Schumann: Messe c-moll

Es war der zentrale Punkt der größten Konzert-Tournee, die jemals von Deutschland nach Deutschland führte: das Konzert bei den international hoch angesehenen Dresdner Musikfestspielen im Mai 1989. Um diesen historischen Abend des 24. Mai 1989 herum waren zwei Konzerte im Schauspielhaus (heute: Konzerthaus) am Gendarmenmarkt in Berlin (TV-Mitschnitt) und drei Konzerte im Gewandhaus zu Leipzig (siehe Vol. 23). Hochrangiger konnte man ein Gastspiel in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik nicht ansiedeln! Hinzu kommt, dass man sich ja auf einem weltpolitischen Pulverfass befand, von dessen Ausgang keiner im Mai 1989 eine Vorstellung hatte. Dresden war, obschon bereits zu DDR-Zeiten ein Aushängeschild und Touristenmagnet, im Jahr der Maueröffnung (!) immer noch ein in weiten Teilen zerstörte und geschundene Stadt. An den Wiederaufbau des historischen Stadtkerns war zwar schon die DDR-Regierung nach ihren Möglichkeiten gegangen, aber von einem wiedererstandenen Schloss oder gar dem alten Glanz der Frauenkirche konnte man damals nur träumen –sofern einem die Vorstellungskraft angesichts der Realitäten nicht völlig im Stich ließ. Natürlich wollte der Städtische Musikverein in der Semperoper gastieren, und zwar aus akustischen wie historischen Gründen, aber das war während der Musikfestspiele rein spielplanlogistisch nicht darstellbar. Also fand das hier dokumentierte Konzert

(es folgte die 2. Symphonie von Mendelssohn Bartholdy) im zwar deutlich größeren, aber ungleich klang- und stimmungsloseren Kulturpalast statt, jener architektonischen Zumutung, die wir ja leider in den zahlreichen Mehrzweckbauten auch im Westteil Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg so zahlreich finden.

Es war der ausdrückliche Wunsch der DDR-Verantwortlichen, dass wir grade in Dresden Robert Schumanns weitgehend unbekannte Messe aufführen, was der Musikverein mit Blick auf seine Tradition und der daraus erwachsenen Verantwortung vor dem Werk Schumanns gerne aufnahm. Auch wenn die „Missa sacra“ weit weg von allem, was man ein „spektakuläres Konzertereignis“ nennen könnte, ist, so konnte man dem unerwartet stürmischen und lang anhaltenden Beifall eindeutig entnehmen, welche Wertschätzung das musikkundige Dresdner Publikum dieser aus dem damals doch noch so fernen Düsseldorf mitgebrachten Kostbarkeit entgegen brachte.

6 Monate später fiel die Mauer; ein Jahr später (1990) war die DDR „Geschichte“ und Deutschland wieder ein Land.

v.l. Rainer Großimlinghaus, Kunibert Jung,
die Hauptorganisatoren der größten Konzert-
tournee die jemals durch die damalgie DDR ging.
6 Konzert in Berlin, Dresden und Leipzig im
Mai 1989, im Jahr des Mauerfalles. Innenraum von Dresdens Kulturpalast zum Zeitpunkt
der Konzerttournee durch die DDR im Mai 1989. Das Mahnmal Frauenkirche zum Zeitpunkt
der Konzerttournee durch die DDR im
Mai 1989. Kulturpalast Dresden im Jahre 1989
anläßlich der DDR - Konzerttournee.

oben links: die Organisatoren der DDR-Tournee 1989: Rainer Großimlinghaus und Kunibert Jung
oben rechts: der Festsaal des Kulturpalastes Dresden
unten links: die Ruine der Frauenkirche 1989
unten rechts: der Kulturpalast Dresden