE:
Dass die seit 1986 bestehende Schumann-Forschungsstelle in Düsseldorf beheimatet ist, hat gute Gründe. Bekanntlich war Robert Schumann von September 1850 bis zu seinem gesundheitlichen Zusammenbruch im Februar 1854 in der Stadt am Niederrhein als Musikdirektor tätig. Es war dies seine erste und einzige feste berufliche Anstellung. Etwa ein Drittel seines Gesamtwerks entstand in Düsseldorf.
1981 fand in Düsseldorf das 1. Internationale Schumann-Symposion statt, das die 1979 von Dr. Gisela Schäfer gegründete Düsseldorfer Schumann-Gesellschaft organisiert hat. In diesem Zusammenhang forderte Prof. Dr. Akio Mayeda mit Nachdruck eine historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Robert Schumanns, denn die alte, vor etwa 100 Jahren von Clara Schumann herausgegebene Gesamtausgabe enthält nicht alle Kompositionen Schumanns, und die ihr zugrundeliegenden editorischen Verfahren sind heute nicht mehr akzeptabel: Es gibt weder kritische Berichte (Verzeichnisse der Varianten und Lesarten), noch wird deutlich, auf welcher Quellenbasis die Textkonstitution im Einzelnen vorgenommen worden ist. Frühere Versuche, eine neue Schumann-Gesamtausgabe zu etablieren, waren vor allem an der deutsch-deutschen Teilung gescheitert, denn zentrale Quellensammlungen befinden sich auf dem Boden der damaligen DDR, in Zwickau und Ost-Berlin. Obwohl diese ungünstigen politischen Bedingungen nach wie vor noch bestanden, griff die Düsseldorfer Schumann-Gesellschaft, deren musikwissenschaftlichen Beirat Prof. Mayeda angehörte, die Idee einer neuen Gesamtausgabe auf und beschloß 1982, den Weg zur Durchführung des ehrgeizigen Projektes zu beschreiten. Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller, ebenfalls Beirats-Mitglied, konnte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Finanzierung eines Vorprojekts erwirken, das die Ermittlung der internationalen Standorte von Schumann-Autographen zum Ziel hatte. Dieses Projekt wurde von Januar 1985 bis März 1986 am Kölner Musikwissenschaftlichen Institut durchgeführt. Nachdem die Union der Akademien der Wissenschaften in Mainz sich im Sommer 1985 bereiterklärt hat, eine Neue Schumann-Gesamtausgabe in ihr Förderprogramm aufzunehmen, wurde im April 1986 von der Robert-Schumann-Gesellschaft Düsseldorf e.V. eine entsprechende Forschungsstelle in Düsseldorf eröffnet. Die Ausgabe wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert. Mit der Editionleitung der Neuen Schumann-Gesamtausgabe sind Prof. Dr. Akio Mayeda (Zürich) und Prof. Dr. K.W. Niemöller (Köln) betraut. In der Forschungsstelle sind derzeit zwei hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt.

Mit dem Zwickauer Robert-Schumann-Haus bestand von Anfang an, trotz schwieriger politischer Verhältnisse, ein enger wissenschaftlicher Kontakt. Ohne die Zwickauer Mitarbeit wäre eine Gesamtausgabe gar nicht durchführbar. Die auf den Titelblättern der Gesamtausgabe vermerkte Herausgeberschaft in Verbindung mit dem Schumann-Haus Zwickau bringt diese Kooperation zum Ausdruck. Nachdem die deutsch-deutsche Grenze gefallen war, konnte 1992 dank der Initiative der Mainzer Akademie eine weitere Mitarbeiterstelle im Schumann-Haus Zwickau eingerichtet werden.

ARCHIV-AUFBAU:
Die Robert-Schumann-Forschungsstelle besteht im wesentlichen aus drei Archivkomplexen. Das Kernstück bildet die Mikrofilm- und Kopiensammlung von Autographen und abschriftlichen Quellen: Noten, Briefe, autobiographische Aufzeichnungen, Essays, theoretische Notizen, Dokumente zur redaktionellen Tätigkeit Schumanns für die von ihm 1834 gegründete Neue Zeitschrift für Musik. Der Zugriff auf die Quellen erfolgt über Karteien und elektronische Datenbanken. Da Clara Schumann oft als Kopistin von Werken ihres Mannes tätig war, in seinem Auftrag Briefe mit Verlegern gewechselt und nach Schumanns Tod die Nachlassedition überwacht hat, gebot es sich von selbst, von Anfang an Dokumente zu Leben und Schaffen Clara Schumanns in die Quellensammlung einzubeziehen. Somit ist das Düsseldorfer Institut eigentlich eine Robert und Clara Schumann-Forschungsstelle. Den zweiten Archiv-Bereich bildet eine nunmehr nahezu vollständige Sammlung von Original- und Erstausgaben, die überwiegend aus Kopien besteht, die aber auch einige wertvolle Originaldrucke enthält. Der dritte Bereich besteht in einer Spezialbibliothek zu Robert und Clara Schumann, die mittlerweile mit etwa 5.500 Titeln die weltweit umfangreichste sein dürfte.
Fortsetzung des Artikels und Quellenangabe im nächsten Eintrag.

Bild: "Der Rose Pilgerfahrt" - Titelseite der Originalpartitur mit Widmung Robert Schumanns an den Musikverein, im Besitz des Musikvereins, als Leihgabe im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. Das Titelblatt dieser Partitur schuf der Düsseldorfer Maler Theodor Mintrop (1814-1870), der dem Musikverein verbunden war, im Jahre 1852.