Vereinsleben

Das Vereinsleben des Städt. Musikvereins sollte belebt werden und so wurden die zu Mendelssohns und Schumanns Zeiten üblichen Gesellschaftsabende wieder eingerichtet. Das Programmheft (Abschrift vom Original) von diesem Tage gibt folgende Aufschlüsse:

"Gesellschaftsabend
veranstaltet von den aktiven Mitgliedern im Kaisersaal der Tonhalle. Geschlossene Veranstaltung - Kein Kartenverkauf - Einführung nur durch Mitglieder."

Programm:
"Improvisationen in Rheinsberg"
arrangiert von Fritz Moselage
Begleitung: Frau Postrat Bodenstein, Frau Dr. Pagener, Frau Berta Zingel

Mitwirkende:
Der Schloßherr - Herr Höing
Seine Gemahlin - Frau Markus
Freunde des Hauses - Frau Bodenstein, Frau Winzen, Frl. Zingel, Herr Arnolds, Herr Goldschmidt, Herr Moselage
Die Künstler - Frl. Herrlich, Frau Pagener, Frau Weilbäcker, Herr Dr. Elkan
Quantz, Kammermusiker - Herr P. Krüger
Ein Kantor - Herr Schätzer
Ein Bürger - Herr M.J. Wahl
Eine Bürgerin - Frau Mehrtens
Ein Leibpage - Frl. Krüsemann
9 Damen und 9 Herren des Haushaltes - 4 junge Damen und 4 Pagen
Bewohner von Rheinsberg
Ort: Schloßterrasse - Zeit: Um 17.40
Bühnenmusik: Orchester Neuhausen verstärkt durch Mitglieder und Freunde des Musikvereins.

Einleitung:
Orchester: Menuett von Haydn

Konzert:
1. Hymne aus "Iphigenia in Tauris" von Chr. W. v. Gluck
2. Klaviersoli Frau Dr. Pagener
3. Arie von Händel - Dr. Elkan
4. Frau Weithöner Mit "O, del mio dolce Ardor" von Chr. W. v. Gluck und "Ricornerai fra poco" von Hasse
5. Frauenchor "Sehnsucht von K. de la Hale, "Minnelied" aus dem 15. Jahrhundert, "Der kühle Maien" von Hermann Schein
6. Frl. Käte Herrlich mit "Ogni per bato" von Gordigiani und "Nina" von Pergolese
7. Herr Kammermusiker P. Krüger mit "Sonata I" von Joh. Joachim Quantz
8. Frl. L. Weilbächer mit Liedern zur Laute "Bei meines Buhlen Haupten" aus dem 16. Jahrhundert und "Reiterständchen" aus dem 17. Jahrhundert.
9. Tanz der Pagen mit "Menuett" von Boccherini.
10. Männerquartett mit "Tanzliedchen" von de la Hale und "Sie gleicht einem Rosenstock" aus dem 17. Jahrhundert

Ausklang:
Orchester: Menuett aus dem D dur Divertimento von Mozart

Pause

II. Teil
Bunte Bühne inspiriert durch Herrn Fr. Plitt
1. Niederrheinische Cornet-Quartett mit den Herren Kammermusiker Wagner, Schmidt, Krone, Schiefer
2. Herr Plitt mit "Lyrische Ergüsse einer gefühlvollen Seele"
3.-23. Was ihr wollt und anderes
Während der Abwicklung des 2. Teiles des Programms - Tanzpause
Im Verbindungssaale: Tanz mit dem Ballorchester Jos. Neuhausen

Kaisersaal der Tonhalle Düsseldorf

Zum Verständnis dieser Zeit trägt eine Schilderung des Musikvereinsmitgliedes Lilly Marcus bei, in einem Bericht der Düsseldorfer Nachrichten vom 15.8.1964 erschienen und hier in Auszügen wiedergegeben:

"...Die Veranstaltung lag in den bewährten Händen des inzwischen verstorbenen Kunstbildhauers Moselage, der Chormitglied war. Sämtliche Darbietungen wurden von Mitgliedern des Städtischen Musikvereins und des Städtischen Orchesters durchgeführt.
Die Bühne des Kaisersaales war so hergerichtet worden, daß von oben von der Orgel her eine große Treppe herunterführte, die rechts und links von grünen Hecken eingefaßt war. Dort herunter kam der Alte Fritz als junger Kronprinz mit seiner (ungeliebten) Gemahlin Christine, dargestellt von dem damaligen Lehrer Höing und von mir. Es folgte uns der Hofstaat, zwei Damen, von denen die eine meine Schwester war, und zwei Herren. Alle Mitwirkenden trugen Rokoko-Kostüme (Bild - mit Lily Marcus in der Mitte), die wir von der Fama, einem großen Kostüm-Verleih in der Kaiser-Wilhelm-Straße, geliehen hatten. Ich trug ein gelbes Kostüm mit weißer Seide und Brokat, dazu eine nagelneue Perücke mit einer Gemme.
Als wir die Stufen herunterkamen versank alles in einem tiefen Hofknicks, und die hohen Herschaften, also wir, nahmen rechts auf einer weißen Gartenbank Platz. Es handelte sich um stumme Rollen; wir hatten nur zu lächeln und zu applaudieren. Es wurde nämlich Kammermusik vorgetragen, Flötensoli, Lieder und Duette. Wenn ich mich recht erinnere wirkten außer unseren Chormitgliedern und den Herren des Städtischen Orchesters auch das Rheinische Trio mit Wilhelm und Karl Klein und Guilleaume König mit. Alle Mitwirkenden waren stilgerecht kostümiert. Das war ein prächtiges, farbenfrohes Bild. Wir waren vorher vom Theaterfriseur geschminkt worden und zwar mit einer Hasenpfote; das erlebte ich damals zum erstenmal.
Nach der Veranstaltung wurde Herr Moselage geehrt; man überreichte ihm eine mit Blumen gefüllt Kristallschale. Hinterher war Ball im Verbindungssaal, und ich durfte einen Ehrentanz mit unserem damaligen Dirigenten, Generalmusikdirektor Hans Weisbach, unserem blonden Hans, wie er allgemein genannt wurde, tanzen.... Lilly Marcus, Düsseldorf im August 1964"