Auf Wunsch von Gisela Kummert hatte Jens Billerbeck ein Gedicht vorbereitet:

Auf Wunsch von Gisela Kummert hatte Jens Billerbeck ein Gedicht vorbereitet, welches mit musikalischen Einwürfen des Chores unter Mithilfe von Reinhard Kaufmann, als orchestrales Gewissen, vorgetragen wurde. In ganz wunderbaren Versen hat Jens Billerbeck die außergewöhnlichen Leistungen beschrieben und der Chor erfüllte völlig ohne jede Probe (wann hätte die auch sein können??) seinen unterstützenden musikalischen Part. Jens Billerbeck ist zu danken für diesen wirklich von allen hochgelobten Beitrag, der zum Hight-Light des Abends wurde.

Musikverein auf Reisen

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Gedichtet für Gisela Kummert zum 12. Januar 2007 von
Jens D. Billerbeck

Ein Mensch will schreiben ein Gedicht,
um - nicht nur aus Chronistenpflicht -
zu schildern wie die Sängerscharen
in den letzten vierzig Jahren,

Mit Bus, Bahn, Flugzeug oder Kutter,
betreut von unsrer Herbergsmutter,
In alle Welt durften verreisen
Um dort Frau Musika zu preisen.

Schon als er anfing mit dem Schreiben,
Wusst’ er: Fragment wird’s bleiben.
Denn mit so vielen schönen Reisen
Kann man ganz dicke Bücher speisen…

Der Mensch, der damals noch zu klein,
Denkt sich: So könnt’s gewesen sein:
Der Chor war prächtig aufgestellt
Und draußen rief die weite Welt…

Will i denn, will i denn zum Städele hinaus, Städele hinaus
Muss das wer organisier’n….

Drauf Kuni Jung in Vorstandskreisen
Fragt laut: „Wer kümmert sich ums Reisen?“
„Na Ich“, rief Kummert, Gisela,
Die sonst für die Soprane da.

Busbelegung, Gruppenkarten,
Zimmerpläne, Ausflugsfahrten…
Der Gisela ist’s künftig gleich,
Ab jetzt da ist sie Listenreich….

Gleich zu Beginn lockt Spaniens Sonne,
Granada, Carmina, oh welche Wonne.
Den Spanier Frühbeck nahm man mit
Auch etwas später nach Madrid…

Die Sonne scheint bei Tag und Nacht, e viva espana,
wir sehn, dass Reisen Freude macht, e viva espana…

Doch ging’s nicht nur in eitle Ferne,
Gleich dreimal fuhr man nur bis Herne.
Köln, Mülheim, Krefeld, Duisburg gar,
Lagen als Ziele auch recht nah.

Wo fuhr man noch recht gerne hin?
Zum Beispiel lockte Tongeren.
Ein Tagestripp der oft gelang,
Weil man dort gern vor dem Gesang,

Der Belgier Gastfreundschaft genoss.
Gefüttert wurd’ der Sänger Tross
Meist mit nem kalten Hühnerbein.
Danach sang man besonders fein…

Nach London, nach Paris und Brüssel,
Zog es die Sänger von der Düssel.
Ob Flugzeug, Bus oder die Schiene,
Das Reisen wird jetzt zur Routine.

Wien, Wien nur Du allein, wirst stets die Stadt meiner Träume sein….

Wie kommt bloß der Musikverein
In den gleichnam’gen Saal mal rein?
Was lange fast unmöglich schien:
Endlich sang man doch in Wien!

Und dann auch noch Missa Solemnis,
Der Vorstand ahnte ein Verhängnis,
Verordnet Ruhe und wacht strenge,
Damit das Riesenwerk gelänge.

Auch dort wo zwischen vielen Grachten
Seit 100 Jahren Musik machten
Die Leute vom Concertgebouw,
Sie wussten es schon ganz genau:

Das Jubiläumsfest mit Beatrix,
Ohne die Düsseldorfer wird das nix.
Vier Tage Proben, dann nach Hause,
Nach einem Arbeitstag - als Pause -

Ging’s zum Konzert dann mit dem Zug.
Doch war auch das noch nicht genug.
Vom Bahnhof in den schönen Saal
Ist es verkehrstechnisch ne Qual.

