Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem KV 626

Unter den für die Sinfoniekonzerte verantwortlichen Generalmusikdirektoren im Düsseldorf der Nachkriegszeit zählt Jean Martinon mit Sicherheit zu den international herausragendsten Dirigenten-Persönlichkeiten. Sein Wirken in Düsseldorf war leider nur auf die Jahre 1960 – 1965 beschränkt, was bei Musikern wie Publikum sehr bedauert wurde. Der Weggang zum Chicago Symphony Orchestra (1963 – 1968) war aber wohl alternativlos. Erst jüngst veröffentlichte Sony/RCA eine 10er CD-Box der besten Interpretationen gemeinsam mit dem CSO. Die bei EMI/Warner erschienenen Gesamteinspielungen der sinfonischen Werke von Ravel und Debussy mit dem ORTF-Orchester (Chefposition dort: 1968 – 1973) sind auch nach Jahren noch Referenz.  Erstaunlich, dass es absolut keine Tondokumente aus Martinos Düsseldorfer Zeit gemeinsam mit dem Chor des Städtischen Musikvereins gibt. Die vom WDR seinerzeit aufgezeichnete Deutsche Erstaufführung von Martinons Oratorium „Le Lis de Saron“ (25./26.10.1962) gilt als verschollen. Dies vorausgeschickt ist es für das Schallarchiv des Städtischen Musikvereins besonders wichtig, dass im INA France (Institut national de l‘audiovision) die Mitschnitte bewahrt werden, die im Zusammenhang mit den zahlreichen Gastspielen des Chores im benachbarten Frankreich entstanden sind. Unter diesen Dokumenten befinden sich auch die inzwischen digitalisierten Tonträger von Aufnahmen unter der Leitung von Jean Martinon (Vol. 99 = Brahms-Requiem, Vol. 178 = Bach, Johannespassion).
Da zunächst unsere jahrelange Suche ergebnislos blieb, wurde ein reines Orchesterprogramm mit dem Thema „Romeo und Julia“ in das Schallarchiv aufgenommen, um wenigstens ein Zeugnis seiner Arbeit in Düsseldorf akustisch nachweisen zu können (Vol. 138). Nun also, nach fast 10jährigen Nachforschungen stellte uns das INA die vorliegende Aufnahme zur Verfügung. Sie belegt ein weiteres Mal, wie geschätzt und gefragt der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf im Ausland schon vergleichsweise kurze Zeit nach Ende des 2. Weltkrieges war. Sie belegt auch, dass eine so herausragende künstlerische Persönlichkeit wie Jean Martinon gerne auf die gemeinsamen guten Erfahrungen mit dem Werk (das Mozart Requiem hatte er im November 1960 in Düsseldorf mit dem Chor aufgeführt) zurückgriff.
Und das vor dem Hintergrund, dass ja ein ausgezeichneter Rundfunkchor in seinem Heimatland zur Verfügung stand. Eine Aufnahme also, die uns auch nach so vielen Jahren noch stolz machen darf!