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Singgeschichten in der Düsseldorfer SingPause

Ein Besucher eines der heutigen (30.4.) stattfindenden SingPause-Konzerte überlässt mir einen Bericht über sein Konzerterlebnis zur Veröffentlichung:

"Singgeschichten in der Düsseldorfer SingPause

Ich komme gerade aus der Düsseldorfer Tonhalle. „Solch ein Gewimmel“ vor dem Konzerthaus der Stadt zu sehen, ist allein ein Erlebnis, ein am ehemaligen Planetarium am Rhein allerdings gar nicht so seltenes! Über 1.000 Grundschüler der NRW-Landeshauptstadt kamen erwartungsfroh und aufgeregt zu ihrem Abschlusskonzert einer vierjährigen Beschäftigung mit chorischem Singen – alle am für die jungen Sänger reservierten Haupteingang durch den Initiator und Manager des Projekts – den Vorsitzenden des Städtischen Musikvereins e. V. Manfred Hill – persönlich begrüßt und mit einem kräftigen Toi Toi Toi in den Saal geleitet.

Ich spürte bei den Zehnjährigen das mir wohlvertraute Lampenfieber und die aufgeregte Lust auf das gemeinsame Singen. Durch 41 professionell ausgebildete Musiker/Innen als SingPausenLeiter über 4 Jahre betreut und im Singen nach Noten unterrichtet, haben die Kinder aus 60 Schulen der Stadt ein Repertoire von 10 stilistisch sehr unterschiedlichen Liedern erarbeitet, das sie in insgesamt 16 Konzerten vor den auf dem Rang lauschenden und stolz filmenden Eltern, Großeltern und Freunden aufführen dürfen.

Im heutigen 5. SingPausenKonzert 2015 waren fünf Singleiter mit ihren das Parkett füllenden „Chören“ gekommen. Begleitet von Klavier und Schlagzeug begann das Konzert – passend zur benachbarten Rheinquerung – mit zwei Brückenliedern über Main und Rhone. Spätestens bei „Sur le pont d’Avignon“ summte bereits der Eltern-Rang mit. Die fünf parallel dirigierenden Chorleiter (vier Damen und ein Herr) hatten ihre kleinen Sänger bestens im Griff, und das offensichtlich ebenso beruhigend wie begeisternd. Die guten „Wellen“ zwischen den Künstlern auf der Bühne und ihren jungen Sängern waren direkt spürbar und ließen die wundervolle musische Zusammenarbeit der letzten Jahre mehr als nur ahnen. Die künstlerische Leiterin des Projekts, die Chordirektorin des Städtischen Musikvereins, Marieddy Rossetto, konnte sich bescheiden im Hintergrund halten und über die Vervielfältigung ihrer Ideen durch ihre Partner freuen. Eine sensible Moderation des Konzertes durch den später selbst im Doppelquartett mitsingenden Günter Weißenborn nahm die ansteckend gute Laune des Publikums auf und lenkte die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Besondere dieses Projekts, dem sich der Städtische Musikverein mit Hilfe engagierter Schulleiter und Lehrer verpflichtet fühlt und das offensichtlich so ungeheuer viel erreicht.

13.500 Kinder pro SingPausen-Jahrgang kommen erst gar nicht dazu, Berührungs– oder Schwellenängste mit der Tonhalle aufzubauen, die normalerweise von den Düsseldorfer Symphonikern (manchmal mit dem Konzertchor des Musikvereins), von gastierenden Toporchestern der Welt und von namhaften Solisten zum Klingen gebracht wird und dennoch bestrebt ist, ihr Image auch jung zu halten und Kinder zum Musikerleben einzuladen.

13.500 Kinder erleben in der SingPause das Glück gemeinsamen Singens und der Teilhabe am Entstehen von Musik. Spätestens bei der Aufforderung des Moderators an die Kinder, das schwedische Volkslied „Vem kan segla“ leise in den Sternenhimmel des Kuppelsaals zu singen, staunten die jungen Sänger auch über den Zauber, den schöne Töne in einer grandios beleuchteten Umgebung entwickeln können.

Ein Programmfavorit aller jungen Sänger war das rhythmisch lebendige und bewegt gestaltete Lied „Gestern an der Haltestelle“, dessen Ansage schon von den Mitwirkenden mit begeistertem Applaus begrüßt wurde. Mucksmäuschenstill war es dagegen, als die Singeleiter, die Musiker und der Moderator als Doppelquartett Brahms‘ Bearbeitung von „Ich fahr dahin“ als Ständchen an die Chöre sangen. Voller Spannung drehten sich die Kinderchöre um, als die Eltern auf dem Rang zur Probe des Tonsilben-Refrains des Liedes „Zwei kleine Wölfe“ aufgefordert waren. Das Ergebnis war toll – und vielleicht eine Anregung zu gemeinsamem Singen zu Hause. Beim abschließenden „En Düsseldorf am Rhing“ brauchte der gemischte Kinder- und Erwachsenenchor keine Aufforderung mehr, und das Bekenntnis der Heimat wurde mit Innbrunst auch von jenen zahlreich erschienen Eltern mitgesummt, deren Wurzeln in anderen Teilen der Welt liegen und die sich in der Musik offensichtlich willkommen fühlen.

Es war ein großartiges Konzerterlebnis, vor allem weil es so wundervoll war, junge Menschen zu erleben, die dem Klischee des NUR noch mit dem Smartphone verkabelten Musikkonsumenten so gar nicht entsprachen. Meine Betonung liegt dabei auf NUR, denn nicht das Verteufeln der neuen Hörgewohnheiten ist das Ziel der SingPause, sondern das Hervorrufen des Staunens über den unmittelbaren Zauber des althergebrachten Singens. Beim Weg zur Straßenbahn war ich umringt von vielen jungen Sängern – sie sangen oder schnatterten aufgeregt über das Erlebte und hatten wirklich alle ein fröhliches, immer noch ansteckendes Lachen auf den jungen Gesichtern.

Und die nächsten 1.000 Kinder und ihre älteren Fans warteten schon auf das zweite Konzert des heutigen Tages.
Dr. Karl-Hans Möller"

Ich danke Dr. Möller für den so überaus anschaulichen Konzertbericht. Im Bild sieht man den Sitzplan zum beschriebenen Konzert.
Manfred Hill
-Vorsitzender-
am 30.4.2015 - 16.45 Uhr