Zum Bus bestellt die Reiseleitung
Drum gleich die richtige Begleitung.
Den Sängern fehlten schier die Worte
Beim Rasen mit der Polizeieskorte.

Das Ende sei hier noch verraten:
Auf uns musst’ Beatrix nicht warten!
Aus tausend Kehlen strömt der Ton,
Es sendet live Eurovision.

Wenn’s Concertgebouw zur Stelle ruft:
Sänger nach Amsterdam,
kommen wir sogleich herbeigeeilt,
Sänger nach Amsterdam.
Singen laut dann in dem schönen Saal,
Sänger in Amsterdam.
Mahlers Achte, Ludwigs Neunte, Requiem von Berlioz, alles was man singen kann,
singen Sänger in Amsterdam.

Noch mehrfach ging’s nach Amsterdam,
Bis dann die dollste Reise kam:
Missa Solemnis tiptop präpariert,
War für Sawallisch einstudiert.

Gepackt warn Koffer, Beutel, Taschen.
Gekühlt der Trunk in manchen Flaschen,
Nur Stunden vor dem Start am Rhein,
Fiel Gisela es plötzlich ein,

Noch schnell mal ins Büro zu schauen.
Ein Fax hat sie dort umgehauen:
„Solisten Krank, Konzert fällt aus,
Der Chor, der bleibt einfach zu Haus!“

Sie las zwei, dreimal was da stand,
Dann wurd’ der Chor nach Haus gesandt.
Sagt selbst: Muss nicht von allen Reisen,
Die als die „ausgefallenste“ man preisen?

Nachdem Europa abgehakt,
Ist reif man für den deutschen Markt.
Gleich mehrfach lockt uns nun Chailly
In Karajans Philharmonie

Wenn uns die Berliner Luft nun ruft,
mit dem ganz besondren Duft, Duft, Duft,
folgen wir dann diesem Ruf, Ruf, Ruf,
diesem Ruf, Ruf, Ruf, diesem Ruf, Ruf, Ruf,
Ja, ja, ja wenn uns die Berliner Luft nun ruft,
mit dem ganz besondren Duft, Duft, Duft,
folgen wir dann diesem Ruf, Ruf, Ruf
hin in die Berliner Luft.

Chailly rief uns an seine Seite:
Für Gurre-Lieder, Mahlers zweite…
Auch Schumanns Requiem und Messe
Sind mit Sawallisch unvergessen.

Für Schostakowitschs Babi Jar
Holte uns dann noch Dutoit.
Rief an die Spree den Herrenchor,
Für Texte wie „Gubil je jo….“

In München steht ein Opernhaus, oans, zwoa, g’sunga

Zuvor nach München an die Isar
Sawallisch rief für Genoveva.
Elias drauf zum Kirchentag
Das war dann wirklich richtig stark:

Der Fischer-Dieskau als Prophet
Als erster der Solisten steht.
Price, Schreier, Faßbender und Moll,
Auch das Quartett war richtig toll.

Ein zweites folgte und drei Knaben,
Was mussten die für Kohle haben?
Bei spät’ren Touren war’s auch so:
München macht Schatzmeister froh!

Doch muss man nicht Entfernung preisen,
Wenn’s wirklich geht um weite Reisen.
Von Düsseldorf ist nah der Mond,
Doch weit entfernt der Kölner Dom!

Mer singe im Dom zu kölle,
denn da gehörn wir hin.
Wat solln mer denn woanders,
das macht doch keinen Sinn

Was keiner richtig glauben mag:
Janowski bracht es an den Tag:
Auch Köln die Düsseldorfer liebt,
Wenn man Gesang zum Besten gibt.

Mit Conlon und dem Gürzenich,
wurd’ diese Lieb fast inniglich:
Mahler, Wagner, Brahms, Zemlinksky…
In Köln, Paris und Cincinnatti…

Da war er dann geschafft sogleich,
Der zweite Sprung über’n großen Teich…
Ein Chor, der richtig auf sich hält,
Muss nämlich in die weite Welt.

