Lebenslauf
Stadtgeschichte/Vereinsleben

Als Robert Schumann verstarb verlor Düsseldorf in einer ziemlich kurzen Dekade seinen zweiten Musikdirektor, der zugleich auch Komponist von Weltgeltung war und wurde.

Dem Autor sei an dieser Stelle, dem Eintrag zum Todestag Robert Schumanns, ein wertendes Fazit erlaubt.

Betrachtet der Leser Geschichtswerke, die sich auch mit der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts befassen, wird er feststellen, dass über die Düsseldorfer Zeiten von Felix Mendelssohn Bartholdy (Bild links) und Robert Schumann (Bild rechts) immer nur einige wenige Sätze genannt werden, wie z.B.:

"Felix Mendelssohn Bartholdy war Musikdirektor in Düsseldorf von 1834 bis 1835, hatte dort keine glückliche Zeit und ging als Gewandhauskapellmeister 1835 nach Leipzig"

"Robert Schumann war Musikdirektor in Düsseldorf von 1850 bis 1854, verlebte dort keine glückliche Zeit, unternahm 1854 einen Selbstmordversuch und wurde danach in die Nervenklinik nach Endenich eingeliefert".

Schaut der Leser nun intensiv in diese hier vorliegende Musikvereinsgeschichte, so muss er zur Kenntnis nehmen, dass solch unzulängliche Verkürzungen den beiden großen Komponisten, den damaligen Akteuren und auch dem städtischen Umfeld nicht gerecht werden.

Bei Felix Mendelssohn Bartholdy sind die Dinge ziemlich einfach belegbar. Liest man die vielen hier abgedruckten kompletten Briefe und die zahlreichen Auszüge aus seinen Briefen, wird schnell klar, dass der junge Musikdirektor eine gute Zeit in Düsseldorf verlebte. Seine Verdienste für die Musik- und Theaterstadt Düsseldorf werden deutlich und seine Aussage "Übrigens, gefalle ich mir prächtig hier..." bekommt eine von ihm selbst bestätigte Wahrheit. Natürlich hatte er auch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie ebenfalls brieflich dokumentiert, aber ich denke, dass diese Düsseldorfer Tätigkeit für seine kommenden großen Aufgaben in Leipzig außerordentlich wichtig und befruchtend waren. Sozusagen nirgendwo hätte der junge Musiker im Bereich des Musik- und Theaterwesens mehr lernen können als in der kleinen Stadt am Rhein. Hier war alles vorhanden was er für seine Arbeit und Entwicklung brauchte:

- eine musikhungrige und engagierte Bürgerschaft
- eine verständige Stadtführung
- ein seit 1818 bestehender Chor (Musikverein/Singverein)
- ein dem Musikverein seit 1818 angegliedertes Orchester
- ein Regimentsorchester
- eine Oper
- ein Sprechtheater
- Kirchen für die Kirchenmusik
- ein ordnender und übergeordneter Verein für Tonkunst
- ein Musikfest von europäischem Rang

Dieses eigentlich einmalige Konstrukt galt es zu ordnen, qualitativ zu heben und die musikalischen Teile in eine organisatorisch einwandfreie Struktur zu führen. Der junge Musikdirektor Mendelssohn meisterte diese Aufgabe in herausragender Weise. Hier liegt sein unschätzbarer Verdienst in seiner Düsseldorfer Arbeit, die durch die hier entstandenen wunderbaren Werke ihre kompositorische Überhöhung fand.

Mit Robert Schumann stellen sich die Dinge ungleich schwieriger dar. Dem jugendlichen Erneuerer Mendelssohn Bartholdy folgten in Julius Rietz und Ferdinand Hiller zwei gestandene Dirigentenpersönlichkeiten auf die Musikdirektorenstelle. Der introvertierte Robert Schumann löste Hiller ab und in der Stadt war große Begeisterung, da man mit Robert Schumann, einem zu dem Zeitpunkt bereits renommierten und bekannten Komponisten, auch seine Frau Clara als eine der bedeutendsten Konzert-Pianistinnen dieser Zeit gewonnen hatte. Umstände und alle Dinge hierzu findet der Leser ausführlich beschrieben.

Was macht nun die Sache schwieriger als bei Mendelssohn Bartholdy?

Auch zur damaligen Zeit war - bis heute - die Verbreitung einer schlechten Nachricht interessanter als die Wiedergabe von unkomplizierten Gesellschaftsnachrichten. So boten bald aufkommender Streit im Musikverein aufgrund ungewohnter Dirigierarbeit und Probenabwicklung, viele Umzüge der Familie Schumann in Düsseldorf, Selbstmordversuch, Krankheit, vermeintlich ungeklärte Familienverhältnisse und eine "Einweisung" in eine Heilanstalt negativen Diskussionsstoff für mehr als hundertfünfzig Jahre. Unberücksichtigt blieb dabei in der oftmals sehr verkürzten Betrachtung immer die Tatsache, dass Robert Schumann etwa zwei Drittel seines Gesamtwerkes in Düsseldorf zu Papier brachte. Da kann das Umfeld nicht unentwegt negativ belastet gewesen sein.

So benötigte ich für die Interpretation der Schumannschen Zeit nicht nur die Aufzeichnungen der Musikvereinschronisten und vieler Zeitzeugen, sondern auch, und vor allem die Unterstützung von Musikkritikern, Musikwissenschaftlern und Musikhistorikern. Hintergrund meiner Akribie bei der schwierigen Suche nach der Wahrheit sind auch die unsäglichen Veröffentlichungen von Pseudoforschern und Medizinern im Umfeld des Schumannjahres 2010.

Meine verehrende Sicht auf Robert Schumann deckt sich mit der Meinung des Musikvereinschronisten aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts (W.H.Fischer). Untermauert wird diese Sicht vom Verhalten vieler Düsseldorfer Persönlichkeiten im Umfeld der Schumanns (Schramm, Euler, Hasenclever, v. Woringen u.a.), von Niederschriften bedeutender Weggefährten (Brahms, Joachim, Lindt, Hebbel, Horn u.a.) und von den hier abgedruckten Aufsätzen und Erkenntnissen der Schumannforscher Irmgard Knechtges-Obrecht, Bernhard R. Appel und Matthias Wendt, dem Schumann-Portal von Ingrid Bodsch (www.schumann-portal.de), dem Musikhistoriker Hermann Abert und dem Musikkritiker Eduard Hanslick.

Der Städtische Musikverein und die Stadt Düsseldorf dürfen sich glücklich schätzen, zwei Weltmusiker zu ihren Musikdirektoren gemacht zu haben. Deren Ruhm wird nie vergehen und Bestandteil der Geschichte der Musikstadt Düsseldorf auf immer bleiben.

Manfred Hill im Oktober 2011