Der Reiseleitung wurde etwas flau,
Als einst es hieß: Auf nach Breslau.
Der weg dahin, der war schon schwer,
Im Sonderzug durch DDR,

In Polen: Kriegsrecht, auch kein Spaß,
Und Meister Klee, der traut sich was:
War’s uns bei Mozarts Requiem,
Als Chor noch relativ bequem…

Der Überlebende aus Warschau,
an diesem Ort, der traf genau.
Im Halse saß noch fest der Kloß,
Als Mozart ging von vorne los…

Jerusalem, du hoch gebaute Stadt, wollt Gott, ich wär’ in dir! Mein sehnlich Herz so groß verlangen hat und bald dann sind wir hier. Weit über Berg und Tale, weit über flaches Feld, schwingt sich dann der Gesang und eilt in alle Welt.

Sehr spannend waren Weg und Ziel
Dann auch im fernen Israel:
Die Carmina vom deutschen Orff,
Beliebt zu Haus in Düsseldorf,

Wie wirkt die in Jerusalem?
Doch wars nicht wirklich ein Problem,
Herzlicher Beifall zeugt’ davon.
Für Chor, Orchester und Shallon.

Lobgesang und a-Capella-Chöre
Brachten wir noch zu Gehöre.
Dazwischen lief dann das Programm,
Was man dort alles sehen kann…

Denn ist die Reise schon so weit,
Braucht man auch etwas freie Zeit.
Für manche gab’s Verlängerung!
Ein Lob der Reiseleitung. Punkt!

Ein Gipfel fehlt noch, woll’n wir wetten:
Es kam der „Einsatz in Manhattan“.
Mit Mendelssohn und Norrington,
EMI wollt ne CD davon…

Ja in dieser Stadt, da singen wir nun, und mehren unsren Ruhm sogleich
In old New York,
If we can make it there, we’ll make it everywhere
It’s up to you New York, New York….

Das sollte auch Sponsoren locken,
Denn finanziell ein dicker Brocken
War hier zu stemmen. Doch es ging
Als Landesvater Rau stieg in den Ring.

Er sorgte aus der Lottokasse
Für finanziell die krit’sche Masse.
Die Reiseleitung fand dann schnell
Für uns das richtige Hotel.

Jetzt nur noch schnell zwei Flieger buchen,
Den Weg zu Proben und Konzerten suchen,
Die Sänger zählen und die Gäste,
Die Reiseleitung gibt das Beste.

Selbst gutes Wetter war bestellt,
Für unseren Sprung zur neuen Welt.
Und viele schrieen noch Hurra,
Für eine Woche Florida!

Doch was bestimmt nicht alle Wissen,
Das meiste läuft hinter Kulissen.
Gisela zählt da manchmal hin und her
Damit kein Bettchen bleibe leer.

Das ging oft spät bis in die Nacht,
Die einmal zählend durchgewacht.
Es fehlt ein Name – ohne Spaß,
Doch nur, weil sie sich selbst vergaß.

Der dickste Hammer kam zu letzt:
Brahms Deutsches Requiem in Metz.
Hotels erst voll, dann wieder leer,
Ganz viele mussten hin und her…

Kurz: Selbst sie hier, unsre Listenreiche,
Kriegt da schon manchmal ziemlich weiche
Knie. Doch war’s die Mühe wert,
Wie dann beweist das Festkonzert!

Doch also lautet ein Beschluss,
Das jede Reise enden muss.
Dann, schwelgend in Erinnerung,
Fehlte manchmal letzter Schwung.

Vor allem Klee wollt uns nicht preisen,
Wenn heimgekehrt wir war’n vom Reisen.
Ein falscher Ton, er sprach: „Ihr lieben,
Wärt ihr doch in Düsseldorf geblieben.“

Da bleibt sie nun, singt nicht mehr weiter,
gibt ab den Job als Reiseleiter.
Uns bleibt jetzt nur, ohn’ jedes Wanken,
für alles tönend ihr zu danken!

Chor Nr. 19, Elias, ab Takt 81, Buchstabe C

Danket ihr, danket ihr für alles

Jens D. Billerbeck
Musikalische Einrichtung: Reinhard Kaufmann

Alle Gäste beteiligten sich mit großer Freude am spontanen Singen: